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Beschluss zu Impfauskunft kommt zu spät

In Kitas, Schulen und Pflegeheimen der Region Döbeln ist das Vorgehen längst geregelt. Dabei gibt es jedoch Unterschiede.

Ob sie geimpft sind oder nicht, sollen Arbeitgeber nach dem Willen der Bundesregierung jetzt von ihren Mitarbeitern erfragen.
Ob sie geimpft sind oder nicht, sollen Arbeitgeber nach dem Willen der Bundesregierung jetzt von ihren Mitarbeitern erfragen. © Symbolbild: dpa/Sven Hoppe

Region Döbeln. Arbeitgeber von Beschäftigten in Kitas, Schulen und Pflegeheimen können künftig Auskunft über eine Corona-Impfung oder eine überstandene Covid-19-Erkrankung verlangen. Das hat der Bundestag beschlossen. Für die Chefs in den Einrichtungen der Region ist diese Regelung allerdings nicht neu.

Die Mitarbeiter des Seniorenhauses „Am Südhang“ in Technitz teilen ihrer Chefin Carola Pönitz unaufgefordert mit, wenn sie die Coronaschutz-Impfung erhalten haben, und legen auch den Impfausweis vor. „Dann entfällt für sie die Testpflicht“, so Carola Pönitz. Diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen oder können, werden dreimal pro Woche getestet. „Und das ist schon immer so“, meint die Chefin des Seniorenhauses.

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"Auskunftspflicht in solch vulnerablen Gruppen richtig"

Dass Mitarbeiter, die nicht geimpft oder genesen sind, in anderen Bereichen eingesetzt werden sollten, in denen sie weniger mit Menschen der Risikogruppe zusammenkommen, kommentiert Carola Pönitz nur mit einem Satz: „Dann bekämen wir ein riesiges Problem.“

Auch Benjamin Brambor vom gleichnamigen Roßweiner Pflegedienst sagt: „Der Gedanke ist löblich, aber nicht umsetzbar.“ Denn zum einen habe beispielsweise ein Pflegeassistent weder die Voraussetzungen noch die Qualifikation für einen Job im Büro, zum anderen würde er im Pflegebereich fehlen.

In dem Pflegedienst werde der Impfstatus nur punktuell abgefragt. Wer geimpft und genesen sei, müsse sich nur einmal pro Woche testen, alle anderen dreimal. Es stehe aber auch den geimpften frei, drei Tests wahrzunehmen.

Die Auskunftspflicht komme zu spät. Benjamin Brambor hält sie aber in solch vulnerablen Gruppen für richtig. Denn es sei positiv, dass Tagespflegen wieder öffnen können und Besuche in Pflegeeinrichtungen wieder möglich sind. Das soll auch so bleiben. Um die Normalität aufrecht zu halten, sei er bereits dabei, für diejenigen, die dies möchten, die Boosterimpfungen zu organisieren.

Examinierte Pflegekräfte in der Küche?

In der Seniorenresidenz „An der Schillerhöhe“ in Waldheim sind etwa zwei Drittel der Mitarbeiter und 90 Prozent der Bewohner geimpft. „Bei Neueinstellungen und neuen Bewohnern frage ich danach und organisiere die Impfung über unsere Kooperationshausärzte, wenn das gewünscht ist“, sagt Residenzleiter Nico Schönfelder. Es müsse ihm aber niemand Auskunft über seinen Impfstatus geben.

Getestet werden alle Mitarbeiter, die Geimpften einmal und die Ungeimpften dreimal pro Woche sowie jeder Besucher – auch, wenn er geimpft ist. „Denn die gefährliche Delta-Variante trifft auch Geimpfte und niemand will eine Situation wie im vergangenen Jahr“, meint Schönfelder und betont, dass es in der Seniorenresidenz bisher weder bei den Bewohnern noch bei den Mitarbeitern einen Corona-Fall gegeben habe.

Auch Schönfelder hält die Idee, Ungeimpfte in andere Bereiche zu versetzen für undurchdacht. „Jeder weiß, dass das Gesundheitswesen eine Mangelbranche ist“, sagt er und fragt beispielhaft: „Was will ich mit vier examinierten Pflegekräften in der Küche und wer ersetzt sie an ihrem eigentlichen Platz?“

Corona-Impfung, sonst Testpflicht

„Die Vorgabe des Bundes kommt viel zu spät“, sagt Kristin Dorias-Thomas, Leiterin der Peter-Apian-Oberschule Leisnig. Die Lehrer und alle anderen Mitarbeiter seien komplett geimpft – und das bereits seit Mai. Damals hätten alle gemeinsam das Angebot eines mobilen Impfteams wahrgenommen.

Auch in der Geschwister-Scholl-Oberschule waren fast alle Mitarbeiter bis zum Ende des vergangenen Schuljahres geimpft. Und für alle anderen stehen dreimal wöchentlich Tests an. Selbst einige Schüler hätten nach den Ferien den Ausweis mit der Coronaschutz-Impfung vorgelegt, so Schulleiter Thomas Winter.

„Wir bitten um die Auskunft zum Impfstatus“, sagt Margot Berthold, Leiterin der Musikschule Döbeln. Etwa zwei Drittel der Mitarbeiter hätten den Nachweis erbracht. Ansonsten müsse zweimal pro Woche ein Negativtest vorgelegt werden.

Es gebe aber noch immer den einen oder anderen, der mit Ausreden versuche, diese Tests zu umgehen. „Dafür habe ich kein Verständnis. Wir müssen den Betrieb aufrecht halten“, so Margot Berthold. Deshalb habe sie Mitarbeiter auch schon ins Testzentrum geschickt.

Über Umsetzung von Mitarbeitern wird nicht nachgedacht

In den beiden Kindertagesstätten und dem Hort der Gemeinde Kriebstein gibt es dagegen keine negativen Diskussionen. Etwa 75 Prozent der Mitarbeiter seien geimpft. „Sie haben den Impfpass auch freiwillig gezeigt, damit er in ihre Unterlagen aufgenommen wird“, so Heike Nitschke, die alle drei Einrichtungen leitet. Es seien vor allem jüngere Kolleginnen, die noch nicht geimpft sind. Zur eigenen Sicherheit und die der Kinder würden sich alle Mitarbeiter dreimal pro Woche testen.

Als „sehr kurz gedacht“ bezeichnet Heike Nitschke die mögliche Versetzung ihrer Kollegen in andere Bereiche. „Die Mitarbeiter würden fehlen. Es ist jede Stelle besetzt. Es gäbe dann niemanden, der die Kinder betreut.“

Über eine Umsetzung von Mitarbeitern denke sie nicht nach, sagt auch Kerstin Thanheiser, Leiterin des Kinderhauses Hartha. Jeder soll dort eingesetzt werden, wo die Fachkompetenz habe. Und jeder müsse für sich entscheiden, ob er sich impfen lässt oder nicht.

Die Leiterin habe den Impfstatus ihrer Mitarbeiter bereits erfragt, dies aber sehr vertrauensvoll behandelt. Etwa 85 bis 90 Prozent der Mitarbeiter seien geimpft. Abwarten sei die Devise von einigen anderen. Sie müssten sich einmal pro Woche testen.

Stadt Döbeln will "konkreten Wortlaut" abwarten

Positiv sei der Aufbau der Einrichtung. Für jede Gruppe gebe es einen Umkleide- und einen Waschraum, sodass die Hygienevorschriften eingehalten werden könnten. „Und wer sich zusätzlich schützen möchte, kann eine Maske tragen“, so Kerstin Thanheiser.

In den Kindereinrichtungen der Stadt Döbeln erfolge keine Abfrage zum Impfstatus, teilt Pressesprecher Thomas Mettcher mit. „In unseren Einrichtungen werden die geltenden Hygieneregeln und die Vorschriften zum Testen umgesetzt“, sagt er.

Die Stadt werde sich mit den neuen Regelungen des Bundes beschäftigen, sobald sie im konkreten Wortlaut vorliegen. „Bei der Umsetzung werden wir uns auch in bewährter Weise mit dem Sächsischen Städte- und Gemeindetag abstimmen“, sagt der Stadtsprecher.

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