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BioNTech übernimmt Anlage von Novartis

Mit dem Zukauf kann das Bio-Tech-Unternehmen ab Anfang 2021 in Marburg bis zu 750 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs jährlich herstellen.

Eine Mitarbeiterin von Biontech steht im Mainzer Labor des Unternehmens.
Eine Mitarbeiterin von Biontech steht im Mainzer Labor des Unternehmens. © Stefan Albrecht/Biontech/dpa

Frankfurt/Main. Das Mainzer Bio-Tech-Unternehmen BioNTech will den von ihr derzeit in der Testphase befindlichen Corona-Impfstoff BNT162b2 ab Anfang 2021 auch im hessischen Marburg produzieren. Dafür übernimmt BioNTech die dort vorhandene hochmoderne Produktionsanlage für biotechnologische Substanzen vom Schweizer Pharmakonzern Novartis. Eine erste Teilvereinbarung über den Kauf wurde am Donnerstag unterzeichnet, bis zum Jahresende soll die Übernahme komplett abgewickelt werden. Wieviel die Mainzer für die Anlage bezahlen, ist nicht bekannt. Wie BioNTech-Gründer und Chef Ugur Sahin am Donnerstag sagte können in Marburg jährlich 750 Millionen Impfdosen hergestellt werden. Nach dem Hochlaufen der Produktion würde man im ersten Halbjahr 2021 zunächst einmal rund 250 Millionen Dosen produzieren können.

BioNTech will noch vor der Zulassung des Impfstoffs durch die Behörden in Europa und den USA - sie soll die Ende Oktober/Anfang November nach ersten Ergebnissen der derzeit laufenden Tests mit rund 29.000 Probanden beantragt werden - die Produktion sofort aufnehmen, wenn die Behörden in Deutschland dies freigeben. Aufgrund der hervorragenden Ausstattung der Anlage von Novartis in Marburg rechnet Sahin damit noch im 4. Quartal. Dann würden die rund 300 Beschäftigten mit der Herstellung von BNT162b2 Anfang 2021 beginnen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden übernommen und behalten ihren Arbeitsplatz. In Marburg hatten sie bislang unter anderem auch Grippe-Impfstoffe produziert.

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Der Hauptsitz des Biotechnologie-Unternehmens Biontech in Mainz. Das Unternehmen engagiert sich intensiv in der Forschung zu einem Corona-Impfstoff.
Der Hauptsitz des Biotechnologie-Unternehmens Biontech in Mainz. Das Unternehmen engagiert sich intensiv in der Forschung zu einem Corona-Impfstoff. © Andreas Arnold/dpa

Aktuell verfügt BioNTech durch die Kooperation mit dem Pharma-Riesen Pfizer weltweit über Produktionskapazitäten in Höhe von 1,3 Milliarden Impfdosen jährlich, in Deutschland derzeit am Unternehmensstandort in Mainz und im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein. Dazu kommen Anfang nächsten Jahres die Kapazität der Anlage in Marburg. Sie wird dann eine der größten Corona-Impfstoff-Fabriken in Europa und die größte Produktionsstätte von BioNTech.

Noch in diesem Jahr wollen BioNTech und Pfizer nach Angaben Sahin rund 100 Millionen Dosen herstellen. Lieferverträge bestünden mit den USA, der EU, Großbritannien und Japan. Sahin zeigt sich zuversichtlich, dass BNT162b2 ein wirksamer und auch sicherer Impfstoff sein wird. „Wir sind in der Testphase mit 29.000 Probanden in der Lage seltene Nebenwirkungen zu erkennen.“ Derzeit laufen Studien in 129 Testzentren in den USA, Brasilien, Argentinien und Deutschland. Demnächst sollen die Türkei und Südafrika dazukommen.

Den Vertrieb wollen BioNTech und Pfizer über das weltweite Netz des Pharmakonzerns abwickeln. In Deutschland werde derzeit an einem Konzept gearbeitet, dass auch die Einhaltung der Kühlketten sicherstellt.

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