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Brauchen Schüler wirklich Nachhilfe?

Der Bund will die Folgen der Corona-Pandemie für Lernende mildern. Dafür gibt es ein extra Budget. Aber wie wird es in der Region Döbeln eingesetzt?

Einige Schulen in der Region halten zusätzliche Lernangebote in den Sommerferien nicht für notwendig.
Einige Schulen in der Region halten zusätzliche Lernangebote in den Sommerferien nicht für notwendig. © Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Region Döbeln. Mehr Schüler-Nachhilfe, zusätzliche Freizeitangebote, Extra-Geld für den Nachwuchs ärmerer Familien: Das zwei Milliarden Euro schwere „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona“, das die Bundesregierung im Frühjahr beschlossen hat, soll die Folgen der Corona-Maßnahmen bestmöglich abfedern.

Rund eine Milliarde Euro soll bundesweit in Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler gesteckt werden. Dafür sind Sommercamps und Lernwerkstätten geplant sowie mit Beginn des neuen Schuljahres unterrichtsbegleitende Fördermaßnahmen in den Kernfächern.

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Schulen sollen eigenverantwortlich entscheiden

In Erwartung, dass der Bund die letzten Weichen zum Corona-Aufholprogramm in Kürze treffen wird, plant Sachsen allen Schulen in den nächsten zwei Jahren zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Damit sollen unter anderem bedürftige Schüler Förder- und Nachhilfeangebote unter Einbeziehung auch externer Bildungsanbieter bekommen.

„Wichtig ist uns bei der Umsetzung der Förder- und Nachhilfeangebote, dass die Schulen eigenverantwortlich über deren Ausgestaltung und die Zusammenarbeit mit Partnern entscheiden können. Sie kennen am besten die Bedarfe und Kooperationsmöglichkeiten vor Ort“, so Kultusminister Christian Piwarz. Auch ein Ausbau von Ganztagsangeboten ist vorgesehen. Als weitere Maßnahme soll das Angebot der Schulassistenz verstärkt werden.

Pädagogisches Geschick gefragt

Doch wie soll das Programm vor Ort umgesetzt werden? Der Döbelner Anzeiger hat bei einigen Schulleitern nachgefragt.

Kristin Dorias-Thomas, Leiterin der Peter-Apian-Oberschule Leisnig, ist der Auffassung, dass ihre Schüler nicht sehr viel Nachholbedarf haben. „Wir haben kaum Defizite im Lehrplan. Die Schüler haben den Lernstoff im Präsenzunterricht oder über Lernsax vermittelt bekommen“, sagte Dorias-Thomas.

Sicher gebe es Schüler, die zu Hause nicht viel gemacht hätten. „Diese Schüler müssen wir mit pädagogischem Geschick wieder heranführen, doch dazu braucht es keine extra Sommercamps“, so die Schulleiterin.

Kristin Dorias-Thomas hat viel mehr Sorge, wenn jetzt wieder in voller Klassenstärke unterrichtet wird. Noch vor Kurzem haben kleine Gruppen mit Mund-Nasen-Schutz in der Klasse gesessen. Jetzt dürfen alle wieder zur Schule und die Maskenpflicht entfällt. „Da habe ich schon Respekt davor“, so Dorias-Thomas.

Klassenfahrten in der Region Döbeln fallen aus

In den ersten Stunden, in denen die Schüler wieder zum Präsenzunterricht in das Martin-Luther-Gymnasium Hartha gekommen waren, haben die Klassenleiter die aktuelle Situation mit den Schülern analysiert, so Schulleiterin Heike Geißler. Während des Wechselunterrichtes seien auch viele Videokonferenzen durchgeführt worden.

„Wir sind gut im Plan“, schätzt Geißler ein. Es sei schwierig, im Sommer zusätzliche Kurse zu organisieren. Die Leiterin des Gymnasiums setzt daher auf einen Endspurt. „Sowohl Klassenfahrten, zumindest in den meisten Fällen, als auch die Sommerprojektwoche fallen in diesem Jahr weg. Diese Zeit wollen wir nutzen, um versäumten Unterrichtsstoff aufzuholen“, so Geißler. Einzelne Exkursionen zur Auflockerung soll es aber dennoch geben.

Thomas Winter, Leiter der Geschwister-Scholl-Oberschule Roßwein, will abwarten, wie die konkreten Regelungen aussehen. „Für uns ist wichtig, dass die Schule jetzt wieder normal läuft“, sagte Winter.

Auch an der Oberschule Am Holländer in Döbeln will man die Regelungen abwarten. Im vergangenen Jahr habe es in den ersten beiden Ferienwochen Angebote für die Schüler zum Nachholen versäumten Lernstoffs gegeben.

Schülerhilfe in Döbeln stark gefragt

Dass viele Schüler Probleme mit dem Online-Unterricht hatten und tatsächlich kompetente Unterstützung benötigen, spürt Michaela Zimmermann vom Lerncenter Döbeln. „Am Ende eines Schuljahres habe ich sonst nie Anfragen. Aber jetzt wollen viele Eltern wissen, ob in oder nach den Sommerferien noch Plätze frei sind“, sagt sie.

Seit sie wieder geöffnet ist, werde die Schülerhilfe stark in Anspruch genommen. Und das von allen Altersgruppen. Bei den Grundschülern bestünden vor allem Defizite in den Fächern Deutsch und Mathematik.

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Den Kindern fehlten die Grundlagen. Sie könnten schlecht lesen und wüssten zum Beispiel mit den Worten addieren und subtrahieren nichts anzufangen. „Dadurch verstehen sie schon die Aufgabenstellung nicht“, so Michaela Zimmermann.

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Die älteren Schüler hätten vor allem in Mathematik und Englisch Schwierigkeiten. Bei der Fremdsprache hapere es oft an der Grammatik. Es gebe aber auch Schüler, die das Home-Schooling weitergebracht hat. „Ihnen hat es gut getan, dass sie in Ruhe arbeiten konnten“, sagt die Nachhilfe-Lehrerin.

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