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Basteihotelchefin: "Da wird es einem himmelangst"

Petra Morgenstern ärgert sich über die ungleiche Behandlung des Mittelstandes. Aufgeben wird sie dennoch nicht.

Petra Morgenstern, Geschäftsführerin des Berghotels Bastei. "Für Januar und Februar waren wir zu 60 Prozent ausgebucht."
Petra Morgenstern, Geschäftsführerin des Berghotels Bastei. "Für Januar und Februar waren wir zu 60 Prozent ausgebucht." © Steffen Unger

Die Bastei ist in der Sächsischen Schweiz anders als das Kirnitzschtal auch im Winter ein klassisches Ausflugsziel. Es sei, das Land befindet sich im Corona-Lockdown wie jetzt. Damit gehen dem Berghotel samt Restaurant wichtige Einnahmen verloren. Immerhin war das Hotel fast ausgebucht, und zwischen Weihnachten und Neujahr hatte das Restaurant täglich 600 Vorbestellungen. Saechsische.de sprach mit Hotelchefin Petra Morgenstern, wie sie mit der Situation umgeht und wie sie es schaffen will, nicht aufgeben zu müssen.

Frau Morgenstern, Sie könnten über Weihnachten Ihr Hotel öffnen für Verwandtenbesuche. Warum tun Sie es nicht?

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Keinesfalls fahren wir Hotel oder auch Restaurant hoch. Es ist zwar möglich, aber mit solchen enormen Kosten verbunden, dass wir ein Minus einfahren, was wir uns als Bastei nicht leisten können. Die Räume im Hotel sowie im Restaurant sind völlig ausgekühlt, da seit sechs Wochen die Heizung aus ist, um Kosten zu sparen. Trotzdem haben wir heute die Rechnung für Strom bekommen: Sie liegt bei 6.800 Euro. Das Gleiche dann wieder rückwärts. Ganz abgesehen von den Vorbereitungen in der Küche.

Was wünschen Sie sich von der Landesregierung?

Es ist zwar Weihnachten, aber von Wünschen sind wir weit entfernt. Wir verstehen schon, dass die Regierung nicht einfach jedem Betrieb genug finanzielle Mittel zur Verfügung stellen kann. Ich habe schon Bedenken, wie der gesamte Geldfluss in den letzten Monaten refinanziert werden soll. Da wird es einem himmelangst. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass wir als Bastei in der Corona-Zeit keine Zuschüsse erhalten haben, außer dem Kurzarbeitergeld. Wir sind bisher durch jedes Förderprogramm gefallen. Dieses Mal werden wir aber welche bekommen. Auch wenn die erst im Januar oder Februar ausgezahlt werden. Wir freuen uns aber darüber. Hauptsache ist, sie kommen auch.

Es gibt Kollegen in Ihrer Branche, die daran denken aufzugeben. Wie ist das bei Ihnen, knapp zwei Jahre nachdem Sie das Berghotel übernommen haben?

Die Bastei gibt es seit 200 Jahren und sie wird es auch die nächsten 200 Jahre noch geben. Wir als Bastei werden immer durchhalten. Wir haben super Personal, zahlen gute Löhne, zahlen selbst Lehrlingen 200 Euro über Tarif. Was mich oder uns als Mittelstand immer wieder sehr ärgert, ist, dass die großen Firmen nach einer Nacht-und-Nebelaktion der Bundesregierung in Berlin Hilfen in Milliardenhöhe zugeschanzt bekommen. Manchmal geht eben alles sehr schnell, nur bei uns nicht. Unsere Regierung hat bis heute nicht begriffen, dass dieser Staat vom Mittelstand am Laufen gehalten wird. Was in Berlin ausgegeben wird, wird durch den Mittelstand und die ganz kleinen bezahlt. Genau das ist ein Grund, warum auch viele unzufrieden sind und kein Vertrauen in unsere Politik haben.

So wird die Schließzeit genutzt. Im Hotel werden Klimaanlagen eingebaut.
So wird die Schließzeit genutzt. Im Hotel werden Klimaanlagen eingebaut. © Steffen Unger

Was bedeutet der Lockdown für das Berghotel Bastei?

Wir sind sehr traurig darüber, dass alles geschlossen ist, da wir auch für den Januar und Februar bereits Ende September zu 60 Prozent ausgebucht waren. Es wäre nur noch mehr geworden. Abgesehen davon, dass ab Weihnachten bis Neujahr täglich zirka 600 Vorbestellungen im Restaurant verbindlich gebucht wurden. Dies war sehr zeitaufwendig, da wir eine genaue Zeitplanung erarbeitet haben, um die Hygienebestimmungen auch entsprechend einzuhalten. Alles futsch.

Wie nutzen Sie die Schließzeit?

Die Schließzeit nutzen wir für lautstarke Baumaßnahmen. Wir klimatisieren das gesamte Hotel. Aufgrund langer Zusammenarbeit mit unseren Firmen war das sehr kurzfristig möglich. Dafür bedanken wir uns. Alle unsere Handwerker sind top und zuverlässig, nur so ist es möglich, in kurzer Zeit alles zu realisieren. Das wäre im laufenden Betrieb nicht möglich gewesen. Wir erweitern die Küche, bauen eine neue Hochdruck-Wasseranlage, neue Gefrierzellen im Restaurant. Außerdem planen wir ein weiteres großes Bauvorhaben, was gerade vom Architekten vorbereitet wird. Das ist aber noch ein Geheimnis.

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