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Wie Corona die Arbeit der Hebammen verändert

Maskenpflicht, weniger Kontakt, digitale Schwangerschaftskurse: Durch das Virus ist rund um die Geburt im Kreis Bautzen vieles neu - aber nicht alles schlechter.

Hebamme Mandy Preusche (l.) untersucht die drei Monate alte Ella. Wegen der Maske würden manche Babys irritiert schauen. Ellas Mama, Eunike Glöß, kann diesen Eindruck bei ihrer Tochter bestätigen.
Hebamme Mandy Preusche (l.) untersucht die drei Monate alte Ella. Wegen der Maske würden manche Babys irritiert schauen. Ellas Mama, Eunike Glöß, kann diesen Eindruck bei ihrer Tochter bestätigen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die drei Monate alte Ella schaut sich neugierig um, während sie von der Bautzener Hebamme Mandy Preusch gewogen wird. Knapp sechs Kilogramm bringt sie auf die Waage. „Da hast du ordentlich zugenommen. Das gefällt uns doch“, sagt Mandy Preusch, die bei der Untersuchung eine Maske trägt. „Das ist mittlerweile völlig normal. Die werdenden Mütter haben sich daran gewöhnt und auch wir Hebammen“, sagt sie.

Und auch die Babys kennen es gar nicht mehr anders. „Manche gucken noch irritiert. Aber die meisten stört es nicht“, sagt Mandy Preusch. Ellas Mutter, Eunike Glöß, meint: „Da ich zu Hause keine Maske trage, findet meine Tochter mich mit Maske dann schon ungewöhnlich.“

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Maske tragen, Abstand halten, Hände desinfizieren: Diese Corona-Regeln gelten auch für die Hebammen. „Durch Corona hat sich unsere Arbeit in allen Bereichen verändert“, erklärt Stephanie Hahn-Schaffarczyk, Vorsitzende des Sächsischen Hebammenverbandes. So musste die Betreuung der Schwangeren teilweise auf digitale Angebote umgestellt werden.

Viele Frauen verzichten auf Vorsorge

„Geburtsvorbereitung- oder Rückbildungskurse, aber auch die einzelnen Betreuungstermine finden seit einem Jahr bei vielen Hebammen digital statt. Manche Kolleginnen können jedoch aufgrund sehr schlechter Netzqualität keine digitalen Kurse anbieten“, erklärt Stephanie Hahn-Schaffarczyk.

Diese Kolleginnen haben dann in Präsenzkursen mit deutlich weniger Teilnehmerrinnen und Teilnehmern gearbeitet oder mussten dieses Angebot seit dem erneuten Lockdown komplett einstellen. „Die Geburtsvorbereitung ist jedoch elementar und wichtig, um Frauen die Angst zu nehmen und sie gut auf die Geburt und alle damit verbundenen Veränderungsprozesse vorzubereiten“, erklärt die Hebamme des Lausitzer Seenland Klinikums Hoyerswerda weiter.

Mandy Preusche bietet in ihrer Praxis auf der Muskauer Straße in Bautzen dagegen auch jetzt noch Geburtsvorbereitungskurse an. „Wir haben den Vorteil, dass wir große Praxisräume haben, so konnten wir unsere Kurse halbieren und die Abstandsregeln einhalten. “ Doch leider würden viele Frauen ihre Vorsorgepflicht nicht wahrnehmen. „Sie haben teilweise Angst, sich mit Corona zu infizieren, und kommen deswegen nicht in die Praxis“, sagt sie.

Schwangeren fehlt der Austausch untereinander

Ihre Kollegin Ramona Hennlein-Rodrian aus Bischofswerda kann dem nur zustimmen. Die Hebamme sagt: „Unsere Schwangeren leiden unter der Situation. Unsere Tätigkeit lebt von Kontakt, von Berührungen. Durch Corona ist das natürlich nur noch eingeschränkt möglich.“ In ihrer Hebammenpraxis in Bischofswerda, die sie mit zwei Kolleginnen betreibt, würden derzeit keine Präsenzkurse stattfinden. „Dazu sind unsere Räume zu klein. Online-Kurse wären eine Alternative. Das ist aber bei uns nicht möglich.“

Die Frauen können sich so untereinander nicht mehr austauschen. „Sie brauchen aber den Austausch während der Schwangerschaft und auch danach“, sagt Ramona Hennlein-Rodrian.

Bernadette Werner, die im Kamenzer Malteser Krankenhaus St. Johannes als Hebamme arbeitet, bestätigt diesen Eindruck. „Der Kontakt und die Gespräche mit anderen Müttern fehlen. In den Vorbereitungskursen werden auch Freundschaften untereinander geschlossen. Das passiert jetzt alles nicht“, sagt sie.

Doch durch die Corona-Einschränkungen hat sich nicht alles zum Schlechten geändert, weiß Daniela Nicolaus zu berichten. Die Kinderkrankenschwester leitet die Entbindungsstation im Kamenzer Malteser Krankenhaus St. Johannes. „Die Mütter wirken entspannter. Kind und Mama funktionieren besser als Team. Sie lassen sich mehr aufeinander ein“, sagt sie. Das liege vor allem daran, dass derzeit außer dem Vater kein Besuch im Krankenhaus gestattet ist.

Kinderkrankenschwester Daniela Nicolaus vom Kamenzer Malteser Krankenhaus St. Johannes hat festgestellt, dass die Mütter auf ihrer Entbindungsstation zurzeit entspannter sind.
Kinderkrankenschwester Daniela Nicolaus vom Kamenzer Malteser Krankenhaus St. Johannes hat festgestellt, dass die Mütter auf ihrer Entbindungsstation zurzeit entspannter sind. © Malteser Krankenhaus St. Johannes

Auch Mandy Preusche kann einen positiven Effekt durch die Corona-Krise feststellen. „Durch die kleineren Gruppen haben die Frauen mehr Zeit für sich. Und wir können besser auf Fragen eingehen“, sagt sie. Außerdem stelle sie eine steigende Nachfrage nach Hausgeburten und ambulanten Entbindungen außerhalb der Kliniken fest. „Im Krankenhaus gibt es durch Corona einiges mehr zu beachten. Viele verzichten darauf.“

Einen Babyboom durch Corona sieht Mandy Preusche dagegen nicht. „Mit meiner Kollegin betreuen wir sieben bis acht Kinder im Monat. Das sind nicht mehr als in den Vorjahren“, sagt sie. Auch mehr Anfragen habe sie nicht bekommen.

Bisher ist kein Babyboom erkennbar

Hebamme Kirsten Patzer aus Bautzen hat laut eigenen Aussagen derzeit viel zu tun, doch das sei im Januar und Februar des vergangenen nicht anders gewesen. Ramona Hennlein-Rodrian sieht es genauso und meint: „Wenn Paare Kinder bekommen, dann wollten meiner Erfahrung nach 99 Prozent das Kind auch. Der Kinderwunsch ist, unabhängig von einer solchen Krise, entscheidend.“

Auch Stephanie Hahn-Schaffarczyk vom Sächsischen Hebammenverband kann einen Baby-Boom bisher nicht erkennen, im Gegenteil. „Sachsenweit sind im letzten Jahr weniger Kinder geboren, als in 2019. Und in den ersten beiden Monaten dieses Jahrs ist eher einen gleichbleibende, denn eine ansteigende Geburtenrate zu verzeichnen“, teilt sie mit.

Die kleine Ella ist Anfang Dezember auf die Welt gekommen. Damit gehört sie zu den sogenannten Corona-Kindern, die am Beginn der Pandemie in Deutschland gezeugt wurden. „Sie ist halt etwas Besonderes“, sagt ihre Mutter Eunike Glöß und lächelt.

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