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Weite Wege für Corona-Patienten im Kreis Bautzen

Die stationäre Aufnahme von Covid-19-Infizierten im Landkreis Bautzen wird immer schwieriger. Das wirkt sich auch auf die Arbeit der Rettungsdienste aus.

Immer öfter müssen Corona-Patienten aus dem Landkreis Bautzen in Klinken in anderen Kreisen gebracht werden, weil die Betten belegt sind.
Immer öfter müssen Corona-Patienten aus dem Landkreis Bautzen in Klinken in anderen Kreisen gebracht werden, weil die Betten belegt sind. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Für Karl Lehmann war es das erste, aber wahrscheinlich nicht das letzte Mal. Der Notfallsanitäter aus dem Landkreis Bautzen hat in der Nacht zum vergangenen Sonnabend eine Patientin aus einem Ort zwischen Radeberg und Bischofswerda mit Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung über eine Stunde transportieren müssen.

So lang hat die Fahrt gedauert, um das Krankenhaus zu erreichen, das ihm von der zentralen Krankenhausleitstelle Corona für Dresden und Ostsachsen zugewiesen wurde. „Die Corona-Leitstelle hatte mitgeteilt, dass im näheren Umfeld keine Betten frei waren und uns eine Klinik im Landkreis Meißen zugewiesen.“ In der Regel dauere die Fahrt zum nächsten Krankenhaus 15 bis 20 Minuten.

Fahrten bis nach Dresden und Leipzig

Auch Kollegen hätten ihm schon von solchen Fällen erzählt, was Karl Lehmann nicht überrascht. „Durch die aktuellen Zahlen sind wir in dieser Situation, und in der Nacht zu Sonnabend war es so“, sagt der Sanitäter. In den letzten Wochen habe sich die Lage dramatisch zugespitzt.

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In seiner täglichen Corona-Meldung teilte das Landratsamt Bautzen am Dienstag mit, dass „nahezu keine Betten für Corona-Patienten mehr zur Verfügung“ stünden. Demnach werden in den Kliniken im Landkreis aktuell 223 Corona-Patienten behandelt, 37 davon auf einer Intensivstation.

Laut Christian Kleber, Leiter der Krankenhausleitstelle Corona, seien solche Fälle, wie der eingangs geschilderte, aktuell unvermeidbar, „solange die Kliniken vor Ort keine Kapazitäten haben. Ziel ist es, lokale Überlastungssituationen für die Kliniken zu vermeiden.“ Wenn die Aufnahme innerhalb eines Landkreises nicht möglich sei, werde ein anderes Krankenhaus innerhalb von Ostsachsen angefahren.

Patienten müssen in entferntere Kliniken

In den vergangenen Tagen seien verstärkt Patienten aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz nach Dresden oder sogar Leipzig verlegt worden, fügt der Leiter hinzu. Dies sei grundsätzlich mit längeren Fahrten verbunden, diene jedoch dazu, die Kliniken zu entlasten.

Und diese Situation könnte mindestens so bleiben, erklärt Christian Kleber. „Je höher die Zahl der Neuinfektionen und damit auch der Neuerkrankungen ist, umso wahrscheinlicher wird es werden, dass Patienten in entferntere Krankenhäuser einzuliefern oder verlegen sind.“

Aktuell handele es sich jedoch um Einzelfälle, wobei dies von den regionalen Aufnahmekapazitäten der Kliniken abhängig sei. Statistisch werde dies nicht erfasst. „Es ist aber davon auszugehen, dass die Zahl dieser Fälle in den kommenden Tagen noch weiter zunehmen wird“, fügt der Leiter der Leitstelle hinzu.

Bautzen und Bischofswerda: aufnahmefähig, aber am Limit

Die Krankenhäuser in Hoyerswerda und Kamenz verweisen auf die Corona-Leitstelle in Dresden. Das tut auch Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken mit Krankenhäusern in Bautzen und Bischofswerda. Am Dienstag teilte er mit, dass man aufnahmefähig, aber am Limit sei. An beiden Standorten würden aktuell insgesamt 111 Covid-19-Patienten behandelt.

Im Internet erscheint auf der Startseite der Oberlausitz-Kliniken nach wie vor der Appell an die Bevölkerung, mitzuhelfen und die Corona-Schutzmaßnahmen, insbesondere die Hygieneregeln wie Mindestabstände und das Händewaschen, einzuhalten. Ende November erschien der Aufruf als ganzseitige Anzeige in lokalen und regionalen Zeitungen. „Es ist nicht mehr fünf vor zwölf. Es ist um zwölf“, begründet Geschäftsführer Reiner Rogowski die ungewöhnliche Aktion.

Dass man in einen Nachbarlandkreis geschickt wurde, sei für Karl Lehmann gar nicht das Problem, sondern dass die Fahrt so lang gedauert habe. Vor Ort habe sich wegen Fiebers, starker Atemnot und Corona-Fällen in der Verwandtschaft der Patientin der Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung ergeben, weshalb man die Corona-Leitstelle informiert habe.

Rettungsdienst verliert Zeit für andere Einsätze

Durch die relativ lange Fahrt ziehe sich die Behandlung für die Patienten in die Länge. „Natürlich ist die Regelversorgung im Rettungswagen möglich, aber eben nicht so wie im Krankenhaus“, erklärt Karl Lehmann. Die nächsten Krankenhäuser in Radeberg, Kamenz oder Bischofswerda seien aber offenbar nicht aufnahmefähig gewesen.

Dadurch ergeben sich weitere Probleme, sagt der Notfallsanitäter. „Es geht um viel Zeit, die für andere wichtige Einsätze verlorengeht.“ Zu den rund zwei Stunden Fahrt zur Klinik und zurück kämen noch mal eine bis eineinhalb Stunden zum Desinfizieren des Rettungswagens.

Eine Lösung hat Karl Lehmann nicht parat, denn mehr Betten und Personal in den Kliniken werde es nicht einfach so geben. Er ruft vielmehr die Bevölkerung auf, die Maßnahmen zu befolgen und sich solidarisch mit den Betroffenen zu zeigen. Angesichts der aktuellen Infektionslage sei es ein Schlag ins Gesicht des gesamten Pflegepersonals, Corona zu leugnen.

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