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Der einsame Kandidat

Kaum beachtet, wählt auch Bahretal einen neuen Bürgermeister. Dass Ronny Schietzold der einzige Bewerber ist, findet er gut und bedenklich zugleich.

Vor zwei Jahren in den Gemeinderat gewählt, jetzt kurz davor, Bürgermeister zu werden: Ronny Schietzold.
Vor zwei Jahren in den Gemeinderat gewählt, jetzt kurz davor, Bürgermeister zu werden: Ronny Schietzold. © Daniel Schäfer

In zwei Jahren vom Gemeinderat zum Bürgermeister: Das ist die kommunalpolitische Karriere von Ronny Schietzold. 2019 in den Gemeinderat gewählt, dann gleich zum stellvertretenden Bürgermeister und nun steht er kurz davor, die Bahretaler Geschicke ehrenamtlich in die Hände zu nehmen. Am 21. Februar steht er als einziger Kandidat zur Wahl. Die langjährige Amtsinhaberin Brigitte Kolba tritt nicht mehr an. Schietzold hat die Wahl mit großer Wahrscheinlichkeit schon vor der Wahl gewonnen, denn der Parteilose ist der einzige Kandidat. Nominiert hat ihn die Wählerinitiative Bahretal, was ihm das Sammeln von Unterstützungsunterschriften ersparte.

Familienvater, Unternehmer, Verwaltungswirt

Der 36-jährige Familienvater lebt seit 1997 im Ortsteil Friedrichswalde. 2003 machte er sein Abitur in Pirna, drei Jahre später war er Diplom-Verwaltungswirt. Nach rund zehn Jahren im öffentlichen Dienst erfüllte er sich Ende 2015 mit einem Geschäftspartner den Wunsch vom eigenen Unternehmen. 2019 dann die nächste Herausforderung: Erst die Wahl in den Gemeinderat, dann zum stellvertretenden Bürgermeister. Insgesamt vier Monate vertrat er Brigitte Kolba. Das war sozusagen sein vorbereitendes Praktikum. "In dieser Zeit erlangte ich einen sehr guten Einblick in die tägliche Arbeit eines Bürgermeisters, sowohl im Alltag als auch in schwierigen Situationen, wie dem ersten Lockdown."

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Schietzold hat bisher unter anderem die Modernisierung des Spielplatzes Friedrichswalde, die Beschaffung eines neuen Mannschaftswagens für die Feuerwehr Nentmannsdorf, die Fördermittelbeantragung für den Kindergarten Nentmannsdorf und die anstehende Modernisierung der Wohnblöcke in Gersdorf begleitet. "Meine Heimat selbst mitgestalten und weiterentwickeln zu können, ist eine einmalige Chance und Herausforderung", schreibt er auf seinem Faltblatt, das er im Ort verteilt. Als Schwerpunkte seiner Arbeit nennt er zum Beispiel das Renovieren der gemeindeeigenen Wohnungen, die Entwicklung des neuen Wohngebietes Gersdorfer Höhe und den Ausbau der Infrastruktur.

Drei Gründe für die unaufgeregte Wahl

Die Bürgermeisterwahl ist eine Entscheidung für die nächsten sieben Jahre. Was für die Gemeinde wichtig ist, wird außerhalb kaum wahrgenommen. Für Ronny Schietzold ist das prinzipiell nachvollziehbar. Drei Gründe sprechen dafür. Erstens, dass es "nur" ein ehrenamtlicher Posten ist, zweitens dass es nur einen Kandidaten gibt und drittens, dass es zwar eine selbstständige Gemeinde ist, die aber doch zu einer größeren Verwaltungsgemeinschaft gehört. Zu der gehört auch Liebstadt und ihr Sitz ist in Bad Gottleuba-Berggießhübel. Und dort wird im April ebenfalls gewählt. Ronny Schietzold werde mit jedem, der dann Stadtoberhaupt "dort drüben" ist, zusammenarbeiten. "Die Wahl dort hat mit meiner Meinung und meinem Engagement für Bahretal nichts zu tun."

Demokratischer Gedanke geht verloren

Dass die Wahl in Bahretal so unaufgeregt verläuft, findet Schietzold einerseits gut und andererseits bedenklich. Gut, weil er seine Ziele damit wohl ungestört erreichen kann. Bedenklich, weil der demokratische Gedanke bei nur einem echten Kandidaten verloren geht. Ein größeres Interesse und Engagement wäre gut gewesen, sagt er. Die größte Sorge von Brigitte Kolba war, dass es gar keinen Kandidaten gibt. "Am Ende wollen die Leute einfach eine funktionierende Gemeinde", sagt Schietzold. "Und das sagen sie mir auch auf der Straße."

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Die Wahl in Bahretal bleibt aber trotz eines einzigen Kandidaten eine Wahl. So ist in solchen Fällen Gesetz, dass die Wähler selbst weitere Namen auf den Stimmzettel schreiben können. Ob das passiert und wie hoch die Wahlbeteiligung ausfällt, das ist dann das wirklich Spannende bei der Wahl am 21. Februar.

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