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Kriebsteins BM kritisiert Corona-Notbremse

Für Maria Euchler (FWK) trifft es Kinder und Eltern mit dieser Corona-Maßnahme am härtesten. Trotzdem wirbt sie um Vorsicht und Vertrauen.

Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler (FWK) kann einige Corona-Regelungen nicht nachvollziehen.
Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler (FWK) kann einige Corona-Regelungen nicht nachvollziehen. © Archiv/Dietmar Thomas

Kriebstein. Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler hat sich am Montag in der Sitzung des Gemeinderates zu der von der Bundesregierung beschlossenen Notbremse wegen der Corona-Pandemie geäußert.

Sie gab zu, dass sie vor einem Jahr, selbst vor zwei Wochen, nicht geglaubt, hätte, „dass wir jetzt da stehen, wo wir heute sind.“ Laut RKI, so Euchler, haben 19 Millionen Menschen in Deutschland die erste Impfdosis erhalten, mehr als sieben Prozent der Menschen sind zweifach geimpft, mehr als drei Millionen genesen, hätten also Antikörper, und ein Großteil führe sehr vorbildlich die Tests durch. „Dennoch wird eine noch härterer Lockdown verordnet als vor einem Jahr“, so die Gemeinde-Chefin.

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Sie müsse Kritikern in Teilen Recht geben. „Ich verstehe es nicht, warum unsere Kinder nun wieder zu Hause bleiben müssen und keine Bildung im Präsenzunterricht erhalten. Bisher hieß es immer, die Lehrer sind nicht geimpft und könnten sich anstecken. Nun sind die Lehrer größtenteils geimpft oder besitzen Antikörper.

An den Schulen wurde getestet und infizierte Kinder oder Personal herausgefiltert. Selbst der Wechselunterricht mit kleineren Klassen war eine gute Alternative. Es funktionierte. Die Schulen sind keine Pandemietreiber“, so die Bürgermeisterin.

"Kindereinrichtungen sind keine Pandemietreiber"

Schwer verständlich sei für sie auch, dass durch die Regelungen der Notbetreuung in den Kindereinrichtungen quasi bei den Berufen zwei Klassen geschaffen würden – wichtige, und welche, die gerade nicht so wichtig sind. „Damit selektiert man, welche Kinder in die Notbetreuung dürfen“, so Maria Euchler. „Benötigen wir nicht alle unsere Arbeit, unser Einkommen, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten?“, fragt sie.

Menschen müssten sich demütigen lassen, jeden Cent umdrehen und entscheiden, ob sie lieber die Miete und das tägliche Essen bezahlen oder dem Kind eine kleine Freude ermöglichen.

„Menschen, die vorher nie mit Hartz IV, der Tafel, Armut oder einer derartigen finanziellen Situation konfrontiert wurden, die Jahr für Jahr Steuern zahlten, um unser Sozialsystem, unser Gesundheitssystem und allen anderen steuerfinanzierten Ausgaben zu ermöglichen – diese Menschen werden seit über einem Jahr ihrer Eigenständigkeit beraubt. Andere legen fest, ob sie systemrelevant sind oder nicht“, so Maria Euchler.

Dabei bezog sie sich auch auf die Gemeinde Kriebstein, wo die Erzieherinnen der gemeindeeigenen Einrichtungen bereitstünden. „Aber sie dürfen einen Teil der Kinder nicht entgegennehmen“, so die Bürgermeisterin.

Dabei sei alles dafür getan worden, um eine vollumfängliche Betreuung weiter anzubieten: Es sei vorbildlich getestet worden, ein Großteil des Personals sei geimpft. „Und auch hier kann ich aus eigener Erfahrung behaupten, die Kindereinrichtungen sind keine Pandemietreiber“, machte die Bürgermeisterin deutlich.

Ausgangsbeschränkungen nicht größtes Problem

Kein Verständnis habe sie dagegen dafür, eine Verfassungsklage anzustreben, weil die Menschen 22 Uhr in ihren vier Wänden sein müssen. „Liebe Politiker und Menschen: Ich bin fest davon überzeugt, dass dies gerade nicht unser größtes Problem ist“, sagte Maria Euchler.

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Trotzallem bat sie darum, den Wissenschaftlern Vertrauen zu schenken, die gerade vor gefährlicheren Mutationen warnen. „Bleiben Sie hoffnungsvoll und optimistisch“, appellierte die Bürgermeisterin. Sie bat die Einwohner, sich selbst und andere weiter zu schützen, Abstand zu halten, Masken zu tragen und sich regelmäßig testen zu lassen. Die aktuellen Inzidenzwerte bezeichnete sie als erschreckend. In Kriebstein lag dieser Wert am Montag bei 384,1.

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