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Warum helfen Soldaten nicht im Pflegeheim?

Die Verteidigungsministerin hat die Corona-Unterstützung angepriesen. SZ-Leser fragen sich, ob das im Kreis Görlitz zu wenig genutzt wird. Eine Spurensuche.

Soldaten der Bundeswehr unterstützen den Landkreis bei der Nachverfolgung von Corona-Kontaktketten. Auch in Kliniken im Kreis tun sie Dienst.
Soldaten der Bundeswehr unterstützen den Landkreis bei der Nachverfolgung von Corona-Kontaktketten. Auch in Kliniken im Kreis tun sie Dienst. ©  André Schulze (Archiv)

Die Worte von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer haben kürzlich an Klarheit nichts zu wünschen übrig gelassen: Kommunen müssen die Hilfe der Bundeswehr bei einem Corona-Einsatz nicht selbst bezahlen. Die Ministerin warb auch noch einmal ausdrücklich dafür, Unterstützung der Soldaten zu beantragen - erst diesen Mittwoch teilte die Bundeswehr mit, dass man das Kontingent der "helfenden Hände" für solche Einsätze nochmals auf nun 25.000 Soldaten erhöht habe. Warum also, wandte sich ein Leser an die SZ-Redaktion, werde dieses Angebot dann von Altenheimbetreibern im Kreis Görlitz nicht genutzt?

Eine gute Frage - die man recht leicht beantworten kann. Denn die Unterstützung der Bundeswehr kann eben nicht jeder einfach mal so beantragen - schon gar kein Altenheimbetreiber, sei er privat oder kommunal. "Es handelt sich hier um Amtshilfe und wie der Name es schon sagt, können diese nur Landkreise, kreisfreie Städte oder Ministerien beantragen. Das ist im Grundgesetz Paragraph 35 genau geregelt", erklärt Oberstleutnant Boris Schnelle von der Presseabteilung der Bundeswehr. Wenn also der Landkreis Görlitz Hilferufe von Pflegeheimbetreibern erhält, dass sie wegen der Corona-Situation dringend Unterstützung benötigen, kann er Kontakt zu seinem Kreisverbindungskommando aufnehmen, wo ihm dann beim Formulieren des nötigen Antrages geholfen wird und im besten Fall am Ende Kräfte geschickt werden.

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Erste Einsätze in Heimen gab es

Der Kreis Görlitz hat dies auch bereits erfolgreich getan - bei den Hilfsersuchen für die Kliniken im Kreis beispielsweise, wo zeitweilig 83 Soldaten zur Unterstützung vor Ort waren. Soldaten halfen im Kreis aber nicht nur am Krankenbett, sondern auch bei der Kontaktverfolgung. Für solche personelle Unterstützung der Bundeswehr "stellt der Landkreis Görlitz im Rahmen des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse (SAE-Stab) ein Amtshilfeersuchen bei dem zuständigen Kreisverbindungskommando", beschreibt es Kreissprecherin Julia Bjar. Insgesamt waren laut Sächsischem Sozialministerium 106 Bundeswehrangehörige im Kreis Görlitz im Einsatz.

Das funktioniere auch bei den Altenheimen - und auch hier habe der Kreis sehr wohl bereits die Unterstützung der Bundeswehr genutzt: "In drei Einrichtungen der stationären Altenhilfe - im Görlitzer und Weißwasseraner Raum - wurden im Dezember 2020 helfende Hände der Bundeswehr eingesetzt", bestätigt Sprecherin Bjar. Und auch in Görlitz waren Soldaten in einem Altenheim, um zu helfen. "Helfende Hände" beschreibt dabei, dass die Soldaten keine ausgebildeten Pfleger oder Sanitäter sind, dem Fachpersonal vor Ort aber vieles abnehmen, damit sie Zeit für die wichtigen Dinge im Berufsalltag haben.

Zunächst andere Lösungen suchen

Allerdings ist die Bundeswehr nicht zwingend die erste Option, wenn es in einem Pflegeheim wegen Corona personell eng wird: Viele Einrichtungen haben zunächst versucht, Ausfälle durch die Verteilung eigener Kräfte zu kompensieren - zum Beispiel wurden Mitarbeiter aus den Tagespflegen in die Pflegeheime versetzt. Hilfe kam auch aus dem "Helferpool", den der Landkreis Görlitz nach einem Aufruf aufgebaut hatte: "Wir haben da rund 100 Helfer gelistet, von Studenten und Auszubildenden bis zu 65-Jährigen, die alle Pflegeerfahrung haben. Zudem waren teilweise auch Zeitarbeitsfirmen eine Möglichkeit, Personalprobleme zu begrenzen.

Dass die Bundeswehr nicht doch noch einmal auch für Alten- und Pflegeheime angefordert werden wird, ist nicht auszuschließen. "Die personelle Situation in den Alten- und Pflegeheimen ist nach wie vor angespannt, aber stabil", sagt Sprecherin Bjar. Viele Mitarbeitende seien aufgrund von Erschöpfung, Krankheit und Quarantänen auch momentan nicht im Dienst.

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