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Bautzen: Ohne Chipkarte kein Schnelltest?

Ein Paar wollte sich in Bautzen in einem Testzentrum auf Corona testen lassen – und wurde abgewiesen. War das rechtens?

Michael Raden wollte sich im Corona-Testzentrum am Obi-Markt in Bautzen auf das Virus testen lassen - und wurde abgewiesen, weil er keine Chipkarte hat.
Michael Raden wollte sich im Corona-Testzentrum am Obi-Markt in Bautzen auf das Virus testen lassen - und wurde abgewiesen, weil er keine Chipkarte hat. © Steffen Unger

Bautzen. Etwa 2.000 Corona-Schnelltests am Tag werden momentan im Kreis Bautzen an Werktagen durchgeführt. An rund 100 Orten im Kreis heißt es: Stäbchen rein, 15 Minuten warten, Corona-Schnelltest-Ergebnis erfahren. Das Ergebnis ist Eintrittskarte für einige Geschäfte, für Friseur- oder Zoobesuche oder auch für die Außengastronomie, wenn sich dort zwei Haushalte treffen wollen. Wohl die meisten Bewohner des Landkreises haben das Prozedere schon das ein oder andere Mal mitgemacht. Nicht ganz reibungslos verlief das allerdings für Michael und Ursula Raden.

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„Wir wollten uns am Sonnabend vor einer Woche testen lassen“, erzählt Michael Raden. „Wir wollten mit unseren Enkeln in Leipzig in den Zoo gehen.“ Weil sonnabends viele Testzentren geschlossen sind, entschied sich das Ehepaar für ein Zentrum, von dem es wusste, dass es geöffnet ist: das Testzentrum am Bautzener Obi-Markt. „Ich hatte mich dort schon einmal testen lassen, und da hat alles geklappt“, berichtet der 69-Jährige. Nicht so an jenem Sonnabend.

Ehepaar wurde ohne Test weggeschickt

„Die Testerin weigerte sich, uns zu testen – weil wir keine Krankenkassen-Chipkarte haben“, sagt der Rechtsanwalt. „Sie sagte, sie seien über ein Lesegerät mit dem Landratsamt verbunden – die Daten würden direkt weitergegeben.“ Testen lassen nur mit Chipkarte – für viele ist das kein Problem. Michael und Ursula Raden haben allerdings keine Chipkarte, weil sie privat krankenversichert sind und ihre Versicherung keine Chipkarten ausstellt.

„Die Testerin blieb bei ihrer Position – wir mussten gehen und konnten uns nicht testen lassen“, berichtet Michael Raden. „Ich habe mich unheimlich sauer und hilflos gefühlt. Ich hatte meine Enkel lange nicht gesehen – und dachte, der Zoobesuch fällt damit ins Wasser“, sagt er.

Sicher ist: Mit den Kosten und der Bezahlung der Tests, also mit der Art der Versicherung, hatte die Absage nichts zu tun. „Der kostenlose Bürgertest ist mehrfach die Woche möglich, ein Limit besteht nicht“, sagt eine Sprecherin des Landratsamtes. „Die Kosten für die Testzentren werden durch deren Betreiber direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet. Diese wiederum rechnet dies mit dem Bund ab.“ Am Ende werden die Tests dann vom Bundesamt für Soziale Sicherung bezahlt, berichtet die Kassenärztliche Vereinigung in Sachsen.

Kreis Bautzen arbeitet mit Lesegeräten

Aber woran lag die Absage denn dann? Dürfen sich wirklich nur Leute mit Chipkarte testen lassen? „Die Testungen können unabhängig vom jeweiligen Versichertenstatus durchgeführt werden“, sagt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. „Es genügt der Nachweis, dass die zu testende Person ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland hat.“

Das Testzentrum am Bautzener Obi-Markt wird betrieben vom Medizintechnik-Unternehmen Paramedi aus Markersdorf im Landkreis Görlitz. Geschäftsführer Zoran Stanojevic versichert, dass sich auch in seinem Testzentrum alle testen lassen dürfen – ob mit Krankenkassen-Chipkarte oder ohne. Auch gegen Vorlage des Personalausweises sei das möglich. Mehrfach wiederholt Zoran Stanojevic: „Das war nicht böse gemeint, das tut uns leid. Es ist natürlich in unserem Interesse, die Tests zu ermöglichen – wir müssen uns alle schützen.“ Er habe seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun noch einmal geschult.

Er hat auch eine Idee, wie es zu dem Missverständnis gekommen ist. „Im Kreis Bautzen läuft das alles über Lesegeräte“, sagt er. „Bei uns im Kreis Görlitz ist das System anders. Wahrscheinlich wusste die Mitarbeiterin nicht, dass sie die Daten auch händisch eingeben kann.“

Positiver Test? Meldung in Echtzeit ans Landratsamt

Die Lesegeräte sollen das Prozedere schneller machen, erklärt eine Sprecherin des Bautzener Landratsamtes. „Alle Testzentren im Kreis Bautzen sind an das Schnelltestmelde-System des Landratsamtes angeschlossen“, sagt sie. „Positive Ergebnisse werden so in Echtzeit direkt an das Gesundheitsamt gemeldet.“ Auch dem Landratsamt sei daran gelegen, den Fall noch einmal aufzuklären.

Aber welche Daten braucht man denn nun wirklich, wenn man sich testen lassen will? „Die Chipkarte dient dem schnellen Ablauf einer Testung. Sie ist keine Voraussetzung für einen Test“, sagt die Sprecherin des Landratsamtes. Notwendige Nachweise hingegen seien der Nach- und der Vorname, die Anschrift, das Geburtsdatum und das Geschlecht. Auch die Angabe einer Telefonnummer sei wichtig – um im Fall eines positiven Corona-Tests die Kontaktnachverfolgung für das Gesundheitsamt zu erleichtern. Liegen diese Daten vor, sollte es keine Probleme geben.

Für Ursula und Michael Raden kommen diese Informationen zwar zu spät. Dennoch nahm das Ganze für die Bautzener noch eine glückliche Wendung. „Wir haben noch ein Testzentrum gefunden, was am Sonntagvormittag offen hatte“, erzählt Michael Raden. „Wir waren am Kornmarkthaus – dort hat es ohne Chipkarte geklappt.“ So konnten die beiden, wie geplant, mit ihren Enkeln in den Zoo gehen.

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