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Bio boomt in der Sächsischen Schweiz

Lebensmittel aus ökologischem Anbau sind derzeit besonders gefragt. Das hängt auch mit der Corona-Pandemie zusammen.

Der Biomarkt von Vorwerk Podemus in der Breiten Straße in Pirna profitiert von der Corona-Krise. Andere Bioläden ebenso.
Der Biomarkt von Vorwerk Podemus in der Breiten Straße in Pirna profitiert von der Corona-Krise. Andere Bioläden ebenso. © Norbert Millauer

Dienstagmorgen. Gerade packt eine ältere Dame Tomaten, Gurken und Kartoffeln in ihre große Tasche und verabschiedet sich. Da betritt auch schon der nächste Kunde das Geschäft von Jaqueline Köhler-Kusnyerik. Sie ist Besitzerin vom Bioladen in Pirna's grünem Haus an der Rottwerndorfer Straße und freut sich über den Zulauf, den sie in der Corona-Krise erlebt. "Derzeit haben wir eindeutig mehr Kunden. Ich sehe auch viele neue Gesichter in meinem Laden, die Altkunden kommen weiterhin", sagt die Unternehmerin. "Das Bewusstsein steigt, sich gesund zu ernähren. In der Pandemie-Krise einmal mehr", schätzt sie die Situation ein. Besonders Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau werden derzeit stark nachgefragt.

Kunden wollen wissen, woher das Steak kommt

Auch in dem Biomarkt Vorwerk Podemus in der Breiten Straße in Pirna öffnet sich die Automatiktür im Minuten-Rhythmus. "Seit Beginn der Krise machen wir mehr Umsatz", sagt Mitarbeiterin Julia Mauksch auf Nachfrage von Sächsische.de. Konkrete Zahlen kann sie jedoch nicht nennen. Neben Obst und Gemüse werden auch besonders Fleisch- und Wurstwaren in dem Geschäft gekauft. "Wir sprechen ja oft mit den Kunden. Dabei wird immer wieder deutlich, dass sich die Menschen in der Pandemie einmal mehr Gedanken um ihre Gesundheit machen", erzählt Mauksch. Viele seien zu Hause und müssten selber kochen, da Gaststätten und Lokale geschlossen sind. "Die Menschen legen mehr Wert auf Qualität und wollen wissen, woher zum Beispiel das Steak kommt, das sie in die Pfanne legen", so die Mitarbeiterin von Podemus. Das Unternehmen mit mehreren Filialen und dem Hauptgeschäft bei Dresden feiert in diesem Jahr übrigens sein 30-jähriges Bestehen. Zahlreiche Aktionen seien geplant.

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Hamstereinkäufe in der Biobäckerei

Über weniger Kunden möchte sich auch Erik Spiegelhauer von der gleichnamigen Biobäckerei in Pirna nicht beklagen. "Generell bemerken wir in den vergangenen Jahren, dass mehr Kunden auf Bioprodukte zurückgreifen. In der Pandemie sind neue Verbraucher dazu gekommen." Aber die Biobäckerei bietet nicht nur fertig gebackenes Brot und frische Brötchen an. "Enorm hoch ist derzeit die Nachfrage nach Backzutaten, vermutlich weil die Menschen jetzt Zeit haben, selber zu backen", sagt Spiegelhauer. Auch Hamstereinkäufe seien keine Seltenheit in der Biobäckerei. Dabei komme es teilweise zu skurrilen Situationen. "Wir hatten eine Anfrage eines Kunden, der wissen wollte, wie groß ein Sack Haferflocken mit 25 Kilogramm Inhalt sei. Er war sich nicht sicher, ob solch ein Sack überhaupt in seine Küche passe", berichtet der Juniorchef.

Etwas verhaltener äußert sich Uta Scheermesser, die den Bioladen "Frohnatur" in Sebnitz besitzt. "Wir haben einige neue Kunden in den vorigen Wochen dazu bekommen, es ist jetzt aber kein Ansturm auf unsere Ware", sagt sie.

Bauernmarkt in Röhrsdorf sehr beliebt

Nicht nur Bio boomt, sondern ebenso Produkte aus regionalem Anbau. Das bestätigt die Obstscheune in Pirna-Krietzschwitz, wo die Nachfrage nach regionale Produkten gestiegen sei. "Wir haben mehr Neukunden", sagt eine Mitarbeiterin. Die Konsumenten griffen auch deshalb zu Bio-Produkten, weil sie in Zeiten der weltweiten Pandemie regionale Anbieter und Bauern unterstützen wollten, schätzt sie ein. Es wird zudem berichtet, dass auch auf dem Sächsisch-Böhmischen Bauernmarkt in Röhrsdorf bei Dohna an den Wochenenden großer Andrang herrsche. Hier bieten vorwiegend regionale Erzeuger ihre Ware an.

Bio bundesweit im Aufwind

Bundesweit erzielten Bio-Lebensmittel im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von fast 15 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von mehr als 20 Prozent. Bio legte damit nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) doppelt so stark zu wie der Lebensmittelmarkt insgesamt.

Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) möchte diesen Trend verstetigen: Wenn Kunden mehr Wert auf artgerechte Tierhaltung legen, ist das eine Chance für spezialisierte Bauern. Günther wirbt bei den Landwirten für mehr regionale Verarbeitung und Vermarktung. Sein Argument: Damit lasse sich auch mehr Geld verdienen. Zugleich würden Umwelt, Klima und Arten geschützt. Mit gut 16 Millionen Euro pro Jahr unterstützt Sachsen Biobauern über Flächenprämien während der Umstellungsphase. Außerdem gibt das Land Geld, damit sächsische Biobetriebe sich auf der Fachmesse in Nürnberg vorstellen. Diese Fachmesse wurde erst vor wenigen Tagen eröffnet, allerdings nur virtuell.

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