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Bautzener Händler: Lockdown kommt zur Unzeit

Deko, Schokolade und Pullover liegen in den Auslagen – aber die Händler können sie bald nicht mehr verkaufen. Dennoch zeigen viele Verständnis für die Maßnahme.

Evelyn Thiemann sorgt sich, dass sie ihr Geschäft Evis Deko & Café in der Bautzener Reichenstraße dauerhaft schließen muss. Zu hoch seien die Umsatzeinbußen durch Corona.
Evelyn Thiemann sorgt sich, dass sie ihr Geschäft Evis Deko & Café in der Bautzener Reichenstraße dauerhaft schließen muss. Zu hoch seien die Umsatzeinbußen durch Corona. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Kerzen, aus Holz geschnitzte Weihnachtsbäume, Zwerge mit Zipfelmützen, Holzsterne mit Lichterketten umwickelt, Tannenzweige, Kunstschnee – dass es auf die Weihnachtstage zugeht, ist in „Evis Deko & Café“ in der Bautzener Reichenstraße kaum zu übersehen. Die Regale sind voll mit Weihnachtsdekoration. Doch vieles davon wird seinen Weg in diesem Jahr wohl nicht mehr in die Wohnzimmer in Bautzen und Umgebung finden. Denn ab Montag muss Evelyn Thiemann – so wie viele andere auch – ihr Geschäft schließen. Dann gibt es in Sachsen einen neuen Lockdown angesichts der Corona-Pandemie.

Auf allen Straßen, Wegen und Plätzen muss dann sachsenweit ein Mundschutz getragen werden. Und Schulen, Kitas, Horte und viele Geschäfte müssen geschlossen bleiben. Nur Lebensmittelgeschäfte und Geschäfte für den Grundbedarf dürfen öffnen. Also zum Beispiel Post, Apotheken, Drogerien, Tierbedarfshandel, Auto- und Fahrradwerkstätten.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Letzte Weihnachtseinkäufe im Bautzener Kornmarkt-Center vor dem Lockdown. Ab Montag werden hier viele Läden dicht sein.
Letzte Weihnachtseinkäufe im Bautzener Kornmarkt-Center vor dem Lockdown. Ab Montag werden hier viele Läden dicht sein. © SZ/Uwe Soeder

Keine leichte Zeit also für Händler und Händlerinnen wie Evelyn Thiemann. „Wir haben den Preis für unsere Deko jetzt schon einmal vorzeitig gesenkt“, erzählt sie, „in der Hoffnung, so das Café zu retten.“ Dennoch: Auf dem Großteil der Dekorationsartikel wird sie wohl sitzenbleiben, vermutet sie. Die Umsatzeinbußen in diesem Jahr seien enorm. Zu Beginn der Pandemie sei sie noch davon ausgegangen, staatliche Hilfen für das Café zu bekommen – doch nach einer langen Zeit habe sie erfahren, dass das nicht ginge, weil ihr Geschäft durch den Dekoartikel-Verkauf ein Mischbetrieb sei. „Wir müssen gegebenenfalls schließen“, sagt Evelyn Thiemann mit einem Seufzen. Und ergänzt: „Dauerhaft.“

Geschäftsinhaber: "Touristen und Laufkundschaft fehlen"

Eine, die ebenfalls von Umsatzeinbußen berichtet, ist die Filialleiterin des Modegeschäfts „Stoffwechsel“ im Kornmarktcenter. In den Regalen liegen Jacken und Winterpullover, die ab Montag erst einmal nicht verkauft werden können. „Es ist unschön, dass jetzt das Weihnachtsgeschäft wegbricht“, sagt die Frau. Sie zuckt mit den Schultern. „Wir haben auch keine Alternative, keinen Onlineshop.“

Etwas mehr Glück hat Henrik Truhel, Geschäftsführer des gleichnamigen Elektronik-Geschäfts in der Bautzener Karl-Marx-Straße. Auch ihm brechen Teile des Weihnachtsgeschäfts weg. „Dass das Weihnachtsgeschäft ins Wasser fällt, ist natürlich tragisch“, sagt Truhel, vor allem die Laufkundschaft fehle im Lockdown komplett. Aber: „Wir bieten einen Reparaturservice an, zählen als Handwerk. Wir dürfen unsere Dienstleistungen daher weiter anbieten – und in diesem Rahmen beispielsweise auch neue Fernseher verkaufen und installieren.“

Henrik Truhel darf seine Dienstleistungen trotz des Lockdowns anbieten - aber das klassische Weihnachtsgeschäft in seinem Elektronikhandel bricht weg.
Henrik Truhel darf seine Dienstleistungen trotz des Lockdowns anbieten - aber das klassische Weihnachtsgeschäft in seinem Elektronikhandel bricht weg. © SZ/Uwe Soeder

Einer, der ebenfalls weiterarbeiten kann, der sogar weiterhin öffnen darf, ist Daniel Polenk. Er hat sein Geschäft auf der Inneren Lauenstraße. Gerade zieht er goldene Schleifenbänder kraus, die er für einen Kunden an einer Pralinenschachtel angebracht hat. Kunde um Kundin um Kunde kommen an diesem Vormittag in sein Geschäft – aber Daniel Polenk ist trotzdem geknickt. „Ich konnte noch einige meiner Bestellungen stornieren. In einem normalen Jahr wären die der Renner gewesen: Schokolade mit Bautzen-Relief zum Beispiel oder Weihnachtskugeln mit Bautzen-Optik.“

Nicht so in diesem Jahr, in dem die Touristen ausbleiben, die Leute nicht vom Weihnachtsmarkt aus vorbeibummeln. Und in dem die Portemonnaies der Leute leerer sind, weil viele in Kurzarbeit sind. So zumindest ist Daniel Polenks Erfahrung. „Selbst wenn ich öffnen darf – die Straßen sind doch leer“, sagt er. Eigentlich wollte er einen Onlineshop aufbauen, aber ihm fehle das Geld dazu. Auch er ist sich nicht sicher, ob sein Geschäft diese Krise überstehen wird.

Händler: "Ohne strikte Maßnahmen geht es nicht"

Einbußen haben in der Corona-Zeit wohl die meisten Bautzener Händler. Und dennoch – einig sind sich viele von ihnen in einer Sache. Nämlich, dass Maßnahmen gegen die Pandemie notwendig sind. Evelyn Thiemann hätte sich aber eine klarere Linie der Regierung gewünscht; eine, die ihr etwas in Aussicht stellt und ihr die zermürbende Ungewissheit nimmt.

Daniel Polenk darf sein Geschäft in der Inneren Lauenstraße öffnen; er verkauft Pralinen, Getränke und andere - überwiegend essbare - Präsente. Trotzdem berichtet er von hohen Umsatzeinbußen.
Daniel Polenk darf sein Geschäft in der Inneren Lauenstraße öffnen; er verkauft Pralinen, Getränke und andere - überwiegend essbare - Präsente. Trotzdem berichtet er von hohen Umsatzeinbußen. © SZ/Uwe Soeder

Viele der Händler sprechen sich trotz der schwierigen Lage deshalb auch für einen Lockdown aus. „Mich ärgert die Unvernunft vieler Leute, die die Schutzmaßnahmen verweigern“, sagt Henrik Truhel vom Elektronikgeschäft. „Wir müssen das jetzt alle zusammen ausbaden – einen anderen Weg als strikte Maßnahmen gibt es da ja nicht.“ Nur: Der Zeitpunkt, da sind sich die meisten einig, der ist ungünstig. „Hätten wir den Lockdown ein, zwei Monate eher durchgesetzt, sähe die Lage jetzt vielleicht anders aus“, vermutet Henrik Truhel. Er denkt an Weihnachten und an seine Tochter, die das Fest nicht in der Heimat verbringen kann. Wäre das möglich gewesen, wenn die Zahlen durch den Lockdown eher gesenkt worden wären?

Ein anderer Zeitpunkt wäre auch der Filialleiterin des "Stoffwechsels" im Kornmarkt-Center lieber. „Die Maßnahmen sind ja nun einmal leider notwendig“, sagt sie, aber vielleicht hätte man ja noch ein bisschen warten können, denkt sie. „Im Januar, da ist im Handel doch sowieso Saure-Gurken-Zeit und niemand kauft etwas.“ Das schlägt auch Daniel Polenk vor. „In der Zeit machen wir ohnehin Bestandsaufnahmen und räumen um, dafür könnten wir alleine im Laden stehen“, sagt er. Er findet: „Das wäre sinnvoller gewesen.“

Läden im Kornmarkt-Center öffnen verkürzt

Das Kornmarkt-Center wird auch ab 14. Dezember geöffnet bleiben, teilt Center-Manager Christian Polkow mit. Gerade würden Abstimmungen mit den Geschäften laufen, die weiter öffnen dürfen. Einige wollen aber nur verkürzt öffnen, bis 18 Uhr ist laut Polkow bisher eine häufige Rückmeldung. Weiterhin öffnen dürfen: Pluspunkt Apotheke, Drogerie Rossmann, Apollo Optik, Friseur Klier, K Kiosk und alle Lebensmittelanbieter wie Fleischerei Korch, Bäckerei Bresan, Tutti Frutti und Süßes Rendezvous. Zudem soll es bei Nordsee und dem Asia-Imbiss ein Abhol-Angebot geben.

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