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„Die Situation in den Krankenhäusern ist bedrohlich“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht in Bischofswerda mit Ärzten und Pflegern. Was er zu hören bekommt, geht ihm nahe.

Bei seinem Besuch im Krankenhaus in Bischofswerda betont Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, dass die Corona-Regeln verschärft werden. Oberstes Ziel sei, die medizinische Versorgung zu gewährleisten.
Bei seinem Besuch im Krankenhaus in Bischofswerda betont Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, dass die Corona-Regeln verschärft werden. Oberstes Ziel sei, die medizinische Versorgung zu gewährleisten. © Steffen Unger

Bischofswerda. Als der schwarze BMW von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Haupteingang des Krankenhauses in Bischofswerda vorfährt, warten die Mitarbeiter des Klinikums und einige Medienvertreter schon eine Weile auf die Ankunft. „Ich entschuldige mich für meine Verspätung, aber wir haben noch kurz beim Bäcker Halt gemacht. Es hieß, Bäcker Haufe ist der beste Bäcker in Bischofswerda“, sagt er.

Zwei Stollen hat Michael Kretschmer den Mitarbeitern mitgebracht. „Ich bin sehr froh, dass sie Zeit für mich haben. Wir sind in einer sehr besonderen Phase. Die Zahlen gehen leider nicht zurück. Deswegen habe ich heute morgen schon sagen müssen, wir werden die Maßnahmen verschärfen“, sagt er in einem kurzen Gespräch am Eingang.

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Michael Kretschmer überreicht dem Pflegepersonal zwei Christstollen. Anschließend schaut er sich eine Stunde lang die Situation im Krankenhaus in Bischofswerda an.
Michael Kretschmer überreicht dem Pflegepersonal zwei Christstollen. Anschließend schaut er sich eine Stunde lang die Situation im Krankenhaus in Bischofswerda an. © Steffen Unger

Doch Michael Kretschmer will nicht nur Stollen vorbeibringen. Er interessiert sich für die Situation vor Ort. Es ist bereits sein dritter Besuch in einer Klinik. Zuvor besuchte Kretschmer auch schon das Krankenhaus in Pirna, am Sonntag war er in Görlitz. Sein Fazit: „Die Situation in den Krankenhäusern ist sehr angespannt. Man kann auch sagen bedrohlich. Deswegen ist es notwendig, dass wir unsere Maßnahmen nachschärfen. Das oberste Ziel ist, die medizinische Versorgung zu gewährleisten.“


Das gelte nicht nur für Covid-Patienten, sondern eben auch für alle anderen, „die zum Beispiel einen Schlaganfall, ein gebrochenes Bein haben oder einen Verkehrsunfall hatten“, sagt er. „Die Gefahr besteht, das sieht man hier in Bischofswerda ganz akut, dass Ärzte krank werden, wenn die Zahlen der Infektionen zu groß sind, dass es dann eben nicht mehr gewährleistet ist.“ Die angekündigten Verschärfungen der Corona-Regeln müssten am Ende dazu beitragen, „dass die Zahl der Infektionen sinkt“.

106 Corona-Patienten in Bautzen und Bischofswerda

Auch Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken, sieht eine derzeit sehr angespannte Situation in den Krankenhäusern. Derzeit würden in Bischofswerda 34 Corona-Patienten behandelt. Vier davon müssen intensivmedizinisch betreut werden. Am Bautzener Krankenhaus, das ebenfalls zu den Oberlausitz Kliniken gehört, sind es sogar sieben Patienten, die auf der Intensivstation liegen. 65 weitere sind auf der Covid-19-Station untergebracht. „Daher behandeln die Oberlausitz-Klinken gerade 106 Menschen, die schwer an Covid erkrankt sind“, teilt er mit.

Beim Mediengespräch gibt Michael Kretschmer einen kurzen in Einblick in die einstündige Führung im Krankenhaus in Bischofswerda. „Die Menschen, die sich um die Covid-19-Patienten kümmern, sind in Vollmontur unterwegs, haben wirklich Schweres zu leisten“,
Beim Mediengespräch gibt Michael Kretschmer einen kurzen in Einblick in die einstündige Führung im Krankenhaus in Bischofswerda. „Die Menschen, die sich um die Covid-19-Patienten kümmern, sind in Vollmontur unterwegs, haben wirklich Schweres zu leisten“, © Steffen Unger

Bereits vor gut einer Woche sagte er im Gespräch mit Sächsische.de: „Die Intensivbetten für Covid-19-Patienten sind voll belegt. Es ist nicht mehr fünf vor zwölf. Es ist um zwölf.“ In ganzseitigen Anzeigen wendete er sich als Geschäftsführer der Krankenhäuser in Bautzen und Bischofswerda an die Menschen im Landkreis. Die Botschaft: Helfen Sie bitte mit, halten Sie die Schutzmaßnahmen ein!

An diesem Appell hat sich bis heute nichts geändert. Die Lage ist weiterhin ernst. „Ich habe Ihre Anzeigen gesehen, Herr Rogowski. Ich sehe die Bemühungen. Vielleicht können Sie mir jetzt einen Einblick geben, was läuft besser, was läuft schwieriger, was erwartet uns“, sagt der Ministerpräsident beim Treffen in Bischofswerda.

Kretschmer: "Da kommen einem die Tränen"

Rund eine Stunde lang schaut sich Michael Kretschmer die Situation am Bischofswerdaer Krankenhaus an, spricht mit Ärzten und Pflegepersonal. Die Presse muss aus Hygieneschutz-Gründen draußen warten. Im anschließenden Mediengespräch gibt Michael Kretschmer aber einen kurzen Einblick in die einstündige Führung. „Die Menschen, die sich um die Covid-19-Patienten kümmern, sind in Vollmontur unterwegs, haben wirklich Schweres zu leisten.“

Teilweise seien ihm auch die Tränen gekommen angesichts der Tatsache, wie sehr die Mitarbeiter an die Belastungsgrenze gehen. „Wenn man sieht, wie hier gearbeitet wird, welche Leistung gebracht wird und wie ernst die Situation ist. Da kommen einem die Tränen“, sagt er.

Reiner Rogowski findet anschließend ebenfalls sehr treffende Worte: „Der Ministerpräsident hat mit den Mitarbeitern auf Augenhöhe gesprochen. Das tut ihnen gut. Es sind die Themen, die uns und unsere Mitarbeiter beschäftigen, angesprochen und diskutiert worden. Diejenigen, die die Arbeit am Menschen, auch am sterbenden Menschen tun, sind zu Wort gekommen.“

Auch über Maskenverweigerer und Verschwörungstheoretiker wurde gesprochen. Zu diesen hat der Ministerpräsident eine klare Meinung. „Wir haben keine Zeit mehr, um uns um diejenigen zu kümmern, die alles ignorieren und auch an wissenschaftliche Erkenntnisse nicht glauben wollen. Wir müssen uns jetzt um den Schutz der Menschen kümmern, die geschützt werden müssen. Und das ist in den Hotspot-Regionen dringend notwendig.“

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