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Hochzeitsstimmung trotz Corona

Heiraten ist in Pandemie-Zeiten kompliziert. Im Landkreis Bautzen trauen sich dennoch etliche Paare. Fünf erzählen von ihren ungewöhnlichen Hochzeiten.

Trotz Corona haben sich im Landkreis Bautzen 2020 etliche Paare trauen lassen. Ein Vergleich der Großen Kreisstädte zeigt, dass im Vergleich zum Vorjahr insgesamt nur 20 Trauungen weniger stattfanden.
Trotz Corona haben sich im Landkreis Bautzen 2020 etliche Paare trauen lassen. Ein Vergleich der Großen Kreisstädte zeigt, dass im Vergleich zum Vorjahr insgesamt nur 20 Trauungen weniger stattfanden. © Symbolfoto: dpa/Alexander Lander

Bautzen. Lisa Zettl kommen immer noch die Tränen, wenn sie von ihrer Hochzeit im vergangenen Jahr erzählt. Fast zwei Jahre habe sie gemeinsam mit ihrem Mann Tommy „die perfekte Hochzeit geplant“, wie sie selbst sagt. Doch dann der Schock. „Eine Woche vor unserem Trautermin wurde mein Schwiegervater positiv auf Corona getestet. Sie konnten also nicht bei unserer Trauung dabei sein“, erzählt Lisa Zettl.

Innerhalb einer Woche habe man die gesamte Hochzeit umgeplant. „Wir haben uns gefragt, wie die Eltern meines Mannes dennoch an der Trauung teilhaben können. Das war uns sehr wichtig“, berichtet die 30-Jährige. Die Lösung: Ein Livestream über Instagram. „Meine Cousine hat mit dem Handy alles gefilmt, und so waren meine Schwiegereltern dennoch irgendwie dabei“, berichtet die Cöllnerin, während ihr wieder die Tränen kommen.

Stars im Strampler aus Bischofswerda
Stars im Strampler aus Bischofswerda

Auch in der letzten Woche sind Babys auf die Welt gekommen, die in Bischofswerda und Umgebung zu Hause sind.

Die Eltern von Tommy Zettl mussten eine Woche vor der Trauung aufgrund eines positiven Coronatests in Quarantäne. Den Hochzeitstanz hat das Brautpaar deswegen auf der Straße vor dem Haus der Eltern aufgeführt.
Die Eltern von Tommy Zettl mussten eine Woche vor der Trauung aufgrund eines positiven Coronatests in Quarantäne. Den Hochzeitstanz hat das Brautpaar deswegen auf der Straße vor dem Haus der Eltern aufgeführt. © Marina Schulze

Nachdem sich Lisa und Tommy im Lichthof des Schlosses Spreewiese in Großdubrau vor dem engsten Familienkreis das Ja-Wort gegeben haben, seien die beiden in Stationen zu den Gästen gefahren. „Wir waren bei meinen Schwiegereltern und haben auf der Straße unseren Hochzeitstanz aufgeführt. Meine Schwiegereltern konnten vom Fenster aus zusehen. Das war unglaublich schön“, berichtet Lisa Zettl. Es sei der emotionalste Moment an diesem Tag gewesen. Die Hochzeit abzusagen, sei zu keinem Zeitpunkt eine Option gewesen. „Wir wollten unbedingt heiraten, weil wir uns lieben. Und wäre es nur zu zweit gewesen“, sagt Lisa Zettl.

Trotz Corona haben sich im Landkreis Bautzen 2020 einige Paare trauen lassen. Ein Vergleich der Großen Kreisstädte zeigt, dass im Vergleich zum Vorjahr insgesamt nur 20 Trauungen weniger stattfanden.

In zwei Städten haben sogar mehr Paare geheiratet. So wurden in Radeberg und in Kamenz 2020 mehr Ehen geschlossen als noch 2019. In Kamenz hat ein Paar sogar am 29. Februar geheiratet und feiert nun nur alle vier Jahre Hochzeitstag – ebenso ein Paar in Ottendorf-Okrilla und eines aus Bautzen.

Ein deutlich beliebterer Hochzeitstag war in Bautzen vor allem der 20. Februar 2020. Gleich acht Paare haben sich an diesem Datum das Ja-Wort gegeben. In Hoyerswerda waren es fünf Paare. Am liebsten geheiratet wurde freitags oder sonnabends. In Bischofswerda, Kamenz und Radeberg fanden am Sonnabend die meisten Trauungen statt; in Hoyerswerda und Bautzen am Freitag.

Bei der Party auf Abstände und Hygieneregeln achten

Richard und Josephin Thuß aus Radeberg haben sich am 10. Oktober, einem Sonnabend, im Schloss Rammenau getraut. In der Woche vor der großen Feier hätten beide fast täglich die Corona-Inzidenzwerte gecheckt. „Aber selbst, wenn wir die große Hochzeit aufgrund zu hoher Inzidenzwerte hätten absagen müssen, heiraten wollten wir in jedem Fall“, sagt Richard Thuß. Seine Ehefrau ist heute erleichtert, dass dennoch alles wie geplant geklappt hat: „Wir waren am Ende rund 50 Gäste, und so viele durften wir zu dem Zeitpunkt auch sein. Wir mussten also niemanden mehr ausladen.“

Bei der Hochzeit von Josephin und Richard Thuß (zweiter von rechts, obere Reihe) überraschte Richards Fußballmannschaft vom TSV Wachau das frisch vermählte Paar. Für das Foto durften kurzzeitig die Abstandsregeln missachtet werden.
Bei der Hochzeit von Josephin und Richard Thuß (zweiter von rechts, obere Reihe) überraschte Richards Fußballmannschaft vom TSV Wachau das frisch vermählte Paar. Für das Foto durften kurzzeitig die Abstandsregeln missachtet werden. © Silvia Wolf

Besonders über den Besuch von Richards Fußballmannschaft, dem TSV Wachau, habe man sich gefreut. „Wir haben eine Polterhochzeit gefeiert, und wenn dann einige junge Menschen mitfeiern, dann kommt auch ordentlich Stimmung auf“, erzählt Josephin Thuß. Bei der Party habe man dann auf Abstände und Hygieneregeln geachtet. „Wir wollten, dass sich niemand auf unserer Hochzeit ansteckt. Aber dennoch wollten wir gemeinsam mit unseren Freunden und unserer Familie feiern. Und so war es doch irgendwie besonders“, sagt Richard Thuß.

Besonders war auch die Hochzeit von Florian Schulze und Jana Schmück. Eigentlich wollte das Paar aus Bautzen in Königs Wusterhausen bei Berlin heiraten. Doch einen Monat vorher sagte der Veranstalter die Hochzeit ab. „Wir waren dann kurz geschockt und haben überlegt, die Hochzeit ganz abzusagen. Doch einen Tag später wollten wir dann verschiedene Locations anrufen, und gleich beim ersten Anruf hat es geklappt“, erzählt Florian Schulze, und seine Ehefrau ergänzt: „Es war mit Spreewiese sogar unser eigentlicher Wunschort. Ein Jahr zuvor hatten wir dort bereits angefragt und eine Absage bekommen.“ Dieses Mal war der Termin aber frei.

Florian Schulze hat am 1. August Jana Schmück geheiratet. Eigentlich wollte sich das Paar in der Nähe von Berlin das Ja-Wort geben. Die Hochzeit fand letztendlich in Spreewiese statt.
Florian Schulze hat am 1. August Jana Schmück geheiratet. Eigentlich wollte sich das Paar in der Nähe von Berlin das Ja-Wort geben. Die Hochzeit fand letztendlich in Spreewiese statt. © Anne Hasselbach

Umplanen mussten auch Jana und Alexander Bänsch aus Leipzig. Eigentlich wollte sich das Paar in der Bautzner Villa Weigang am 18. Juli das Ja-Wort geben und sich anschließend in der Kapelle des Schlosses in Gaußig noch kirchlich trauen lassen.

„Wir haben uns schon im März entschieden, die kirchliche Trauung auf 2021 zu verschieben“, sagt Jana Bänsch, die ursprünglich aus Bautzen stammt. Die Trauung auf dem Standesamt fand dennoch statt. „Gefeiert haben wir dann in Sonnenberg in Schirgiswalde-Kirschau bei meinen Eltern.“

Alexander und Jana Bänsch haben sich am 18. Juli in der Villa Weigang in Bautzen standesamtlich trauen lassen. Die kirchliche Trauung haben sie um ein Jahr verschoben.
Alexander und Jana Bänsch haben sich am 18. Juli in der Villa Weigang in Bautzen standesamtlich trauen lassen. Die kirchliche Trauung haben sie um ein Jahr verschoben. © photastisch.de

Relativ problemlos verlief die Hochzeit von Julia und Jan Becker aus Königswartha. Das Paar hatte sich am 25. Juli im Park des Schloss Milkel in Radibor trauen lassen. „Wir hatten sehr viel Glück mit unserer Hochzeit. Wir hatten fast keine Einschränkungen und konnten sie so feiern, wie wir uns das vorgestellt haben“, erzählt Julia Becker.

Fraglich war nur, ob Freunde und Familie aus dem Ausland an der Hochzeit teilnehmen durften. „Meine Tante ist extra mit dem Auto aus London gekommen, weil sie Angst hatte, sonst nicht einreisen zu dürfen. Und meine Trauzeugin und beste Freundin ist sogar zweimal mit dem Flugzeug aus Schottland angereist, zum Junggesellenabschied im Juni und später auch zur Hochzeit.“

Die Hochzeit von Julia und Jan Becker fand Ende Juli unter freiem Himmel im Schlosspark Milkel statt. „Wir hatten fast keine Einschränkungen und konnten sie so feiern, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagt die Ehefrau.
Die Hochzeit von Julia und Jan Becker fand Ende Juli unter freiem Himmel im Schlosspark Milkel statt. „Wir hatten fast keine Einschränkungen und konnten sie so feiern, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagt die Ehefrau. © Markus Brüss

Alle fünf Paare eint, dass sie ihre Hochzeiten trotz der teils widrigen Umstände jederzeit wieder so machen würden. „Bei uns hat die Liebe gesiegt. Wir sind froh, dass wir uns für die Hochzeit trotz Corona entschieden haben. Denn so hatten wir viele persönliche Momente“, fasst es Lisa Zettl zusammen.

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