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Bautzen: Handel fürchtet erneute Schließung

Die Corona-Inzidenz steigt. Schon Ende der Woche könnte es mit den Öffnungen wieder vorbei sein. Der Kornmarkt-Centermanager warnt vor den Folgen.

Christian Polkow, Chef des Kornmarkt-Centers in Bautzen, hörte sich am Dienstag die Sorgen Händlern an, unter anderem von Modehändlerin Arleta Fröschl.
Christian Polkow, Chef des Kornmarkt-Centers in Bautzen, hörte sich am Dienstag die Sorgen Händlern an, unter anderem von Modehändlerin Arleta Fröschl. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Sieben-Tage-Inzidenz hat laut Meldung des Robert-Koch-Instituts (RKI) im Landkreis Bautzen den zweiten Tag in Folge die Grenze von 100 überschritten. Diese Nachricht bereitet vor allem den Händlern im Landkreis Bautzen derzeit Sorge. Denn sollte der Wert drei Tage in Folge höher als 100 liegen, müssen Lockerungen im Kreis zurückgenommen werden.

Und das betrifft dann vor allem den Einzelhandel, der durch das Einkaufen mit Termin zumindest eine kleine Perspektive hatte. „Es ist eine Gesundheitszahlen-Lotterie. Ich halte es für sehr fragwürdig, ob die 100er-Inzidenz die richtige Zahl für die Öffnung des Einzelhandels ist“, sagte Manger des Bautzener Kornmarkt-Centers Christian Polkow bei einer Online-Debatte mit Bundestagsabgeordneten Caren Lay (Die Linke) vergangene Woche.

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Die Kritik: Öffnungskonzept ist Gesundheitszahlen-Lotterie

Die Kritik an der Öffnungsstrategie der Bund-Länder-Konferenz erneuert Christian Polkow nun. „Die Verunsicherung unter den Händlern im Kornmarkt-Center ist riesengroß. Wir gucken jeden Tag auf die Zahlen des RKI. Und wenn man sich die letzten Tage anschaut, dann wird der Einzelhandel wahrscheinlich schon Ende der Woche wieder schließen müssen“, sagt er.

Der Großteil der Händler könne die Corona-Maßnahmen nicht mehr verstehen. Sie seien zu willkürlich. „Vor allem ein kleines Geschäft, wie eine kleine Mode-Boutique, versteht nicht, warum beispielsweise Buchläden und Baumärkte jetzt wieder öffnen dürfen. Ich finde es gut, dass sie wieder geöffnet haben, aber warum darf nicht auch die kleine Mode-Boutique öffnen“, sagt der Centermanager.

Um seine Kritik auch an den Entscheidungsträger der Politik mitzuteilen, habe er in den letzten Wochen mehrere Abgeordnete des Bundes- und des Landtages aus dem Bautzener Wahlkreis angeschrieben. Caren Lay, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke im Bundestag, reagierte auf dieses Schreiben und lud Christian Polkow zunächst zur Online-Debatte ein.

Am Dienstag machte sie sich dann selbst ein Bild im Bautzener Kornmarkt-Center, sprach mit dem Centermanager und Händlern. Polkows Kritik könne sie gut nachvollziehen. „Der Gesundheitsschutz sollte nach wie vor über allem stehen. Das weiß auch Herr Polkow, aber dennoch sollten die Konzepte für eine Öffnung des Einzelhandels nachvollziehbar sein, und das sind sie derzeit nicht“, sagt sie.

Die Sorge: Einzelhandel schließt, Ladensterben droht

Sollte die Inzidenz am Mittwoch beim RKI erneut über 100 liegen, darf der Einzel- und Großhandel Click-und-Meet im Landkreis Bautzen nicht mehr anbieten. Christian Polkow sagt dazu: „Für alle Händler ist das natürlich frustrierend, jetzt wo Click-und-Meet ein wenig angelaufen ist und die Kunden auch langsam wissen, dass sie mit Termin einkaufen gehen können.“

Er befürchtet deswegen, dass es auch Geschäfte geben wird, die Insolvenz beantragen müssen. „Derzeit befinden sich bei uns vier Geschäfte im Insolvenzverfahren“, sagt er. Weitere könnten folgen, wenn der Lockdown für den Einzelhandel noch länger andauert. „Weitere Ladeninhaber haben schon signalisiert, dass sie dauerhaft schließen und Insolvenz anmelden müssen“, sagt Christian Polkow. Um welche Geschäfte es sich handelt, dazu wollte der Center-Manager keine Auskunft geben.

Die Sorge, dass es zu einem Ladensterben kommt, ist durchaus berechtigt. Zumindest zeigt das eine bundesweite Befragung des ECE-Projektmanagement, dem Betreiber des Kornmarkt-Centers. Demzufolge planen 75 Prozent der Händler in den Centern Ladenschließungen. „Das können aber auch größere Geschäfte sein, die eine Filiale zumachen“, erklärt Christian Polkow.

Der Wunsch: Perspektive für Einzelhandel

Damit die Händler im Kornmarkt-Center zumindest ein wenig entlastet werden, wurde allen, die wegen des Lockdowns vorübergehend schließen mussten, zu 50 Prozent die Miete erlassen. Außerdem unterstützt das Kornmarkt-Center, als Teil des ECE-Projektmanagements, eine Initiative des Handelsverbandes Deutschland und über 50 Firmen. Dazu zählen unter anderem C&A, H&M, Thalia, Saturn, Media Markt und Deichmann.

Die Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" ist der Meinung, dass die Inzidenz allein nicht mehr für eine Beurteilung der Corona-Situation ausreicht. Stattdessen sollte auch die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten dafür herangezogen werden. „Es wurde daraus eine Öffnungsmatrix entwickelt. Diese halten wir für einen guten Vorschlag“, sagt Christian Polkow.

Er wünscht sich, dass dieser Vorschlag bei der Ministerpräsidenten-Konferenz am 22. März berücksichtigt wird. „Click-und-Meet war ein erster Schritt. Aber es sollte jedem klar sein, dass das keine wirkliche Öffnungsperspektive ist. Wenn es so weiter geht, wie bisher, dann werden es viele Geschäfte nicht überleben.“

Die Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" hat eine eine Öffnungsmatrix entwickelt, die den Inzidenz-Wert berücksichtigt, sondern auch die Belegung der Intensivstationen mit Corona-Patienten.
Die Initiative "Das Leben gehört ins Zentrum" hat eine eine Öffnungsmatrix entwickelt, die den Inzidenz-Wert berücksichtigt, sondern auch die Belegung der Intensivstationen mit Corona-Patienten. © Initiative „Das Leben gehört ins Zentrum"

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