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Bürgermeister in polnischen Impf-Streit verwickelt

Das Stadtoberhaupt der Görlitzer Partnerstadt Zgorzelec, Rafal Gronicz, hat sich impfen lassen, obwohl er noch gar nicht dran war. Ein Fehler, sagt er selbst.

Rafal Gronicz (li.) pflegt die Zusammenarbeit mit dem Görlitzer OB Octavian Ursu und gilt als besonders europafreundlich.
Rafal Gronicz (li.) pflegt die Zusammenarbeit mit dem Görlitzer OB Octavian Ursu und gilt als besonders europafreundlich. © Archiv: Nikolai Schmidt

Rafal Gronicz hat sich auch über das Wochenende weiterhin für eine schonendere Testpflicht für Berufspendler eingesetzt. Der europafreundliche Bürgermeister von Zgorzelec appellierte zuvor auch an Sachsens Premier Michael Kretschmer, die Testpflicht ganz fallen zu lassen. So weit ging Sachsen nicht, aber sie wurde abgeschwächt. Auf seiner Facebook-Seite informierte Gronicz praktisch täglich über den Stand der Dinge.

Über eine eigene Kontroverse in eigener Sache aber ist auf Facebook kein Wort von dem 47-Jährigen zu hören: Er hatte sich Ende des vergangenen Jahres im Krankenhaus Zgorzelec impfen lassen, obwohl ihm das momentan noch gar nicht zusteht.

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Polen erholt sich langsam von der heftigen zweiten Corona-Welle mit Schwerpunkten im Osten und Norden des Landes. Polen, das mit 38 Millionen Einwohner nur knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat, zählt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation knapp 1,4 Millionen Infektionen seit Beginn der Pandemie und 31.000 Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Im Landkreis Zgorzelec wurden am Montag vier Neuinfektionen vermeldet, allerdings liegen die Zahlen im Nachbarland genauso wie in Deutschland am Montag niedriger, weil am Wochenende kaum getestet wird.

Auch in Polen gilt die Impfung gegen das Virus als erfolgversprechende Strategie, um in diesem Jahr aus dem landesweiten Lockdown herauszukommen. Ähnlich wie in Deutschland sollen dabei in Polen besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen schnell von der Impfung profitieren. Zunächst impft Polen in der Gruppe Null das medizinische Personal der Kliniken sowie Pflegekräfte. Anschließend sind die über 80-Jährigen aus der Gruppe 1 an der Reihe.

Umso größer war jetzt die Aufregung, als zum Jahresende in der Uniklinik in Warschau prominente Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur geimpft wurden. Die Medizinische Universität der Landeshauptstadt verteidigte ihr Vorgehen, weil ihr kurzfristig zusätzliche Impfdosen zur Verfügung standen, die schnell verimpft werden mussten, damit sie nicht verfielen. Tatsächlich räumte auch die polnische Regierung ein, dass Impfstoff an Personen außerhalb der Gruppen Null und 1 verimpft werden kann, wenn dessen Verfall droht.

Dieses Phänomen scheint nicht nur in der Landeshauptstadt aufgetreten zu sein. Auch in Zgorzelec gibt es jetzt eine Diskussion über das Impfen von Prominenten. Im Mittelpunkt steht Bürgermeister Rafal Gronicz, der nach übereinstimmenden Medienberichten Ende des vergangenen Jahres eine erste Impfung erhalten habe.

Wie es dazu kam, ist zwischen den Beteiligten umstritten. Während Gronicz gegenüber Journalisten davon sprach, vom Zgorzelecer Krankenhaus eingeladen worden zu sein, dementiert das dessen Leiterin Zofia Barczyk. Eigentlich stammen beide aus derselben politischen Familie, der Bürgerplattform PO. Frau Barczyk wirkt auch in der Zgorzelecer Stadtpolitik mit, beispielsweise im Stadtrat. Insofern überrascht es, dass sich beide jetzt so unterschiedlich äußern.

Nach Recherchen der Zeitung "Fakt" hätte aber auch das Zgorzelecer Krankenhaus vor der Alternative gestanden, Impfdosen an ausgewählte Personen zu verimpfen oder wegzuwerfen. Möglicherweise kam die Klinik in die Situation, weil sich nur 30 Prozent der Ärzte am Jahresende impfen ließen.

Gronicz räumte unterdessen seinen Fehler ein und erklärte, es wäre wohl besser gewesen, sich nicht impfen zu lassen. Zumal er in ein paar Tagen auch die zweite Impfung erhalten müsste, damit sich der volle Impfschutz entfalten kann.

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