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So belebt Bischofswerda die Innenstadt

Die Buchhandlung von Mandy Heinrich gehört zu den Läden, die schon von einer speziellen Förderung profitiert haben. Jetzt wird das Programm verlängert.

Mandy Heinrich hat mit ihrer Buchhandlung in Bischofswerda von einer speziellen Förderung der Stadt profitiert. Sie empfiehlt ihren Kunden gern regionale Bücher wie das zur Geschichte der Rammenauer Teiche. Derzeit darf sie aber keine Bücher verkaufen.
Mandy Heinrich hat mit ihrer Buchhandlung in Bischofswerda von einer speziellen Förderung der Stadt profitiert. Sie empfiehlt ihren Kunden gern regionale Bücher wie das zur Geschichte der Rammenauer Teiche. Derzeit darf sie aber keine Bücher verkaufen. © Steffen Unger

Bischofswerda. Aufgrund des Lockdowns ist der Einzelhandel in Sachsen seit dem 16. Dezember lahmgelegt - so eigentlich auch die Buchhandlung von Mandy Heinrich in Bischofswerda. Dank der Post-Modern-Annahmestelle, die Mandy Heinrich außerdem betreibt, hat das Geschäft in der Innenstadt dennoch geöffnet. „Wir dürfen aber keine Bücher verkaufen, sondern nur Briefmarken“, betont die Inhaberin. „Außerdem nehmen wir Pakete und Briefe an.“ Bücher können per Mail oder telefonisch bestellt werden.

Wie für alle Geschäfte, die Corona-bedingt schließen mussten, ist die Situation auch für Mandy Heinrich nicht einfach. Besonders der Kundenkontakt und die Buchberatung fehlen ihr derzeit. Bereits Ende März 2020 während des ersten Lockdowns musste sie ihren Laden für sechs Wochen komplett schließen. Das erste Jahr als neue Inhaberin der bekannten Buchhandlung in Bischofswerda habe sie sich anders vorgestellt. Aber dennoch bereue sie die Entscheidung nicht.

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Am 1. November 2019 hatte sie die Buchhandlung von ihrer Schwiegermutter übernommen und dafür von der Stadt Bischofswerda eine Förderung über insgesamt 5.000 Euro erhalten. Die erste Hälfte gab es Ende 2019; den zweiten Teil habe sie Ende des vergangen Jahres erhalten. „Das war eine gute Starthilfe und hilft mir jetzt auch, durch den Lockdown zu kommen“, sagt Mandy Heinrich.

Stadtrat für Fortsetzung der Förderung

Das Förderprogramm Innenstadt gibt es bereits seit zwei Jahren, es wurde lange vor Corona vom Stadtrat beschlossen, wie Bischofswerdas Wirtschaftsförderer Manuel Saring betont. „Das Programm dient der gezielten Ansiedlung, Übernahme und Erhaltung von Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen sowie zur Unterstützung von baulichen Maßnahmen“, sagt er.

Das Stadtbild in Bischofswerda könne so aufgewertet, Leerstände in der Innenstadt können beseitigt und Arbeitsplätze gesichert werden. Das Geld soll Unternehmer motivieren, in Bischofswerdas Innenstadt ein Geschäft neu zu eröffnen oder - wie im Falle der Buchhandlung Heinrich - zu übernehmen. Maximal 5.000 Euro kann man von der Stadt erhalten. „Frau Heinrich und ihre Buchhandlung sind ein gutes Beispiel, wie das Programm in der Praxis funktioniert“, erklärt Manuel Saring.

Insgesamt 100.000 Euro waren für das Programm eingeplant. Derzeit seien noch mindestens 13.000 Euro übrig, unter anderem weil manche Antragsteller ihr Fördergeld nicht abgerufen hätten, fügt der städtische Wirtschaftsförderer hinzu. Auch deswegen haben die Stadträte am Dienstag der Fortsetzung des Programmes bis Ende Juni dieses Jahres einstimmig zugestimmt.

Mandy Heinrich konnte das Geld in jedem Fall gut gebrauchen. „Der Start war damit natürlich einfacher“, sagt sie. Und auch jetzt habe der Zuschuss geholfen. Denn trotz der Schließung müsse man bereits jetzt neue Bücher bestellen. „Wir wollen weiterhin die aktuellsten Bestseller im Sortiment haben und vorbereitet sein, wenn wir wieder Bücher verkaufen dürfen“, sagt Mandy Heinrich. Insgesamt bestelle sie weniger Stückzahlen, weil sie nicht wisse, „ob ich die Bücher dann absetzen kann.“

Umsatzstärkste Monate weggefallen

Die Verlage hätten laut der Buchhändlerin Verständnis für die derzeitige Situation. Immerhin sind durch den Corona-bedingten Lockdown die umsatzstärksten Monate des Buchhandels weggefallen. „Im November, Dezember macht er ein Viertel seines Jahresumsatzes, und normalerweise ist die letzte Woche vor Weihnachten sehr, sehr umsatzstark“, sagte Thomas Koch, Pressesprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, dem Bayerischen Rundfunk.

Besonders während der Corona-Krise habe sich gezeigt, wie wichtig Bücher sind. Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters betonte bei der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreise Ende November, dass Lesestoff eine Art Seelennahrung sei, gerade im Corona-Jahr 2020. Dank Büchern könnten die Leser trotz Reisebeschränkungen und Abstandsregeln Kultur genießen. „Vermittler dieses Glücks sind vor allem die Buchhändlerinnen und Buchhändler“, sagte die Staatsministerin.

Buchhändlerin: Öfter lokal einkaufen

Doch in Sachsen dürfen die Buchhändler dieses Glück derzeit nicht wirklich vermitteln. Während in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt Buchhandlungen geöffnet haben und in anderen Bundesländern zumindest Abholungen nach vorheriger Bestellung möglich sind, dürfen die Buchhandlungen in Sachsen nur über Onlineshops Bücher verkaufen.

Für Mandy Heinrich war das bisher noch keine Alternative. Sie bevorzuge die persönliche, direkte Beratung. Es gehe nicht nur um den Einkauf, sondern auch um das Einkaufserlebnis. „Viele Kunden bei uns wollen das Buch in der Hand haben und darin stöbern“, sagt sie.

Auch deswegen seien Geschäfte in der Innenstadt besonders wichtig. Dafür müssten die Menschen aber auch ein Bewusstsein haben, öfter lokal einkaufen zu gehen. „Wenn die Menschen wollen, dass es in der Innenstadt Geschäfte wie unseres gibt, dann sollten sie auch regional einkaufen. Egal ob das Bücher oder andere Produkte sind.“ Dann würde nicht nur die Buchhandlung wieder belebter sein, sondern auch die gesamte Innenstadt.

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