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Bautzen: Kino-Betreiber fordern Entschädigung

Durch den Teil-Lockdown ist der Filmpalast seit November geschlossen. Die Betreiber zeigen Verständnis - und machen eine klare Ansage an die Politik.

Erst vor einem Jahr wurde der Bautzener Filmpalast umfangreich modernisiert. Jetzt ist das Haus geschlossen. Die Betreiber hoffen auf bessere Zeiten.
Erst vor einem Jahr wurde der Bautzener Filmpalast umfangreich modernisiert. Jetzt ist das Haus geschlossen. Die Betreiber hoffen auf bessere Zeiten. © Steffen Unger

Bautzen. Normalerweise sind die Kinosäle des Bautzener Kinos in den Wintermonaten voll. In der Zeit vor Weihnachten, wenn es draußen früh dunkel wird, locken die neusten Streifen die Menschen vor die Leinwand. So sollte am 12. November der neue James-Bond-Film anlaufen. Doch der Start wurde zum zweiten Mal verschoben. Denn auch die Kinos sind im Teil-Lockdown seit November wieder geschlossen. „Das ist ärgerlich. Wir machen im November, Dezember und Januar unser Hauptgeschäft“, sagt Ingo Kraft. Er ist Geschäftsführer der Filmpalast-Kette, die neben dem Bautzener auch Kinos in Görlitz und Zittau betreibt.

Von Mai bis Oktober war das Kino wieder geöffnet, in den Monaten, die Kraft eher als Sommerloch bezeichnet. „Aber es gab auch Lichtblicke, wie zum Beispiel der Kinostart des Spionage-Films ,Tennet'. Da haben wir gemerkt, dass die Leute wieder ins Kino wollen“, erinnert sich Ingo Kraft. Das Erlebnis war aber auch da ein anderes: Nur jede zweite Reihe und jeder zweite oder dritte Platz konnten in den sieben Sälen besetzt werden. „Es war damit nur ein Viertel der Auslastung möglich“, erklärt Alexander Malt, Regionalleiter der Kinos in Sachsen und Thüringen.

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Betreiber fühlen sich chancenlos

Die begrenzte Zahl an möglichen Kinobesuchern brachte ein weiteres Problem mit sich: Viele Film-Verleiher haben ihre Film-Starts verschoben, weil die ungewisse Situation und die geringere Auslastung der Kinos auch für sie mit einem Risiko verbunden sind. „Wenn die Kinos nur zu 25 Prozent ausgelastet sind und vielleicht auch schon der nächste Lockdown winkt, dann entscheiden sie sich häufig dafür, die Filme zu verlegen oder ganz aus der Kinoverwertung rauszunehmen“, erklärt Malt. So würden beispielsweise Verleiher wie Disney die Filme stattdessen auf ihren Streaming-Portalen anbieten.

Ob die Schließung der Kinos gerechtfertigt ist? „Wir wissen inzwischen, dass das Kino kein Hotspot ist. Es gibt keinen nachgewiesenen Fall einer Ansteckungskette im Kino“, sagt Ingo Kraft. Durch die ergriffenen Maßnahmen – Abstand, Desinfektion, entzerrter Vorführungsbeginn und Lüftungskonzepte – bestehe kein Risiko.

Die Begründung für die Schließung liege viel mehr in der Minimierung von Kontaktpunkten. Wer ins Kino geht, trifft sich meist mit anderen, geht danach vielleicht noch etwas trinken. „Insofern kann ich es ein Stück nachvollziehen, dass die Kultur im Gegensatz zu anderen Einrichtungen verzichtbar ist, zumindest für ein paar Wochen“, sagt Kraft. Trotzdem spüre er eine gewisse Chancenlosigkeit angesichts der Investitionen in neue Buchungssysteme und Klimatechnik.

Kino fordert Entschädigung

Für die Monate seit Mai habe es zur Deckung der Fixkosten die Überbrückungshilfe eins und zwei gegeben. „Das Problem ist nur, dass diese Hilfe bei 50.000 Euro pro Gesellschaft gedeckelt ist. Wir betreiben in unserer Gesellschaft aber insgesamt neun Kinos in Sachsen und Thüringen, auf die wir diese Summe aufteilen mussten“, erklärt Ingo Kraft. Da dies nicht annähernd ausreiche, sei der Betrieb der Häuser im Moment ein enormes Zuschussgeschäft, die Rücklagen müssten angegriffen werden.

„Wenn Mittel vorhanden sind, kann man die Kinos damit am Leben halten. Was wir aber für angemessener halten, wäre eine Entschädigung in Höhe des tatsächlichen Schadens, den wir durch die behördlich angeordnete Schließung haben“, betont Ingo Kraft. „Mit der Schließung der kulturellen Einrichtungen leisten wir gerade einen Beitrag für die Gesellschaft. Der dadurch entstandene Schaden muss kompensiert werden.“

Hoffen auf geregelte Wiedereröffnung

Wann auch immer sie kommt, für die nächste Wiedereröffnung sei man nun besser gerüstet als im Mai. Vor allem die Kommunikation dazu sei damals problematisch gewesen, in erster Linie wegen der überall anderen geltenden Regelungen. „Durch die versetzte Öffnung wussten beispielsweise viele Leute gar nicht, dass die Kinos in Sachsen schon eher wieder geöffnet waren als in anderen Bundesländern“, sagt Kraft.

Fakt sei, das Kino könne man nicht einfach wieder so aufschließen – die Filme müssen geliehen und beworben, die Abläufe organisiert werden. Das sei ein Prozess von mindestens 14 Tagen, sind sich Alexander Malt und Ingo Kraft einig. Auch deshalb wünschen sie sich für die kommende Zeit vor allem Planungssicherheit – und natürlich, dass das Kino als Ort für Kultur und Begegnung bald wieder öffnen kann. Erst recht, weil im Bautzner Kino gerade die letzten Säle renoviert wurden und auf neugierige Cineasten warten.

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