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Weihnachten mit Corona: Das planen die Kirchen

Gottesdienst mit Anmeldung, Krippenspiel mit Abstand, Christvesper am Telefon - so wollen die Kirchgemeinden im Kreis Bautzen das Fest retten.

Auch Pfarrer Joachim Rasch aus Großdrebnitz hat ein solches Weihnachtsfest, wie es in diesem Jahr bevorsteht, noch nicht erlebt. Für seine Gemeinde hat er am Heiligen Abend 25 Gottesdienste geplant.
Auch Pfarrer Joachim Rasch aus Großdrebnitz hat ein solches Weihnachtsfest, wie es in diesem Jahr bevorsteht, noch nicht erlebt. Für seine Gemeinde hat er am Heiligen Abend 25 Gottesdienste geplant. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Nachdem Sachsen am vergangenen Freitag die neuen Corona-Regeln verabschiedet hat und der Bund am Sonntag die Regeln noch einmal verschärfte, steht fest: Weihnachten wird in diesem Jahr anders laufen. Das stellt auch die Kirchen vor eine große Herausforderung. „Wir planen viel, und am Ende kommt doch etwas dazwischen“, fasst Pfarrer Joachim Rasch aus Großdrebnitz den Zwiespalt der Gemeinden gut zusammen. Doch wie genau wollen die Kirchen im Landkreis Weihnachten nun retten? Sächsische.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Dürfen Weihnachten Gottesdienste stattfinden?

Ja, aber es gelten strenge Hygiene- und Abstandsregeln. So müssen zwischen zwei Gottesdienstteilnehmern mindestens 1,5 Meter Abstand sein. Die Landeskirche empfiehlt sogar zwei Meter. Mund- und Nasenschutz ist vor, während und nach dem Gottesdienst Pflicht. Ausgenommen sind liturgisch Handelnde, also zum Beispiel der Pfarrer oder der Kantor.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Die Gottesdienste soll nicht länger als 45 Minuten dauern. In der evangelischen Kirchgemeinde in Bischofswerda, zu der auch die Orte Goldbach, Großdrebnitz, Putzkau und Schmölln gehören, werden sie nur 30 Minuten kurz sein. „Es werden weniger Menschen auf einmal in die Kirche kommen können, aber dafür wird es mehr und kürzere Christvespern geben“, sagt Joachim Rasch.

Außerdem ist es weiterhin verpflichtend, dass Kontakte nachverfolgt werden können. Da am Weihnachtsabend voraussichtlich viele Menschen in die Kirche gehen werden, setzen die Kirchen auf eine vorherige Anmeldung.

Wie laufen die Anmeldungen ab?

Das ist von Kirchgemeinde zu Kirchgemeinde unterschiedlich. Der evangelisch-lutherische Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz hat auf seiner Website eine Übersicht der Gottesdienste an Heiligabend zusammengestellt. Sie wird auch bei kurzfristigen Änderunen aktualisiert. Darin steht auch, wie man sich zu den einzelnen Gottesdiensten anmelden kann.

Bei der evangelischen Gemeinde St. Petri in Bautzen sollen sich die Menschen ab sofort über eine Online-Plattform anmelden. Der Link dazu ist auf der Homepage der Kirchgemeinde zu finden. Für Menschen ohne Internetzugang ist eine telefonische Anmeldung möglich. „Diese Möglichkeit soll aber bitte nur in Ausnahmefällen genutzt werden“, bittet Pfarrer Christian Tiede.

Bei der evangelischen Kirchgemeinde Bischofswerda läuft die Anmeldung entweder telefonisch über das Pfarramt (03594 703573) über die Internetseiten der Kirchgemeinde.

In Cunewalde wird es nach jetzigem Stand nur eine Christvesper geben. Daran könnten 180 Menschen teilnehmen. Die Anmeldung dafür läuft telefonisch über Kirchvorsteherin Sieglinde Goldberg (0174 8618561). Normalerweise passen in Deutschlands größte evangelische Dorfkirche 2.600 Menschen. „Wenn sie wüssten, wie oft ich schon mit dem Zollstock durch die Kirche gerannt bin“, sagt Pfarrer Friedemann Wenzel.

Auch in der katholischen Gemeinde Kamenz muss man sich zu den Gottesdiensten zu Heiligabend vorher anmelden - in Oßling und in Kamenz telefonisch übers Pfarrbüro Kamenz (03578 7883824) oder über Pfarrer Uwe Peukert (03578 7883825). Zu den Gottesdiensten in der katholischen Kirche in Königsbrück nimmt Familie Klammt (035795 31287) Anmeldungen entgegen.

Die evangelische Kirche in Kamenz hat dagegen noch keine Entscheidung gefällt. Eine Anmeldung ist daher noch nicht möglich. Drei Christvespern und eine Christnacht sind im Gespräch.

Darf im Gottesdienst gesungen werden?

Bisher hat die evangelische Landeskirche Sachsen nur eine Empfehlung ausgesprochen, sich auf ein Lied am Ende des Gottesdienstes zu beschränken. Aber am Sonntag hat der Bund Gemeindegesang untersagt. Bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr war der Gesang lange Zeit verboten. „Tröpfchen fliegen besonders weit beim Singen“, warnte damals Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. Noch steht aber nicht fest, ob wenigstens ein Chor singen darf. Das traditionelle Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ könnte also doch noch am Heiligen Abend in den Kirchen erklingen.

Dürfen Krippenspiele aufgeführt werden?

Ja, aber auch hier gelten sehr strenge Regeln. Bei den Proben muss sich an die Corona-Schutz-Verordnung gehalten werden. Das heißt derzeit: Maximal zwei Haushalte mit maximal fünf Personen dürfen sich treffen. Der Bautzener Pfarrer Christian Tiede sagt: „Das Krippenspiel im Dom wird auch dieses Jahr von den Konfirmanden organisiert. Unsere Proben finden derzeit per Videokonferenz statt.“

In Bischofswerda laufen die Proben etwas einfacher. „Ein Krippenspiel wird von einer ganzen Familie aufgeführt. Sie sind ein Haushalt und können so auch zuhause proben“, erzählt Pfarrer Joachim Rasch.

Werden Gottesdienst ins Internet hochgeladen?

Ja, einige Gemeinden planen einen Video-Gottesdienst. „Unsere große Sorge ist, dass wir Menschen enttäuschen müssen, die nicht am Gottesdienst teilnehmen können“, sagt der Bautzener Pfarrer Christian Tiede. Deswegen wird eine Christvesper mit Krippenspiel aus der Maria-und-Martha-Kirche live auf Youtube gestreamt. Diese bleibe auch zum späteren Anschauen im Netz. „Außerdem wird in der Woche vor Heiligabend eine Christvesper aus dem Dom vorproduziert. Diese wird dann ebenfalls ab Heiligabend auf Youtube zugänglich sein“, sagt Christian Tiede.

Auch in Bischofswerda plant man einen Online-Gottesdienst. „Diesen werden wir in der Woche vor Weihnachten aufzeichnen und anschließend auf Youtube sowie auf unserer Website hochladen“, sagt Joachim Rasch. Zudem wird ein gedruckter Gottesdienst verteilt, den man sich zum Lesen mit nach Hause nehmen kann. „Dort stehen ein Gebet, ein Bibelvers, ein Wort zum Nachdenken sowie Weihnachtslieder.“

Wo wird auf Gottesdienste verzichtet?

Zum Beispiel wird es im Kirchspiel Radeberger Land am Heiligen Abend keine klassische Vesper geben. „Wir wollten das Geschehen etwas entzerren“, sagt Pfarrer Johannes Schreiner. Die Kirchen in Radeberg, Kleinwolmsdorf, Großerksmannsdorf, Wachau, Seifersdorf, Schönborn und Liegau-Augustusbad werden den ganzen Nachmittag geöffnet sein. „Jeder, der kommen will, kann kommen. Es wird Zeit für ein Gebet und ein Bibelwort sein“, lädt Johannes Schreiner ein. Außerdem wird ein kurzer Film gezeigt, indem Kinder die Weihnachtsgeschichte als Krippenspiel aufführen.

Die Radeberger Kirchgemeinde plant auch eine Christvesper am Telefon. „Es wird mehr eine kurze Telefonandacht sein“, sagt der Pfarrer. „Man wählt eine spezielle Rufnummer, und dann kommen vom Band ein Bibelvers und ein paar Worte dazu.“ Damit sollen vor allem ältere Menschen, die kein Internet haben, erreicht werden.

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