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So soll das Shoppen mit Termin funktionieren

Auch Sachsen will ab 8. März mit „click & meet“ ein bisschen Einkaufen ermöglichen. Davon profitieren würden vor allem kleinere Läden.

Shoppen mit Termin soll bald möglich sein. Mehr als ein Lichtblick ist das für die Händler jedoch nicht.
Shoppen mit Termin soll bald möglich sein. Mehr als ein Lichtblick ist das für die Händler jedoch nicht. © imago images

Der Weg zurück in die Zeit, als der Kunde noch frei durch sein Einkaufs-Königreich spazierte, wird ein holpriger sein. Eine schnelle Öffnung aller Geschäfte scheint auch in Sachsen noch in weiter Ferne. Zu groß ist die Sorge vor zu vielen Menschen-Ansammlungen und -Kontakten, die wieder die Infektionszahlen in die Höhe treiben könnten. Doch der Druck wächst – auf Einzelhändler und Kunden, vor allem aber auf die Politik, den Händlern endlich wieder mehr „Luft“ zu verschaffen. Die Zeit drängt, für viele geht es um die Existenz.

Die Lage im Handel sei dramatisch, warnte der Handelsverband Deutschland (HDE) am Donnerstag erneut. Einer Umfrage zufolge seien mehr als 50.000 Unternehmen in Insolvenzgefahr. Etwa 250.000 Beschäftigte müssten um ihren Arbeitsplatz bangen. Das liege auch an den zu bürokratischen und zu langsamen staatlichen Hilfen, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Er schätzt, dass etwa ein Viertel der Bekleidungshändler planen, gegen die Schließung zu klagen. Spätestens ab 8. März müssten die Läden wieder öffnen dürfen, forderte Genth. „Wir brauchen jetzt den Einstieg in den Ausstieg aus dem Lockdown“, sagte der HDE-Chef.

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Bund und Länder müssten auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 3. März eine „transparente, verbindliche und evidenzbasierte Öffnungsstrategie mit konkreten Maßnahmen beschließen“. Die Wiederöffnung der Innenstädte dürfe dabei nicht vom Erreichen einer Inzidenz von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen abhängig gemacht werden. „Es muss mehr geben als „geschlossen“ bis 35“, verlangte Genth.

Kleinere Läden profitieren

Doch danach sieht es auch in Sachsen derzeit nicht aus. Seit knapp zwei Wochen ist zwar auch hier das Einkaufen nach dem „click & collect“-Prinzip möglich – man kann online oder telefonisch bestellen und dann die Ware selbst abholen. Sachsen hatte dies als letztes Bundesland eingeführt – noch immer geben sich die Koalitionspartner CDU und SPD gegenseitig die Schuld für die verspätete Einführung. Nun soll es vielleicht schon ab 8. März auch in Sachsen „click & meet“ geben. Das heißt: Der Kunde kann in einem Geschäft anrufen und einen individuellen Besuchstermin vereinbaren, dann individuell shoppen gehen.

Vorgeprescht mit dem Vorschlag war vor einigen Tagen Rheinland-Pfalz. Dort soll an diesem Freitag bereits eine entsprechende Corona-Verordnung verabschiedet werden. Man habe Fortschritte bei der Pandemie-Bekämpfung gemacht, lobte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Und darum kann sie nun, rund drei Wochen vor der Landtagswahl in ihrem Bundesland, Händlern und Kunden eine Art „Belohnung“ anbieten. Man bastelt derzeit in Mainz an den dafür nötigen Detailregelungen. So ist beispielsweise vorgesehen, dass immer nur ein Hausstand nach vorheriger Vereinbarung einzeln das gewünschte Geschäft betritt. Dabei soll ein Mund-Nasen-Schutz verpflichtend sein.

Wie das Verfahren schon andeutet, könnten davon vor allem kleinere Läden profitieren. Allerdings aber nur mit einem gewissen Aufwand, nicht nur bei der Termin-Koordination, sondern auch bei der Abwicklung des eingeschränkten Ladenbesuchs. Denn die Händler sollen wie vor dem Lockdown die Gastronomen eine akribische Kontakt-Erfassung leisten, damit bei einem Corona-Fall die Infektionskette nachverfolgt werden kann.

Rheinland-Pfalz will dabei sogar die Anzahl der Besucher dadurch begrenzen, dass zwischen mehreren Einzelterminen in Folge mindestens 15 Minuten Leerlauf sein müssen, in denen der Ladenraum gelüftet und gegebenenfalls desinfiziert werden kann. Was detailliert vorbereitet klingt, ist es aber noch keineswegs.

Unklar ist noch, wie viele Kunden sich dann beispielsweise gleichzeitig aufhalten dürften. Wird es bestimmte Quadratmeter-Anforderungen geben? Und vor allem: Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?

Klares, faires und verbindliches Konzept fehlt

Der Handelsverband Sachsen begrüßt, „dass man sich seitens der Staatsregierung Gedanken über eine Wiederöffnung des seit über zehn Wochen geschlossenen Einzelhandels macht“. Die Entscheidung für click & meet wäre „ein erster, wenn auch ein sehr kleiner Schritt“, sagt Hauptgeschäftsführer René Glaser. „Beispielsweise könnten beratungsintensivere Branchen mit kleineren Flächen von einer solchen Regelung partizipieren.“

Letztlich komme es darauf an, wie die Regelungen ausgestaltet werden. Andererseits würden große Teile des Einzelhandels nicht von diesem System profitieren „und mit Blick auf das Verhältnis Kunden/Umsatz – Kosten praktisch weiter ausgeschlossen sein“. Glaser geht davon aus, „dass click & meet nur einen kleinen Teil des Einzelhandels erreicht, keinen allzu großen Umsatzbeitrag leisten kann und nicht die existenziell prekäre Situation und die Liquiditätsprobleme lösen kann“.

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Es fehle weiterhin ein transparentes, klares, faires und verbindliches Konzept für eine rasche und gerechte Öffnung des Einzelhandels, moniert Glaser. In Sachsens Einzelhandel erwirtschafteten vor der Pandemie gut 13.000 Betriebe mit über 112.000 Beschäftigten jährlich einen Umsatz von rund 23 Milliarden Euro. (mit dpa)

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