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Bäcker muss wegen Corona schließen

Marlon Gnauck kann in seinem Geschäft in Ottendorf zwei Wochen lang keine Ware anbieten. Dabei hatte er alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Bäckermeister Marlon Gnauck in seinem Geschäft in Ottendorf-Okrilla. Auf Anordnung des Gesundheitsamtes müssen er und mehrere seiner Mitarbeiter in Quarantäne.
Bäckermeister Marlon Gnauck in seinem Geschäft in Ottendorf-Okrilla. Auf Anordnung des Gesundheitsamtes müssen er und mehrere seiner Mitarbeiter in Quarantäne. © Archivfoto: Rene Meinig

Ottendorf-Okrilla. Das ist bitter: Bäckermeister Marlon Gnauck muss sein Geschäft in Ottendorf-Okrilla wegen der Corona-Pandemie vorübergehend schließen. Auch über die Internetseite seines Geschäfts kann nichts mehr bestellt werden. Die Verkaufsstelle bei der Fleischerei Schempp am Tedi-Markt wird ebenfalls nicht beliefert.

Grund ist die Corona-Pandemie. Dabei hat der Handwerksmeister alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Schon bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr schränkte er den Bargeldverkehr ein, so weit es ging. Neben der kontaktlosen Kartenzahlung bot er seinen Kunden an, per Wochenrechnung bezahlen. Jeder, der es wollte, bekam eine Kundenkarte mit Barcode. Der wurde gescannt und die Einkaufssumme drauf gebucht. Jedes Wochenende wurde die Rechnung per E-Mail an den Kunden verschickt und die Summe vom Konto abgebucht. „Nein, das Bargeld will ich nicht abschaffen; wenn der ganze Spuk mit dem Coronavirus vorbei ist, nehmen wir gern wieder Münzen und Scheine ohne Bedenken an“, erklärte Gnauck.

Außerdem bot er seine Waren über eine spezielle Handy-App an. Die Pakete mit Brötchen, Broten oder Kuchen wurden dann innerhalb Ottendorfs ausgeliefert, zum Ladenpreis. Im Laden selbst nimmt er das Abstandsgebot genau. Nur eine Person darf ihn betreten, dann kommt der nächste dran. Freilich nur mit Maske. Zuletzt hat er vor seinem Geschäft ein Party-Zelt aufgestellt. Nicht, damit seine Kunden dort feiern können, sondern damit sie nicht im Regen stehen müssen.

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Jetzt das Aus. Das Geschäft ist geschlossen, die Backstube kalt. „Drei meiner Mitarbeiter und ich selbst sind vom Landratsamt aufgefordert worden, in Quarantäne zu gehen. Bleibt nur noch der Kollege, der bei uns eine halbe Stelle hat, übrig. Er alleine kann natürlich die Backstube nicht betreiben“, sagt Marlon Gnauck.

Er selbst hat vor wenigen Tagen den Anruf vom Gesundheitsamt erhalten. „Sie haben mir mitgeteilt, dass ich direkten Kontakt mit einer infizierten Person hatte und deswegen in Quarantäne muss. Den schriftlichen Bescheid erhalte ich in den nächsten Tagen. Bei meinen Mitarbeitern ist es ähnlich gelaufen.“

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Auch wenn das für den kleinen Betrieb hart ist, der Bäckermeister steht hinter den Einschränkungen. „Das ist richtig so. Wir müssen von den hohen Ansteckungszahlen, die es im Landkreis Bautzen gibt, runter. Es kann trotz aller Vorsichtsmaßnahmen jeden treffen, das haben wir jetzt sehr deutlich gemerkt.“

Er habe ja noch Glück gehabt, dass die Quarantäne nicht drei, vier Wochen früher notwendig war, sagt er. „Da hätten wir in der Weihnachtszeit schließen müssen. Das hätte uns noch stärker getroffen. So konnten wir beispielsweise noch alle Stollen-Pakete versenden. Überhaupt liefen die vergangenen Wochen in der Bäckerei gut. „Wir hatten den Eindruck, dass Menschen sich mehr Zeit nehmen, um beispielsweise ein gutes Stück Gebäck zu genießen.“

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Symptome hat Marlon Gnauck bisher keine, dafür aber viel Zeit. Die will er jetzt nutzen, so gut es geht. „Ich werde weiter an der Verbesserung am Computersystem der Bäckerei arbeiten“, sagt er. Künftig soll es möglich sein, dass seine Kunden auf der Homepage ihre Frühstücksbrötchen bestellen und auch gleich bezahlen können. „Das würde vieles vereinfachen und vor allem Zeit sparen. In Stoßzeiten bilden sich manchmal lange Schlangen. Ein reiner Abholservice würde sie erheblich verkürzen.“

Für voraussichtlich zwei Wochen ist das Geschäft jetzt geschlossen. „Ich rechne damit, dass wir am Montag, den 18. Januar, wieder öffnen können.“ Glücklicherweise kann ein Kollege früher aus der Quarantäne. Er wird die Backstube wieder hochfahren, wie Marlon Gnauck sagt. „Das dauert zwei, drei Tage.“

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