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Click & Collect startet verhalten

Seit Montag darf man vorbestellte Ware wieder in Geschäften abholen. So läuft das im Landkreis SOE.

Claudia und Dietmar Fischer aus Colmnitz holen sich an der Abholstation im Freitaler Toom-Markt bei Mitarbeiterin Annett Schröder eine Büchse Farbe und Briketts ab, die sie vorher bestellt hatten.
Claudia und Dietmar Fischer aus Colmnitz holen sich an der Abholstation im Freitaler Toom-Markt bei Mitarbeiterin Annett Schröder eine Büchse Farbe und Briketts ab, die sie vorher bestellt hatten. © Egbert Kamprath

Click & Collect funktioniert: Claudia und Dietmar Fischer aus Colmnitz holen sich an der Abholstation im Freitaler Toom-Markt bei Mitarbeiterin Annett Schröder eine Büchse Farbe und Briketts ab, die sie vorher bestellt hatten. Das hätten sie zwar auch im Versandhandel tun können, aber sie wollen damit den örtlichen Handel unterstützen. Fotos: Egbert Kamprath

Das Ehepaar hat schnell gehandelt und jetzt den Wagen gut gefüllt: Kanthölzer, eine Wellplatte aus durchscheinendem Kunststoff, Schrauben, Unterlegscheiben - was man mitunter für die kleinen Heimwerkerprojekte so braucht. Und endlich muss sich niemand mehr Gedanken machen, wie er an das Baumaterial kommt.

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Seit Montag haben die Baumärkte wieder für alle geöffnet. Mit einer Einschränkung: Man kann als Privatperson nicht einfach durch die Regalreihen schlendern. Verkauft wird nur vorbestellte Ware. Click & Collect, also im Internet herausgesucht und am Geschäft abgeholt, nennt sich das Prinzip.

90 Prozent Umsatzrückgang im Toom-Baumarkt

Für Mirko Lessing ist es ein kleiner Lichtblick. Er ist der Geschäftsführer des Toom-Baumarktes in Freital. Seit dem 14. Dezember durften bei ihm nur noch Handwerker oder Gewerbekunden einkaufen. 90 Prozent des Umsatzes seien weggebrochen. "Meine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Wo wir sonst in dieser Jahreszeit zwischen 600 und 800 Kunden täglich bedienen, waren es noch um die 100", berichtet er.

Fast täglich aber hätten Menschen vor dem Laden gestanden, die hilfesuchend etwas brauchten. Mitunter waren es nur Kleinigkeiten. "Januar und Februar sind ja die typischen Renovierungsmonate. Aber wir mussten alle wegschicken", sagt Lessing.

Wegschicken muss er nach wie vor Kunden, die nicht vorbestellt haben. Ein älteres Ehepaar betritt den Markt. Sie wollen für die Modelleisenbahn Material einkaufen. "Ein paar Winkel und Mörtel", zählt die Frau auf. Vorbestellt haben sie jedoch nicht. "Tut mir leid", sagt die Verkäuferin freundlich aber bestimmt und erläutert noch mal, wie das nun läuft: Ware übers Internet, per Mail oder Telefonanruf anfordern, zusammenstellen lassen und dann abholen. Das Ehepaar läuft enttäuscht zum Auto zurück. "Ich bestelle nicht gerne im Internet. Ich muss sehen, was ich kaufe. Mal in den Händen halten und vergleichen", sagt der Mann.

Händler nutzen die Zeit zum Renovieren

Für einen Kaufmann wie Mirko Lessing ist die Situation genauso unbefriedigend. Er hofft jetzt auf den 8. März. Die Frühjahrsmonate, wenn die Menschen für ihre Gärten, Terrassen und Balkone einkaufen, sind die umsatzstärksten in der Branche.

Öffnen könnte er theoretisch zumindest schon viel eher. "Wir sind so aufgestellt, dass wir von einem auf den anderen Tag sofort in den Normalbetrieb wechseln könnten." Bis dahin hangelt man sich durch. Wenn bei Click & Collect unterm Strich 20 Prozent des normalen Umsatzes herauskämen würden, wäre das schon ein Erfolg, sagt Mirko Lessing.

Sebnitzer Bücherinsel sofort mit dabei

Ortswechsel: Hagebaumarkt in Neustadt ebenfalls am Montag. Einige Kunden hatten ihre Ware bereits schon länger online vorbestellt und nehmen diese nun vor dem Geschäft in Empfang. "Etwas ungewohnt ist das schon, hier nicht einfach durch die Reihen gehen zu können. Aber in heutiger Zeit gewöhnt man sich wohl an alles", sagt Kunde Manfred König. Er hoffe jedenfalls bald wieder auf einen persönlichen Besuch im Markt.

Online-Handel ist seit jeher ein Teil der Geschäftsphilosophie der Bücherinsel mit ihren Filialen in Neustadt und Sebnitz. Im vergangenen Jahr preschte dann das Geschäft mit Click & Collect vor, wurde dann aber zurückgepfiffen. Klar, dass man jetzt nur darauf gewartet hat, um dem Kunden die bestellte Ware persönlich übergeben zu können. Termine müsse man keine vergeben, sagt Istvan Meszaros von der Bücherinsel. "Ich glaube nicht, dass die Kunden bei mir Schlange stehen werden", meint er leicht ironisch. Dass es die Möglichkeit jetzt endlich auch in Sachsen gebe, sei aber in Ordnung. Bestellt werden kann online oder auch per Mail. Kunden können die Ware montags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr sowie 14 und 17 Uhr abholen.

Nachmittags von 14 bis 17 Uhr von Montag bis Freitag steht Petra Häntzschel jetzt wieder in ihrem Mode-Café auf der Schandauer Straße in Sebnitz. Click & Collect könnte auch für sie eine kleine Hilfe sein, die Frühjahrsmode noch rechtzeitig an den Mann oder die Frau zu bringen. Den ganzen Tag im Geschäft zu verbringen, das lohnt sich jedoch nicht. Drei Stunden reichen schon aus, um die Kundenwünsche entsprechend zusammenzustellen und dann an der Tür zu übergeben.

In Dippoldiswalde greifen viele lieber zum Telefon

Der Begriff „Click and Collect“ trifft auch in Dippoldiswalde nicht ganz zu. Meist rufen die Kunden vorher an und nehmen dann die gewünschten Waren mit. Wenn man das unbedingt englisch ausdrücken wollte, müsste man eher von „Call & Collect“ sprechen, wie Julia Krüger, Prokuristin im gleichnamigen Garten- und Baumarktcenter in Dippoldiswalde berichtet. Immerhin: Es funktioniert.

Der Markt hatte ja bisher schon eine Ausnahmeerlaubnis zu öffnen, um wichtige Dinge, wie Streusalz, Schneeschieber oder Tierfutter zu verkaufen. Jetzt gibt es das ganze Sortiment, aber die Kunden müssen bestellen und bekommen dann einen Zeitpunkt zur Abholung genannt. So wird verhindert, dass sich viele zur selben Zeit drängeln. „Wir hatten bis Montagmittag schon einige Nachfragen und auch schon die Ersten, die etwas abgeholt haben“, sagt Krüger.

Kleine Händler warten ab

Ähnlich berichtet dies auch Constanze Gantke, die neue Geschäftsführerin der Raiffeisen Handels GmbH, die in Reinholdshain das BHG Bauzentrum betreibt. „Die ersten Nachfragen hatten wir schon vergangene Woche, als das Thema Click & Collect aktuell wurde“, erzählt sie. Der Markt bietet sein Sortiment im Internet und über die Zeitungsbeilage an. Daraus können die Kunden bestellen und einen Abholtermin vereinbaren. Yvonne Erthel, die mit ihrem Mann das Geschäft Hifi-Erthel in Obercarsdorf betreibt, sagt: „Unsere Kunden nehmen das in Anspruch. Individuell vereinbaren wir mit ihnen dann die Abholung.“ Wie sich die Nachfrage danach entwickelt, muss sich die nächsten Tage erst zeigen.

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Viele Geschäfte haben feste Telefonzeiten eingerichtet, auf die sie mit dem Anrufbeantworter hinweisen, meist liegen diese am Vormittag. Einzelne verfügen bereits über einen Onlineshop wie das Spielwarengeschäft Benedix oder der Bücherfreund. Hier kann die Bestellung weiterhin über das Internet erfolgen. Die Kunden dürfen die Waren jetzt aber wieder im Laden abholen und nicht nur für zusätzliches Geld nach Hause schicken lassen.

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