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"Schockiert, wie heftig Corona ist"

Bäckermeister Marlon Gnauck musste zunächst in Quarantäne. Dann erwischte ihn die Krankheit mit voller Wucht. Jetzt will er wieder öffnen.

Marlon Gnauck hat sich über die Feiertage mit dem Coronavirus infiziert. "Nichts ging mehr", sagt er.
Marlon Gnauck hat sich über die Feiertage mit dem Coronavirus infiziert. "Nichts ging mehr", sagt er. © René Meinig

Ottendorf-Okrilla. Erst sah es aus, als müsse Marlon Gnauck nur in Quarantäne. Das Gesundheitsamt teilte ihm mit, dass er direkten Kontakt mit einer infizierten Person hatte und deswegen in Quarantäne muss. Den schriftlichen Bescheid erhielt er wenige Tage später. Er schloss das Geschäft und schickte seine Mitarbeiter nach Hause. Für die Zeit hatte er sich viel vorgenommen. Endlich ein Online-Bestellsystem für seine Brötchen, den Kuchen und das Brot entwickeln, das den Namen auch verdient.

Doch daraus wurde nichts. Der Ottendorfer Bäckermeister wurde schwer krank. „Ich habe mir eine Corona-Infektion eingefangen“, sagt er. Er habe sich plötzlich schlapp gefühlt. „Nichts ging mehr. Treppensteigen war schwierig und vor allem hat mich schockiert, wie meine geistigen Kräfte eingebrochen sind. Nicht einmal eine Stunde lang konnte ich mich konzentrieren, danach war mein Kopf wie Matsch. Meine Leistungsfähigkeit ging gegen Null“, erzählt er. Dazu kamen Atembeschwerden und starke Halsschmerzen. So wurde aus dem Programmieren am Computer nichts.

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Ausruhen, schlafen und wieder ausruhen waren die Hauptbeschäftigungen. „Ich habe mich sehr krank gefühlt. Wer sagt, Corona ist wie eine Grippe, hat die Krankheit noch nicht durchgemacht. Auch die Behauptung, dass es nur Ältere schwer trifft, stimmt nicht. Ich bin zwar nicht mehr ganz jung, aber zu den Älteren würde ich mich auch noch nicht zählen“, sagt der Mittvierziger. Seine Familie war vom Virus nicht betroffen. Marlon Gnauck ist sicher, dass er sich das Virus nicht im Laden eingefangen hat. „Das ist privat über die Feiertage passiert, trotz aller Vorsicht.“

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Im Geschäft wird er jetzt noch stärker darauf achten, dass sich die Kunden untereinander, aber auch die Mitarbeiter nicht anstecken. „Wir haben eine Scheibe quer durch das Geschäft gezogen. Dann darf weiterhin nur ein Kunde in den Laden, und es sollte möglichst bargeldlos bezahlt werden.“ Vor dem Geschäft wird weiterhin ein Zelt-Pavillon stehen, damit die Kunden nicht im Schnee stehen müssen, sagt der Ottendorfer.

Am Montag macht die kleine Bäckerei wieder auf. „Wir fahren dann gleich das volle Programm. Eine Bäckerin bereitet seit Donnerstag alles vor. Nächste Woche sind dann auch alle meine Mitarbeiter wieder dabei. Von ihnen ist glücklicherweise keiner erkrankt.“

Er ist froh, nicht länger ans Krankenbett gefesselt zu sein und sein Geschäft wieder öffnen zu können. „Wir verkaufen ja jetzt noch im Geschäft der Fleischerei Schempp am Tedi-Einkaufsmarkt in Ottendorf. Am Montag ist der erste Tag, zu dem wir das vereinbart haben. Glücklicherweise passt das gerade.“ Auch in mehreren Orten in Dresden werden Brötchen, Brote und Kuchen von Marlon Gnauck angeboten. „Wir wollen bis zum Sommer zwei weitere Bäcker einstellen. Entsprechende Anzeigen habe ich jetzt veröffentlicht. Eine längere Corona-Erkrankung von mir hätte das vielleicht nicht möglich gemacht.“

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Das neue Computersystem soll ebenfalls kommen, nur etwas später. Damit soll es künftig möglich sein, dass jeder auf der Homepage seine Frühstücksbrötchen bestellen und auch gleich bezahlen kann. „Das reine Abholen würde dann im Geschäft vieles vereinfachen und die Wartezeiten verkürzen.“

Einen genauen Startzeitpunkt für das System kann er noch nicht nennen. „Es ist komplizierter als gedacht. Ich möchte ja, dass die Kunden bis einige Stunden vor der Abholung ihre Bestellungen ändern können. Da muss ja auch die Abrechnung korrekt funktionieren. Die Seite wird erst freigeschaltet, wenn alles reibungslos funktioniert, sonst schreckt das nur ab.“

Bäckermeister Gnauck, der seine Programmierarbeit am Computer als Ausgleich zur eher körperlichen Arbeit in der Backstube versteht, war Anfang 2020 über Ottendorf hinaus bekannt geworden. Damals hatte er ein System eingeführt, mit dem er den ungeliebten, aber vorgeschriebenen Papier-Kassenbon umging. Kunden konnten einen QR-Code per Handy scannen und erhielten so die Rechnung per Mail.

Der umtriebige Bäckermeister ist mit dem Sächsischen Umweltpreis in der Kategorie „Umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen“ ausgezeichnet worden. Zuletzt wurde er vom Magazin „Der Feinschmecker“ ausgezeichnet. Der Bäckerei wurde bescheinigt, zu den 500 besten in Deutschland zu gehören. Bewertet wurden neben der Produktqualität Innovation und Tradition.

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