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"Bitte an die Maske denken"

Die Polizei in Meißen ist kurzfristig aus Dresden verstärkt worden.

Helfen schussligen Bürgern mit freundlichen Hinweisen auf die Sprünge: Polizeihauptmeisterin Ramona Lundershausen und Polizeihauptmeisterin Tatjana Iltzsche auf Streife in Meißen.
Helfen schussligen Bürgern mit freundlichen Hinweisen auf die Sprünge: Polizeihauptmeisterin Ramona Lundershausen und Polizeihauptmeisterin Tatjana Iltzsche auf Streife in Meißen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Im Polizeirevier Meißen geht es an diesem Freitagmorgen kurz vor acht Uhr zu wie in einem Bienenschwarm. Uniformierte hasten durch die Gänge, laufen treppauf und treppab. Grüße, Fragen, Hinweise schwirren hin und her. Ein Duft nach frischem Kaffee durchzieht die Gänge. 

Der große Tisch im Büro von Revierleiter Polizeioberrat Peer Barthel bildet eine Oase der Ruhe. Seit Ende vergangenen Jahres ist der gebürtige Dresdner Chef in Meißen. Somit hat er die ganze Corona-Zeit aus Meißner Perspektive miterlebt. 

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Die Pandemie ist auch der Grund für den ungewöhnlichen Andrang auf dem Grundstück August-Bebel-Straße 4. Rund 30 Kollegen der Bereitschaftspolizei Dresden helfen an zwei Tagen in Meißen aus, um die Auflagen der aktuellen Sächsischen Corona-Schutzverordnung im Gebiet des Revieres zu überprüfen. "Um das klar zu machen, wir sind mit unseren Kräften täglich unterwegs. Bei diesem Einsatz handelt es sich um eine zusätzliche Aktion", sagt Barthel.

Zielgebiet sind stark besuchte öffentliche Räume wie Fußgängerzonen, zentrale Bushaltestellen und Bahnhöfe oder die Bereiche vor Einkaufspassagen und Imbiss-Meilen. Ohne triftigen Grund würden die Beamten nicht in Läden oder Schulen gehen, sagt Barthel. Dort müssten die Lehrer beziehungsweise Ladenbetreiber dafür sorgen, dass die Maske getragen beziehungsweise Abstand gehalten wird.

Wechselnde Vorgaben sorgen für Unsicherheit

Die Uhr hat unterdessen acht Uhr geschlagen. Eine Etage höher steht eine Konferenz zu den Schwerpunkten des heutigen Tages an. Eingefunden an dem großen Besprechungstisch haben sich die Einsatzleitung des Zuges der Bereitschaftspolizei sowie die beiden Meißner Bürgerpolizistinnen Ramona Lundershausen und Tatjana Iltzsche. 

Polizeioberrat Barthel blickt kurz auf den Donnerstag zurück. Lommatzsch bildete einen Schwerpunkt. Beim dortigen Wochenmarkt nahmen es einige Kunden mit der Maskenpflicht nicht so genau. Nach einer freundlichen Lautsprecherdurchsage habe es keine Auffälligkeiten mehr gegeben. Über den ganzen Tag mussten nur wenige Anzeigen gefertigt werden. 

"Das ist aber auch nicht unser Ziel", sagt der Revierleiter. Es gehe nicht darum, sofort mit aller Härte des Gesetzes gegen die Bürger vorzugehen. Der allergrößte Teil verhalte sich sehr diszipliniert und zeige Verständnis für die bestehenden Auflagen. Allerdings hätten die regelmäßig wechselnden Vorgaben für Unsicherheit gesorgt. Wie man sich wann und wo zu verhalten habe, sei nicht immer klar. Hier helfe zumeist ein höflicher Hinweis auf den aktuellen Stand. Dies genüge oftmals bereits. Mit wirklichen Maskenverweigerern zu diskutieren lohne sich allerdings nicht, so der Polizist. In solchen Fällen müsse zumeist vom Bußgeldkatalog Gebrauch gemacht werden.

Besser einen Kompromiss suchen

Der Worte sind genug gewechselt. Die Bereitschaftspolizisten schwärmen zu den vereinbarten Einsatzorten aus. Die beiden Bürgerpolizistinnen Tatjana Iltzsche und Ramona Lundershausen machen sich auf den Weg in die Meißner Altstadt. Im Berufsverkehr am Morgen und Nachmittag bilden der Busbahnhof in Cölln und der benachbarte S-Bahnhof Schwerpunkte ihrer Arbeit. Im Gedränge von Schülern und Pendlern kommt dem Corona-Schutz eine besondere Bedeutung zu. Jetzt steht ein Rundgang durch die Innenstadt an. Späterhin wird dort der Mittagshunger an den Imbissen für Betrieb sorgen.

Vor den Neumarkt-Arkaden warten aktuell eine Handvoll Fahrgäste auf den nächsten Bus. Die Maske halten die meisten griffbereit in der Hand. Ein junger Mann mit Kopfhörern schrickt zusammen, als er von Ramona Lundershausen angesprochen wird. Mit einem Lächeln macht sie ihn darauf aufmerksam, dass die Maske mittlerweile auch im Haltestellenbereich zu tragen ist. Schnell kommt der junge Mann ihrer Bitte nach.

Auf dem Weg von den Arkaden zur Neugasse plaudern die beiden Polizeihauptmeisterinnen aus dem Nähkästchen. Für Verwirrung in diesen Tagen sorgten dicke Streifen auf den Schildern, welche etwa die Elb- und Burgstraße als Fußgängerzonen ausweisen. Ein Scherz vielleicht?  Am Ende kam heraus, dass die Stadtverwaltung sich zu diesem Schritt entschlossen hatte, da derzeit keine Außensitze vor den geschlossenen Gaststätten stehen. Der praktische Neben- oder auch Haupteffekt: Mit der Streichung der Fußgängerzone fällt gleichzeitig die Maskenpflicht weg. Den Bürgerpolizistinnen soll es recht sein. Gerade angesichts der geringen Besucherfrequenz.

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An der Haltestelle Neugasse bietet sich ein ähnliches Bild wie an den Arkaden. Die Masken werden zwar bereitgehalten, aber noch nicht aufgesetzt. Ein mittelalter Mann reagiert auf die Ansprache durch die Bürgerpolizei diesmal ungehalten und wird laut. Der Empfehlung, dann einfach den Haltestellenbereich zu verlassen und zwei Meter weiter zu warten, folgt er murrend. "In solchen Fällen ist es besser, einen Kompromiss zu suchen", sagt Tatjana Iltzsche. Sie seien jedoch die große Ausnahme.

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