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Kritik an Besuchsregelung der Bavaria-Klinik

Veit Simolka darf seine schwerkranke Frau nur alle 14 Tage besuchen. Das sei unmenschlich, sagt er angesichts der sinkenden Corona-Infektionszahlen.

Veit Simolka würde gerne seine Frau in der Bavaria Klinik Kreischa besuchen. Doch dies wird ihm verweigert. Verstehen kann er es nicht.
Veit Simolka würde gerne seine Frau in der Bavaria Klinik Kreischa besuchen. Doch dies wird ihm verweigert. Verstehen kann er es nicht. © Daniel Schäfer

Er würde jetzt gerne einfach die kleine Stichstraße hochlaufen, immer die Zufahrt entlang, dann weiter bis zur Klinik II, die Anmeldung passieren und zur Station 28 gehen. Es ist nur ein kurzer Weg, höchstens zehn Minuten, aber für Veit Simolka gibt es kein Durchkommen.

Die Bavaria-Klinik in Kreischa darf er nicht betreten. Infektionsschutzmaßnahme, wie es heißt. "Nur alle 14 Tage darf ich meine Frau besuchen. Ich habe dafür angesichts der sinkenden Corona-Fallzahlen kein Verständnis mehr", sagt Simolka. Seine Frau liegt in einem Einzelzimmer. Er sei zweifach geimpft, könne sich testen lassen und trage selbstverständlich eine Maske. "Was soll ich denn noch tun?", fragt Veit Simolka.

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Nur telefonisch Kontakt - zu den Ärzten

Im Frühjahr wurde bei Simolkas Frau ein Hirn-Tumor festgestellt, es erfolgte eine Operation an der Charité in Berlin. Simolka war schon froh, als seine Ehepartnerin verlegt wurde - so ist für den Mann aus Mohorn der Weg für Besuche nicht so weit. Doch er hat seine Frau trotzdem kaum gesehen.

Am 13. Juni war er dort, am 19. Juni durfte sein Sohn in die Klinik. Simolka hatte sich für den 26. abermals angemeldet - das wurde abgelehnt. "Erst hieß es, wir dürfen wöchentlich einmal kommen, nun heißt es, alle 14 Tage." Der Ehemann hat nicht einmal eine genaue Kenntnis über den Gesundheitszustand seiner Frau.

Er weiß, das sie aus dem Koma erwacht ist, aber sich so gut wie nicht bewegen kann. Sie kann nicht sprechen, die Ernährung erfolgt künstlich. "Ich kann mit den Ärzten telefonieren, aber das ersetzt keinen Besuch."

Veit Simolka und seine erwachsenen Kinder sind der Meinung, dass die Anwesenheit von vertrauten Personen positive Wirkung auf Patienten hat. "Nach unserem Kenntnisstand ist es sehr wichtig, wenn Angehörige die Patientin aktiv bei der Gesundung unterstützen. Dies kann durch Ansprache, persönliche Fotos und Videos etc. erfolgen", schrieb er in einer Mail an die Klinikleitung und bat um eine Lockerung der Regeln.

Er habe bis heute keine Antwort erhalten, sagt er.

Klinik-Sprecherin: Noch lange kein Normalzustand

Die Besuchsregelung in Kreischa sind angesichts der Corona-Pandemie und trotz sinkender Inzidenzen immer noch streng. Auf der Homepage wird informiert, dass jeder Patient im Reha-Bereich der Klinik II nur einmal wöchentlich Besuch von einer Person und für maximal 60 Minuten empfangen kann.

Diese Besuche sind schriftlich anzumelden. "Bitte haben Sie Verständnis, dass aufgrund der Vielzahl der Patienten und Patientinnen eine wöchentliche Besuchszeit nicht in jedem Fall gewährleistet werden kann", schreibt die Klinik weiter. Das gilt seit dem 7. Juni.

"Die Corona-Schutzverordnung zwingt uns zu dem entsprechenden Besucherkonzept", begründet Kliniksprecherin Kathleen Balle. Im Falle der Station 28 in Klinik II komme hinzu, dass dort derzeit sehr viele Patienten betreut werden. Um jedem Patienten zu ermöglichen, einen Besuch zu empfangen, reiche eine Woche nicht aus, so Balle. Deshalb der 14-Tage-Rhythmus. "Das tut uns leid, aber wir können noch lange nicht in den Normalzustand übergehen."

Raupennest und Weißeritztal-Kliniken haben gelockert

Andere Kliniken haben schon gelockert. In Altenberg, ebenfalls Reha-Klinik, können die Patienten täglich und so lange sie wollen, Besucher empfangen. Einzige Einschränkung: Man darf seine Gäste nicht auf den Zimmern, sondern nur im öffentlichen Bereich treffen, also beispielsweise im hauseigenen Bistro, im Eingangsbereich oder außerhalb des Klinikgeländes. Zudem werden die Kontaktdaten registriert.

Die Weißeritztalkliniken lassen täglich Besucher zu ihren Patienten, allerdings nur zwischen 15 und 17 Uhr für maximal eine Stunde. Alle Kliniken bestehen darauf, dass die Besucher geimpft, genesen oder getestet sein müssen.

In Kreischa heißt es, die Rehaklinik in Altenberg oder die beiden Krankenhäuser seien nur bedingt mit der Bavaria-Klinik vergleichbar: "Wir haben viele schwerkranke oder lebensbedrohlich erkrankte Patienten. Teils haben diese Menschen noch keinen Impfschutz", sagt Balle. Man könne es deshalb nicht riskieren, dass auch nur ein Corona-Fall auftrete. Balle: "Dann müssten wir wieder schließen und das kann auch niemand wollen."

Ab Mitte Juli mehr Besuche möglich

Der Klinikleitung macht insbesondere die hochansteckende Delta-Variante des Virus Sorgen. "Es ist keine Frage, das sich diese Mutation in Deutschland verbreitet, sondern nur, wann und wie schnell das geschieht", so die Klinik-Sprecherin. Deshalb werde man die Öffnung für Besucher nur behutsam anpassen.

Für die Klinik II, Station 28, sei aber eine Rückkehr zur einwöchigen Regelung in Sicht. Zudem möchte die Klinik die Besuchsregelung ab dem 14. Juli lockern und Angehörigen weitere Besuchszeiten einräumen.

"Damit können wir dem dringenden und sehr verständlichen Wunsch unserer Patienten und ihrer Angehörigen auf mehr Besuchsmöglichkeiten nachkommen", teilt die Klinikleitung mit. In den nächsten Tagen werde die Information auf der Homepage veröffentlicht, sodass mehr Besuchszeiten gebucht werden können. Vorausgesetzt, die Infektionslage lasse das zu.

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Veit Simolka hofft, dass er seine Frau dann auch öfters sehen kann. "Ich mache mir sehr große Sorgen um sie. Ich möchte ihr gerne helfen und bei ihr sein, damit es ihr bald etwas besser geht." Kurzfristig hat er nun einen Besuchstermin Mitte dieser Woche bekommen.

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