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Kliniken wappnen sich für zweite Corona-Welle

Im Kreis Bautzen steigt die Zahl der Infektionen. Bisher werden nur wenig Betroffene stationär behandelt. Doch die Krankenhäuser sorgen vor.

Die Kapazität an Intensivbetten wurden seit Beginn der Pandemie in den Krankenhäusern im Landkreis Bautzen aufgestockt.
Die Kapazität an Intensivbetten wurden seit Beginn der Pandemie in den Krankenhäusern im Landkreis Bautzen aufgestockt. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Immer mehr Menschen im Landkreis Bautzen infizieren sich mit dem Corona-Virus. Der Kreis gilt bereits seit einigen Tagen als Corona-Risikogebiet. Während die Zahl der Infektionen rasant steigt, werden bisher nur wenig Betroffene in einer Klinik behandelt. Von den 550 aktuell Infizierten im Kreis betrifft das derzeit 14 Patienten. Mit immer mehr Neuinfektionen wächst aber die Gefahr, dass sich das plötzlich wieder ändert. Sächsische.de hat bei den Krankenhäusern im Landkreis nachgefragt, wie sie sich auf die zweite Corona-Welle vorbereiten.

Wie reagieren die Krankenhäuser auf die zweite Welle?

Die Oberlausitz-Kliniken Bautzen und Bischofswerda arbeiten intensiv mit der Krankenhausleitstelle der Uniklinik Dresden zusammen. „Dort kommen virtuell 34 ostsächsische Teilnehmer zusammen, um die aktuelle Lage zu besprechen, gemeinsame Vorgehensweisen zu beraten und fachliche und sachliche Absprachen zu treffen“, erklärt Geschäftsführer Reiner Rogowski. Auch im Kamenzer Malteser Krankenhaus wurde der Kontakt zur Krankenhausleitstelle in den vergangenen Tagen intensiviert, und der Pandemiestab tagt in regelmäßigen Abständen.

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Im Seenlandklinikum in Hoyerswerda gibt es einen hausinternen Krisenstab, der jetzt dreimal pro Woche per Videokonferenz zusammenkommt.

Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits veranlasst?

Die Testkapazitäten wurden in den vergangenen Monaten erhöht. So sollen vor allem Mitarbeiter der Krankenhäuser regelmäßiger getestet werden. Dadurch will man erreichen, dass die Ausbreitung des Corona-Virus schneller eingedämmt werden kann. Um diesen Testaufwand leisten zu können, wurde im Seenlandklinikum in Hoyerswerda extra ein Gerät angeschafft. So können seit Juli im hauseigenen Labor sogenannte PCR-Tests durchgeführt werden. Binnen kurzer Zeit liegen dann die Ergebnisse vor.

In Kamenzer Malteser Krankenhaus plant man in naher Zukunft solche Schnell-Tests bei der Aufnahme aller Patienten durchzuführen. „Die entsprechenden Test-Kits sind allerdings noch nicht in ausreichender Menge verfügbar“, erklärt Sven Heise, Geschäftsführer der Malteser Sachsen-Brandenburg.

Darüber hinaus wurden in den vergangenen Wochen in allen Krankenhäusern Veranstaltungen für Patienten abgesagt. Fortbildungen für Mitarbeiter wurden auf ein Minimum beschränkt  oder ganz gestrichen.

Wie bereiten sich die Kliniken auf Intensivpatienten vor?

Die Kapazität an Intensivbetten wurden seit Beginn der Pandemie fast überall aufgestockt. Zum Beispiel können in den Oberlausitz-Kliniken in Bautzen und Bischofswerda insgesamt bis zu 34 Patienten behandelt werden. „Das entspricht mehr als dem Doppelten der Plätze, die wir Anfang des Jahres hatten“, erklärt Geschäftsführer Reiner Rogowski. Damals waren es jeweils acht Intensivbetten.

Auch wurden vielerorts Beatmungsgeräte angeschafft. Doch die neuen Geräte alleine reichen nicht aus. „Nur durch unsere Mitarbeiter - Mediziner und gut ausgebildete Pflegekräfte - gelingen die Behandlungen der Patienten“, betont Reiner Rogowski. In den letzten Monaten wurden dafür circa 20 Pflegekräfte im Umgang mit der High-Tech-Ausstattung geschult.

In Kamenz können im Notfall bis zu elf Patienten intensivmedizinisch beamtet werden. „Die Kapazität wurde seit dem Frühjahr mit erheblichen Investitionen verdoppelt“, erklärt Sven Heise. Eine Aktivierung der entsprechenden Intensivbetten sei mit einer Vorlaufzeit von einer Woche möglich. Dafür müsste aber der OP-Betrieb erheblich eingeschränkt werden.

In der Asklepios-Klinik in Radeberg hat man sich bereits seit Beginn der Pandemie auf die Behandlung von Intensivpatienten eingestellt. Die Erstversorgung und Behandlung von Patienten mit dem Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung findet in einem separaten Bereich der Klinik statt und mit Personal, das nur für diesen Bereich zuständig ist.

Wie gehen die Krankenhäuser mit Besuchern um?

Zwar sind Besuche im Krankenhaus laut der neuen sächsischen Corona-Schutz-Verordnung erlaubt, aber in den meisten Krankenhäuser im Landkreis Bautzen gilt dennoch ein Besuchsverbot. In Hoyerswerda gibt es bereits seit dem 27. September ein solche Regelung, in Radeberg seit dem 2. Oktober. Vorher durften hier Patienten pro Tag  einen Besucher für eine Stunde empfangen. Bei dem Besuchsverbot handelt es sich „um eine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der Mitarbeiter und der Patienten aufgrund der steigenden Infektionszahlen in den Landkreisen“, sagt Krankenhaussprecherin Franziska Bücker.

Auch in Kamenz, Bischofswerda und Bautzen gilt ein Besuchsverbot. Aber hier gibt es Ausnahmen. So ist in Kamenz der Besuch von Patienten auf der Palliativstation erlaubt. In Bautzen und Bischofswerda dürfen Eltern ihre Kinder auf der Kinderstation, Väter das neugeborene Kind sowie die Mutter auf der Entbindungsstation und engste Verwandte schwerstkranke Angehörige besuchen. Die Krankenhäuser dürfen aber nur mit einer Mund- und Nasenbedeckung betreten werden.

Wie ist die Lage bei planbaren Operationen?

Die meisten Operationen, die im Frühjahr verlegt wurden, haben mittlerweile stattgefunden. „Notwendige Operationen wurden und werden auch zukünftig immer ausgeführt. Ein ordentlicher Teil der verschobener OPs wurde nachgeholt“, teilte Reiner Rogowski von den Oberlausitz-Kliniken mit.

In Kamenz sei das OP-Programm während der ersten Welle teilweise auf die Hälfte geschrumpft. Mittlerweile konnten nahezu alle OPs nachgeholt werden. In Radeberg konnte man dagegen „keinen Nachholeffekt bei den Patientenzahlen und Operationen erkennen.“

In Hoyerswerda mussten bereits einige geplante Operationen in der Urologie aufgrund von Quarantänebestimmungen für eine Station abgesagt werden. Der Rückstand bei den OPs aus der ersten Welle konnte dagegen „durch die relative Infektionsruhe im Sommer weitestgehend aufgeholt werden.“

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