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Das sind die Corona-Hotspots im Kreis Bautzen

Erstmals nennt das Landratsamt Zahlen für jeden Ort im Landkreis. Zuvor hatte es Kritik von Bürgermeistern gegeben.

Immer mehr Corona-Tests im Landkreis Bautzen weisen Infektionen mit dem Virus nach. Jetzt nennt das Landratsamt erstmals Zahlen für jeden Ort.
Immer mehr Corona-Tests im Landkreis Bautzen weisen Infektionen mit dem Virus nach. Jetzt nennt das Landratsamt erstmals Zahlen für jeden Ort. © Archiv/Julian Stratenschulte/dpa

Bautzen. 148 Corona-Infektionen sind aktuell in Wittichenau registriert, 142 in Bautzen, 134 in Hoyerswerda. Dagegen gibt es nur jeweils einen Corona-Kranken in Schwepnitz, Siebitz und Steina. Die Zahlen stehen in einer Tabelle, die das Landratsamt am Mittwochnachmittag erstmals vorlegte. Sie listet die derzeitige Zahl aller Infektionen in jedem Ort des Landkreises auf. Auf das Zahlenwerk hatten Bürgermeister in den vergangenen Tagen ebenso gedrängt wie Sächsische.de.

Allerdings hat die Tabelle zwei Tücken. Erstens werden die Zahlen ständig überarbeitet, weil etwa am Nachmittag noch nicht alle Adressen von Neuinfizierten bekannt waren. Und zweitens haben "die Zahlen allein noch keine hohe Aussagekraft", erklärt Landratsamtssprecherin Mandy Noack. "Sie müssen in Bezug zur Einwohnerzahl gesetzt werden und geben auch keine Auskunft, ob es sich um eine Häufung etwa in einem Pflegeheim handelt oder die Verbreitung eher flächig ist. Zudem ist immer nur der Wohnort registriert, nicht aber der Arbeitsort."

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Die Statistik hat einige Tücken

Da außerdem im Landkreis viele Einpendler von außerhalb arbeiten, erscheinen Krankheitsfälle unter ihnen nicht in der Bautzener Statistik. Wer also beispielsweise in Weißenberg arbeitet, aber im Nachbarort Gebelzig wohnt, erscheint in der Corona-Statistik des Landkreises Görlitz. In Weißenberg sind derzeit acht Infektionen gemeldet. "Aus scheinbar kleinen Zahlen einer Gemeinde kann also nicht auf die Abwesenheit einer Infektionsgefahr geschlossen werden", mahnt Mandy Noack.

Auf Zahlen gedrängt hatte unter anderem Wilthens Bürgermeister Michael Herfort (CDU): Wenn es Hinweise auf eine Häufung von Corona-Fällen in der Kleinstadt gäbe, dann würde er härtere Maßnahmen umsetzen. "Ich könnte zum Beispiel verfügen, dass alle Verwaltungsmitarbeiter auch in der Öffentlichkeit Maske tragen müssen, oder an weiteren, öffentlich zugänglichen Orten eine allgemeine Maskenpflicht beschließen." 

Bislang bekamen die Chefs der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung die Zahlen für ihre Orte nicht zu Gesicht. Das bestätigen Bürgermeister aus Wilthen, Kubschütz, Malschwitz, Hochkirch und Doberschau-Gaußig auf Anfrage von Sächsische.de.

Ähnliche Töne kamen aus Radeberg wo Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) auf Facebook schrieb: "Wenn das Landratsamt öffentlich verkündet, dass eine Wohnstätte für behinderte Menschen im Raum Radeberg besonders betroffen ist, wäre es eventuell sinnvoll, den Radeberger OB zu unterrichten."

Bürgermeister wollen Bevölkerung mahnen

Begründet wurde das Interesse an den regionalisierten Zahlen vielmals mit ihrer Funktion als Argumentationsgrundlage gegenüber der Bevölkerung: "Wer könnte denn besser als die Bürgermeister vor Ort auf die Bevölkerung, die sie kennen, einwirken?", fragt zum Beispiel Norbert Wolf aus Hochkirch. Auch Matthias Seidel (CDU) aus Malschwitz geht es nicht darum, die Namen einzelner Betroffenen zu erfahren, sondern seine Einwohner zu sensibiliseren, dass das Virus im Ort angekommen ist.

Selbst in Leseranfragen an Sächsische.de waren die fehlenden Zahlen für einzelne Städte und Gemeinden, wie sie etwa im Landkreis Görlitz täglich veröffentlicht werden, Gegenstand von Kritik. So wandte sich etwa ein Leser mit der Frage, weshalb die regionalen Verbreitungszahlen nicht veröffentlicht werden, direkt an das Landratsamt. In dem Antwortschreiben, das Sächsische.de vorliegt, hieß es, die Verbreitung sei flächendeckend: "Es wäre nur eine trügerische Sicherheit, wenn man die Werte einzelner Gemeinden und Städte veröffentlichen würde. Ein Virus macht leider nicht vor Gemeinde- und Stadtgrenzen halt." Man habe sich deshalb bereits zu Beginn der Pandemie entschlossen, die regionalisierten Zahlen nicht zu veröffentlichen. Diese Verfahrensweise wurde nun geändert.

Zwei, die Verständnis für das bisherige Vorgehen des Gesundheitsamtes haben, sind der Kubschützer Bürgermeister Olaf Reichert (parteilos) und Bürgermeister Alexander Fischer (CDU) aus Doberschau-Gaußig. Beide werten den Datenschutz höher als die Kenntnis über genaue Verbreitungsgebiete des Virus. "Wir sind alles keine Fachleute und müssen uns ein stückweit auf das verlassen, was die übergeordneten Behörden beschließen. Ich selbst traue mir nicht zu, aus dem Bauch heraus die geltenden Regeln zu verschärfen", sagt Olaf Reichert. "Was soll ich mit den Zahlen anfangen", fragt  Alexander Fischer, der findet, regionale Infektionszahlen könnten zusätzliche Panik verursachen.

Update, 5. November, 13.10 Uhr: Bei den Corona-Zahlen im Text handelt es sich um die aktuelle Zahl der Infizierten in den jeweiligen Städten und Gemeinden. In der ursprünglichen Fassung des Textes hieß es, es handle sich um die Zahlen seit März. Wir haben den Text korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen. Die Angabe März ist auf ein Missverständnis bei der Übermittlung der Daten zurückzuführen.

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