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Familie beim Corona-Test vergessen

Eine Großschönauer Familie sitzt seit zwei Wochen in ihrer Wohnung fest. Nach einem Versäumnis im Gesundheitsamt beginnt die Quarantäne jetzt noch mal von vorn.

Quarantäne in der Drei-Raum-Wohnung: Nach einem Versäumnis im Gesundheitsamt müssen Cindy Rücker und Florian Güttler mit ihren Kindern Lionel (5) und Kilian jetzt noch länger in Isolation ausharren.
Quarantäne in der Drei-Raum-Wohnung: Nach einem Versäumnis im Gesundheitsamt müssen Cindy Rücker und Florian Güttler mit ihren Kindern Lionel (5) und Kilian jetzt noch länger in Isolation ausharren. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Cindy Rücker weiß manchmal nicht mehr, wie sie das ihrem Sohn noch erklären soll. Was sagt man denn einem Fünfjährigen, warum er nicht rausgehen darf zum Spielen? Nicht in den Kindergarten und nicht zu seinen Freunden? Obwohl er doch kerngesund ist? Und wie erklärt man ihm, dass das jetzt alles noch viel länger dauert als gedacht. Dass er jetzt noch mal zehn oder vielleicht sogar 14 Tage zu Hause eingesperrt bleiben muss?

Cindy Rücker steht draußen auf dem Balkon und schaukelt ihr Baby auf dem Arm. Der kleine Kilian, gerade erst zwei Monate alt, kann ja auch nichts dafür. Und auch nicht die Oma, die sich nun so fühlt, als wäre sie an allem schuld. 

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"Gut, dass wir wenigstens einen Balkon haben", sagt Cindy Rücker. In der kleinen Drei-Zimmer-Wohnung ganz oben in einem der Neubaublocks an der Großschönauer Sonnebergstraße, in der sie mit ihrem Lebensgefährten und den Kindern ausharrt, fällt ihr immer öfter die Decke auf den Kopf fallen. Der kleine Balkon ist seit dem 8. Oktober der einzige Platz, an dem sie und die Kinder wenigstens ein bisschen an der frischen Luft sein können.

"Wir halten uns an die Auflagen", sagt die 22-Jährige, "obwohl das mit jedem Tag schwerer wird. Ich weiß bald nicht mehr, wie ich Lionel noch beschäftigen soll." Gestern haben sie Kürbisgeister geschnitzt, vorgestern Kastanienmännel gebaut aus den Kastanien, die sie zum Glück noch vor der Quarantäne gesammelt hatten. Der Kickertisch in Lionels Zimmer ist jetzt ein Segen. 

Tests von Kontaktpersonen nur bei Symptomen?

Auf dem Rasen unterm Balkon steht Cindys Bruder Tom. Er ist gekommen, um zu fragen, wie er helfen kann. Der 19-Jährige, der noch bei der Mutter wohnt, kann seit Mittwoch wieder raus. Seine Schwester und ihre Familie nicht. Irgendwas ist da schiefgelaufen im Gesundheitsamt des Landkreises.

Cindy Rückers Stimme zittert, als sie die ganze Geschichte erzählt: Anfang Oktober geht ihre Mutter mit Husten und Schnupfen zum Arzt. Am 8. Oktober liegt das Ergebnis des Corona-Tests vor: positiv! Zu ihren Kontaktpersonen zählt das Gesundheitsamt ihre Kinder Cindy und Tom und die beiden Enkel. Sie werden in Quarantäne geschickt - aber nicht getestet. Cindys Lebensgefährte muss nicht in Quarantäne. Er geht zur Arbeit, zum Fußballtraining, zum Einkaufen.

Am 9. Oktober fragt Tom beim Gesundheitsamt an, wann denn die Familie getestet wird. Er bekommt zur Antwort, dass gar keine Tests vorgesehen sind, solange keine Symptome auftreten. Einen Tag später bekommt er einen Anruf, dass er jetzt doch getestet wird, weil er mit einer positiv getesteten Person - seiner Mutter - in einem Haushalt wohnt.

Am vergangenen Mittwoch, dem 14. Oktober, bekommt Cindy einen Anruf vom Gesundheitsamt, dass sie leider vergessen wurde und nun auch noch getestet würde. Die Frau am Telefon entschuldigt sich für das Versäumnis. Die Frage, ob denn auch die beiden Kinder getestet werden, kann sie Cindy nicht beantworten. "Sie wusste gar nicht, dass ich Kinder habe, die auch in Quarantäne sind", schildert die 22-Jährige.

Am vergangenen Donnerstag, dem 15. Oktober, also wenige Tage vor dem Ende der Quarantäne-Frist,  kommt ein Team vom Gesundheitsamt nach Großschönau, nimmt Abstrich-Proben von Cindy und den Kindern - nicht aber von Cindys Lebensgefährten, obwohl er zu Hause ist.

"Wer weiß, wie viele inzwischen infiziert sein können"

Am Sonnabend bekommt die Familie die Testergebnisse: Für Cindy Rücker und den fünfjährigen Lionel sind sie negativ. Aber Kilian, der zwei Monate alte Säugling, ist mit den Virus infiziert. "Er hat ein bisschen Schnupfen", sagt seine Mutter, sonst nichts.

Aber das Testergebnis bedeutet nun: Die Quarantäne für die Familie ist bis zum 28. Oktober verlängert. Und sie gilt jetzt auch für Florian Güttler, den Familienvater. An diesem Mittwochvormittag, eine Woche, nachdem das Test-Team vom Gesundheitsamt bei der Familie in Großschönau war, wird nun auch er getestet. Er muss dafür ins zentrale Testzentrum nach Löbau fahren.

"Ich darf gar nicht daran denken, was passiert, wenn das Ergebnis positiv ist", sagt Cindy  Rücker. "Mein Partner hätte ja eine ganze Woche Zeit gehabt, das Virus weiter zu verbreiten. Wer weiß, wie viele da inzwischen infiziert sein können." Sie hat Angst, dass die Quarantäne für die Familie in einem solchen Fall bis zum 3. November verlängert werden würde. "Wir verstehen ja, dass die Mitarbeiter alle überlastet sind", sagt sie. "Aber darf so etwas passieren?"

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