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Bautzen: Lehrlinge im Leerlauf

Einige Berufe können derzeit nicht oder nur eingeschränkt ausgeübt werden. Zwei betroffene Auszubildende zeigen, wie sie trotzdem Praxiserfahrungen sammeln.

Alina Döcke (l.) absolvierte in der "Haarschmiede" in Bautzen eine Ausbildung zur Friseurin. Jenny Gottstein ist im dritten Ausbildungsjahr zur Hotelfachfrau. Sie arbeitet im Hotel Best Western in Bautzen.
Alina Döcke (l.) absolvierte in der "Haarschmiede" in Bautzen eine Ausbildung zur Friseurin. Jenny Gottstein ist im dritten Ausbildungsjahr zur Hotelfachfrau. Sie arbeitet im Hotel Best Western in Bautzen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Normalerweise würde Alina Döcke jetzt ihren Kunden die Haare schneiden. Doch die Auszubildende im zweiten Lehrjahr darf derzeit nicht arbeiten. Die "Haarschmiede" in der Kurt-Pchalek-Straße in Bautzen hat wie alle anderen Friseursalons in Deutschland geschlossen. Alina Döcke nimmt die derzeitige Situation mit Humor: „Ich kann sagen, dass meine Ausbildung etwas Besonderes war. Ich kann zeigen, dass ich in einer schwierigen Situation Besonderes geleistet habe.“

Wie Alina Döcke sind auch viele andere Auszubildende im Friseurhandwerk oder im Hotel- und Gastronomiegewerbe von der derzeitigen Situation betroffen und können ihrer Arbeit nicht oder nur eingeschränkt nachgehen. „Branchen wie die Gastronomie, die Reise- und Veranstaltungsbranche oder Teile des Einzelhandels müssen große Anstrengungen unternehmen, im Rahmen des Zulässigen wenigstens Teile der praktischen Ausbildung in den Unternehmen durchzuführen“, erklärt Lars Fiehler, Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer Dresden.

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Derzeit übt Alina Döcke das Haareschneiden an Übungspuppen. Auch ihrer Familie hat sie während des Lockdowns die Haare gekürzt und frisiert.
Derzeit übt Alina Döcke das Haareschneiden an Übungspuppen. Auch ihrer Familie hat sie während des Lockdowns die Haare gekürzt und frisiert. © SZ/Uwe Soeder

Im Hotel-und Gastronomiegewerbe sind im Kammerbezirk Dresden, zu dem auch der Landkreis Bautzen gehört, rund 1.000 Lehrlinge von der Corona-Krise betroffen. Im Friseurhandwerk sind es deutschlandweit 22.000 Azubis, sachsenweit 725. „Es ist sicher eine schwierige Zeit für die Azubis, da sie ihren Traumberuf zum Teil nicht in der Praxis erlernen konnten. Gott sei Dank nehmen ganz viele Ausbildungsbetriebe ihren Auftrag ernst und trainieren mit ihren Auszubildenden intensiv an Übungsköpfen“, erklärt Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Zentralverbandes des Friseurhandwerkes, auf Nachfrage von Sächsische.de.

Friseure können Öffnung ab 1. März kaum erwarten

An solchen Puppenköpfen übt auch Alina Döcke zu Hause sehr intensiv. Zwei bis drei Haarschnitte seien mit einem Modell möglich. „Das kommt immer ein wenig auf die Länge der Haare und die Frisur an“, sagt sie. Aber natürlich schneide die 17-Jährige viel lieber Menschen die Haare. „Besonders mein Onkel musste in den letzten Monaten oft als Modell herhalten. Manchmal habe ich ihm nur einen Zentimeter abgeschnitten, aber so habe ich die Technik geübt“, sagt sie.

Sabine Klapper, Vorstandsvorsitzende der Friseurgenossenschaft Figaro Bautzen und damit Chefin von Alina Döcke, erklärt: „In diesem Beruf muss man viel üben. Durch den Lockdown ist das derzeit nur eingeschränkt möglich.“ Für die Azubis sei die Situation deswegen schwierig. Durch die Ausbilderinnen versuche man aber, weiterhin den Kontakt zu halten. „Die Azubis haben an den Puppen geübt, dann ihre Übungsfrisur fotografiert und an die Ausbilderinnen geschickt, die dann ein Feedback gegeben haben“, sagt Sabine Klapper.

Das habe bisher ganz gut geklappt. Dennoch könne man die geplante Öffnung der Friseursalons am 1. März kaum erwarten. „Ich habe mich noch nie so sehr auf Arbeit gefreut wie jetzt. Ich will wieder früh aufstehen und einen geregelteren Tagesablauf haben“, sagt Alina Döcke.

Der Hotelbranche fehlen die Touristen

Diesen hat die Auszubildende Jenny Gottstein bereits. Sie macht im Hotel Best Western in Bautzen eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und befindet sich bereits im dritten Lehrjahr. Das heißt, die Abschlussprüfungen stehen bald an, gut zwei Monate sind es noch bis zur theoretischen. Ende Juni, Anfang Juli findet dann die praktische Prüfung statt. Jenny Gottstein fühlt sich bisher gut vorbereitet. „Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit unserer Klassenlehrerin. Sie fragt regelmäßig unseren Lernstand ab“, sagt sie.

Auch ihr Chef Sandro Reichel, Geschäftsführer des Best Western Hotels in Bautzen, legt großen Wert auf eine gute Ausbildung. „Bei uns sind viele aus der Verwaltung im Homeoffice. Dadurch sind Büroarbeitsplätze hier im Haus frei geworden. Die Azubis können sich hier regelmäßig auf die Prüfungen vorbereiten, sich in Videokonferenzen schalten oder ihre Aufgaben der Berufsschule hier absolvieren.“

Bei der Arbeit muss Jenny Gottstein eine Maske tragen. Für die Auszubildende im dritten Lehrjahr sei das kein Problem, sagt sie. Sie ist froh, dass sie im Hotel Best Western in Bautzen wenigstens Dienstreisende empfangen darf.
Bei der Arbeit muss Jenny Gottstein eine Maske tragen. Für die Auszubildende im dritten Lehrjahr sei das kein Problem, sagt sie. Sie ist froh, dass sie im Hotel Best Western in Bautzen wenigstens Dienstreisende empfangen darf. © SZ/Uwe Soeder

Jenny Gottstein findet das sehr gut. So muss die Bautzenerin nicht alleine zu Hause lernen, sondern hat den Austausch mit ihren Kollegen. Was ihr aber fehle, sei der mitunter hektische Betrieb im Hotel. „Vor allem die Busgruppen fehlen mir. Ich kann keine Tagestouren oder Ausflüge planen. Touristische Gäste dürfen wir derzeit nicht beherbergen“, sagt sie. Auch Großveranstaltungen wie Hochzeiten dürfen die Hotels derzeit nicht durchführen. „Auch das fehlt mir sehr. Für mich ist das immer ein positiver Stress“, sagt sie.

Dennoch seien Gäste da und das ist, wie Geschäftsführer Sandro Reichel betont, ein großer Vorteil. „Natürlich haben wir nicht das gewohnte Pensum und die gewohnte Auslastung, dennoch haben wir immer noch Gäste da." Zuletzt war unter anderem die Bundeswehr untergebracht, die bei der Bewältigung der Corona-Pandemie im Landkreis half. Wichtig sei ohnehin, dass die Auszubildenden ihre Prüfung erfolgreich absolvieren. „Und da bin ich guten Mutes“, sagt der Hotelchef.

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