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Modecafé Sebnitz trotzt Lockdown

Im Laden stapelt sich die Frühjahrsmode. Die Händlerin hofft, einen Teil davon zu verkaufen. Deshalb bietet sie Click & Collect an. Doch bringt das etwas?

Petra Häntzschel packt in ihrem Modecafé in Sebnitz die Frühjahrskollektion aus.
Petra Häntzschel packt in ihrem Modecafé in Sebnitz die Frühjahrskollektion aus. © Steffen Unger

Die Modebranche hat der Lockdown am schwersten getroffen. Davon ist Petra Häntzschel überzeugt. Sie betreibt seit vielen Jahren das Modecafé Sebnitz und kennt sich aus in der Branche. Zum Glück habe sie ihre Winterware noch bis Dezember gut verkaufen können. Dennoch bleibt auch sie auf Anoraks und dicken Pullovern sitzen. Und Mode, wenn man so will, ist verderblich. In diesen Tagen kommt bereits die Frühjahrskollektion. Und wer will im Mai noch Übergangsjacken kaufen?

Viele Kisten mit neuer Mode stehen bei ihr im Geschäft. Petra Häntzschel packt die Ware sorgfältig aus, dekoriert damit die Auslage im Laden und im Schaufenster. Sie will, dass vorbeigehende Kunden das Gefühl haben: Hier geht es weiter, hier ist noch Leben. Denn es komme der Zeitpunkt, wo es weitergehe. Nur wann?

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Mode hat Verfallsdatum

"Ich kann nicht einfach nichts tun. Deshalb bin ich nachmittags auch immer im Geschäft", sagt sie. Zum einen, um die Waren zu sortieren. Zum anderen, um von Kunden bestellte Ware zu verpacken. Bereits im ersten Lockdown konnten bei ihr die Kunden bestellen. Die Waren hat sie dann selbst ausgeliefert. Jetzt fotografiert sie ihre Kleidungsstücke, stellt sie auf Facebook und Instagram. Mit Click & Collect kann sie nun die Kunden wieder an der Ladentür empfangen. Anprobieren - das geht natürlich nicht. Da muss sich der Kunde auf den geübten Blick der Händlerin verlassen. Sie gibt die Waren aber auch zur Anprobe mit nach Hause.

Click & Collect sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt sie. Vereinzelt angenommen werde das Angebot aber schon. Doch mit Blick auf die vielen Sachen, die sie im Geschäft hat, wird ihr mulmig. Ihre Kollektion musste sie vier Monate vorher bestellen, zu einer Zeit, wo an einen zweiten Lockdown noch nicht zu denken war. So eine lange Bestellzeit sei notwendig, weil Lieferanten und Produzenten Vorlauf benötigen. "Ich kann nicht einfach sagen, ich nehme das jetzt nicht. Das ist ein Kreislauf und am Ende stehen wir kleinen Händler vor Ort", sagt sie. Ihre Frühjahrsmode hat sie wie immer im Voraus bezahlt. Doch ob je ein Bruchteil dessen wieder in ihre Kasse kommt?

Auf die Meinung der wirklich Betroffenen hören

Finanzielle Hilfe könnte sie bekommen, und sie wird die auch beantragen. Aber die Modalitäten für Geschäfte seien noch komplett unklar, die bürokratischen Hürden hoch. "Wir brauchen hier ganz einfach Perspektiven, Klarheit, wann wir kleinen Läden wieder öffnen dürfen." Sollte sich der Lockdown noch über den April hinausziehen, sehe auch sie schwarz für ihr Geschäft.

Die Monate Januar und Februar wären traditionell die Schlussverkaufsmonate gewesen. Diese Einnahmen fallen ebenfalls weg. Die Sommerkollektion musste sie schon bestellen und wird sie dann auch abnehmen müssen. Das heißt, wieder in Vorkasse gehen. Unzufrieden ist sie vor allem mit den Regierungsentscheidungen. Dort müsste man wohl mehr auf die Meinung der wirklich Betroffenen hören, sagt sie.

In den kleinen Geschäften könne man ganz klar die Hygieneregeln einhalten. Mehr als zwei Kunden seien in ihrem Geschäft meist sowieso nicht anzutreffen. Sie ärgert sich darüber, dass die großen Einkaufsmärkte voll sind, die Leute dort ebenfalls Bekleidung kaufen können. "Wir Kleinen sind hier die Verlierer", konstatiert Petra Häntzschel.

Branchenverband befürchtet viele Insolvenzen

So wie ihr geht es vielen Mode-Geschäften. Quer durch die Branche bleibt Ware liegen: bei den großen Ketten, den Mittelständlern mit wenigen Filialen und den kleinen, inhabergeführten Geschäften. Der Lockdown hat den gesamten Wirtschaftszweig schwer getroffen.

Allein seit Anfang Dezember sind etwa 300 Millionen Teile liegen geblieben, schätzt der Branchenverband BTE Textil. "Die Umsatzverluste des gesamten Winter-Lockdowns dürften sich bis Ende Januar auf rund zehn Milliarden Euro summieren", prognostiziert BTE Textil-Hauptgeschäftsführer.

Ein Problem, das sich noch potenzieren werde, denn die Modebranche arbeite mit Vorlaufzeiten von bis zu einem Jahr: "Da die Kosten und vor allem der Wareneinkauf durch die langen Vorlaufzeiten kaum angepasst werden konnten, stehen viele Geschäfte nunmehr vor dem endgültigen Aus", sagen Experten des Branchenverbandes.

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