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Kretschmer besucht Corona-Hotspot Wittichenau

Wittichenau im Kreis Bautzen hat Corona besonders stark getroffen. Wie sich Sachsens Ministerpräsident die hohen Zahlen erklärt.

Bautzens Landrat Michael Harig und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zu Besuch in Wittichenau.
Bautzens Landrat Michael Harig und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zu Besuch in Wittichenau. © Foto: Gernot Menzel

Wittichenau. Der Wochenmarkt auf dem Wittichenauer Marktplatz findet am Freitag ganz normal statt. Als Ministerpräsident Michael Kretschmer das Rathaus gegen 15 Uhr verlässt, ist der aber schon vorbei. Der MP geht noch Geld abheben und sich was beim Bäcker holen. Für Wittichenau ist es ansonsten ein normaler Freitag. Daran ändert nicht viel, dass die Kommune mit weniger als 6.000 Einwohnern aber 158 bestätigten Infektionen aktuell der Corona-Hotspot im von Covid-19-Infektionen ohnehin stark betroffenen Landkreis Bautzen ist.

Ministerpräsident, Landrat Michael Harig, Amtsärztin Dr. Jana Gärtner und weitere Landratsamtsmitarbeiter sind nach Wittichenau gekommen, um mit Bürgermeister Markus Posch, Pfarrer Wolfgang Křesák und der Leitung des Malteserstifts St. Adalbert zu sprechen. 

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Das Stift ist seit Montag stark betroffen. Über 30 Bewohner und Mitarbeiter wurden positiv auf das Corona-Virus getestet. Der Tod einer Ordensschwester, die in dieser Woche bestattet wurde, habe aber nichts mit Corona zu tun, ist vor Ort zu erfahren. Das Heim ist für alle Besucher geschlossen. Warum Wittichenau Hotspot ist, so klar ist das nicht. Die Ansteckungen erfolgten wohl im privaten Bereich. Michael Harig ringt dem auch etwas Positives ab: „Die Situation zeigt, dass hier die Welt noch in Ordnung, Kontakt unter den Familienverbänden ist.“

Schulen und Kitas bleiben offen

Am Vormittag im Landratsamt verkündet der Landrat bei einer Pressekonferenz, dass es im Landkreis im Alleingang keine weiteren Verschärfungen von Maßnahmen gibt, Schulen und Kitas offen bleiben. Auch für Wittichenau selbst gibt es keine über die geltende Verordnung hinausgehenden Maßnahmen. Man setzt im Kreis alles auf die Nachverfolgung der Infektionsketten.

Im Landratsamt werden die Mitarbeiter so umorganisiert, dass die Nachverfolgung Priorität hat. Zusätzlich kommen Soldaten der Bundeswehr zum Einsatz. Untergebracht sind sie in der Jugendherberge Bautzen. Ihr Einsatzort ist vor allem Bautzen. Der Besuch in Wittichenau am Freitag ist daher eher ein Zeichen, dass man seitens der Landesregierung und des Landratsamtes die Situation als sehr ernst einschätzt. Harig und Kretschmer appellieren, die geltenden Schutzmaßnahmen einzuhalten: Abstand, das Tragen von Mund-Nasen-Schutz. Kretschmer betont: „Es ist wirklich kein Spaß. Und vor uns liegen kalte, dunkle Monate.“ 

Auf die Frage eines Journalisten, ob es weitere Restriktionen im Freistaat geben wird, antwortet er, dass er sie gern vermeiden will. Kretschmer sagt nicht, dass es keine geben wird. Die Ursachen der hohen Infektionszahlen sind seiner Meinung nach „Leichtsinn und Übermut“. Das Virus sei da, viele Infizierte seien symptomfrei, aber ansteckend.

Michael Harig erlebt binnen 24 Stunden die beiden gegensätzlichen Pole, wie man zu Corona stehen kann. Am Abend zuvor war Harig in Bautzen vor dem Gesundheitsamt bei einer Protestkundgebung von rund 200 Personen, die gegen die geltenden Corona-Schutzmaßnahmen protestiert. Der Landrat wollte sich dem Gespräch stellen. Nur offenbar wollte von den Protestierenden keiner wirklich mit ihm reden. „Die Demonstration hat mich sehr enttäuscht. Das Thema Kinder wurde dabei instrumentalisiert. Dabei bin ich ja jemand, der gern mit den Leuten spricht.“

Fünf Fälle auch im Asylbewerberheim

Und die Mitarbeiter des Landratsamtes haben mit Corona alle Hände voll zu tun. Am Freitagvormittag testete das Gesundheitsamt mit Unterstützung der Bundeswehr in Hoyerswerda die Bewohner und das Personal der beiden von Corona betroffenen Wohnbereiche des Awo-Altenzentrums in der Thomas-Müntzer-Straße. Bei 32 Senioren und zwei Mitarbeitenden sind im Laufe dieser Woche Infektionen mit dem SarsCov2 Virus bekannt geworden, teilt Björn Fünfstück von der Awo Lausitz Pflege- und Betreuungs-gGmbH mit.

„Durch umfangreiche Hygienemaßnahmen ist die Verbreitung des Virus nach wie vor auf zwei Wohnbereiche begrenzt. Durch das Gesundheitsamt wurde für diese Bereiche nunmehr vorsorglich eine 14-tägige Quarantäne ausgesprochen.“ Covid-19-Fälle gibt es auch in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende, die von der Awo für den Landkreis in Hoyerswerda betrieben wird. „Die fünf betroffenen Bewohner und deren Angehörige, insgesamt 20 Personen, befinden sich im Quarantänebereich der Einrichtung. Bei keinem der Betroffenen ist derzeit ein schwerer Verlauf erkennbar“, so Fünfstück weiter. 

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Im Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda verzeichnete man am Freitagvormittag 24 Covid-Patienten, Tendenz steigend. „Es sind momentan noch ausreichend Intensivkapazitäten – auch für die Behandlung von Covid-19-Patienten – vorhanden“, sagt Klinikumssprecher Gernot Schweitzer gegenüber TAGEBLATT. Demnach liegen fünf corona-positive Patienten auf der Intensivstation. „Die Covid-Patienten in stationärer Behandlung sind fast ausschließlich über 75 Jahre. Wir hatten aber auch schon einzelne Patienten aller Altersstufen ab 29 Jahren aufwärts“, so Schweitzer weiter. Im Haus wird derweil umstrukturiert. Die Belastung für das Personal sei momentan sehr hoch, doch die Versorgung aller Patienten gewährleistet. „In Anbetracht der aktuellen Infektionszahlen haben wir seit heute eine weitere Station als ISO-Station eingerichtet. Nicht dringende ambulante OPs und die ambulanten Sprechstunden werden derzeit teilweise verschoben.“

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