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Kamenz: Nur noch drei Corona-Fälle im Asylheim

Die Unterkunft hatte sich zum Hotspot entwickelt. Jetzt hat sich die Lage entspannt. Flüchtlingshelfer haben noch etwas Positives bemerkt.

Das Corona-Infektionsgeschehen in der Kamenzer Unterkunft für Asylbewerber ist seit dem Wochenende rückläufig.
Das Corona-Infektionsgeschehen in der Kamenzer Unterkunft für Asylbewerber ist seit dem Wochenende rückläufig. © René Plaul

Kamenz. Ende der Vorwoche waren noch über 100 Bewohner des Kamenzer Asylbewerberheimes in Quarantäne und 22 positiv auf Corona getestet worden. Nach dem Corona-Ausbruch in der Gemeinschaftsunterkunft am Kamenzer Flugplatz gehen die Zahlen laut Landratsamt jetzt aber deutlich zurück.

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Inzwischen habe es eine Reihe Nach-Testungen gegeben, teilt das Landratsamt mit. So hätten zahlreiche Quarantänen beendet werden können. Ein Teil der positiv Getesteten habe zum Ende der Quarantäne ebenfalls einen negativen Befund gehabt.

Bei Tests von weiteren 60 Kontaktpersonen am Montag sei noch ein neuer Corona-Fall festgestellt worden. Damit seien im Heim nun nur noch drei Personen infiziert und 37 derzeit noch in Quarantäne. "34 Personen konnten am Montag ihre Quarantänen beenden, nachdem sie freigetestet wurden", erklärt Sabine Rötschke, Pressesprecherin im Landratsamt.

Helfer kritisieren Hygienebedingungen

Heftige Kritik hatte es zuvor von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern an den Hygienebedingungen im Heim gegeben. So wurde kritisiert, dass nicht genügend Masken zur Verfügung stünden.

Dazu teilt die Kreisbehörde nun mit, dass es in Sachsen keinen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose Versorgung mit Masken gebe. Die Verteilung von Alltagsmasken durch den Landkreis sei einmalig erfolgt. Weitere Masken seien durch die Stadt Kamenz und das Sozialministerium zur Verfügung gestellt worden – insgesamt 1.250 Stück.

„Sollte es akuten Bedarf geben, ist das Landratsamt auch bereit, mit Masken auszuhelfen“, so Pressesprecherin Cynthia Thor. Zum Thema Seife für den individuellen Gebrauch gelte, dass diese durch die Asylbewerber selbst zu kaufen sei.

Desinfektionsmittel würde nach Angaben der Betreiber in ausreichender Menge verteilt, erklärt die Kreisbehörde. Es müsse außerdem „angemerkt werden, dass Spender teils mutwillig zerstört wurden und Desinfektionsmittel regelmäßig entwendet werden“, erklärt Cynthia Thor.

Neue Seifenspender wurden montiert

Gegenüber dem Sächsischen Flüchtlingsrat sollen Bewohner allerdings geäußert haben, dass es im Heim schon lange keine Hygienemittel mehr gibt. Jörg Eichler vom Sächsischen Flüchtlingsrat fordert daher: "Das Landratsamt ist zu Pandemiezeiten in der Pflicht, die Menschen mit ausreichend Seife, Desinfektionsmittel und medizinischen Masken auszustatten.“ Das sei umso wichtiger, wenn sich ein Teil der Bewohner in Quarantäne befindet und selbst keine Hygienemittel beschaffen könne.

Flüchtlingshelfer Ralf Döcke berichtet inzwischen Positives aus der Unterkunft in Kamenz: „Es scheint, der öffentliche Druck hat nun doch zur Einsicht geführt, dass eine besondere Verantwortung während der Pandemie den Bewohnern gegenüber besteht.“ So seien Seifen- und Handdesinfektionsspender in den Sanitärräumen montiert worden. „In den Küchen wurden die vorhandenen Seifenspender aufgefüllt und zusätzlich je ein Desinfektionsspender montiert.“

Bei aller Freude darüber bleibe weiterhin die Sorge eines erhöhten Infektionsrisikos für die Bewohner, so Döcke. Er weist wiederholt darauf hin, dass eine dezentrale Unterbringung die Situation verbessern würde. Denn im Heim sei es schwierig, Abstandsregeln einzuhalten.

Der Landkreis verwies seinerseits auf das Asylgesetz. Es lege fest, dass der Fokus auf Gemeinschaftsunterkünften liege. Dass es anders gehe, würden andere Kreise in Sachsen belegen, so Döcke. Bautzen gehöre zu den Schlusslichtern bei der dezentralen Unterbringung. Das Bürgerbündnis Hoyerswerda forderte, zumindest Familien, ältere Menschen und Risikopersonen dezentral unterzubringen.

So berichteten wir bisher über die Lage im Asylheim:

Gegen Mittag wurden am Dienstag (2. Februar) vor der Kamenzer Unterkunft für Asylbewerber fünf Polizeifahrzeuge gesichtet und ein großer weißer Gelenkbus. Das Heim ist seit der Vorwoche Corona-Hotspot im Landkreis Bautzen. Am vergangenen Freitag waren es 13 infizierte Bewohner, am Montag meldete das Landratsamt bereits 23.

Hatte der Polizeieinsatz am Dienstag etwas damit zu tun? Wie das Landratsamt erklärt, wurden positiv getestete Heimbewohner in den Quarantäne-Bereich der Gemeinschaftsunterkunft nach Hoyerswerda verlegt. Um das zu begleiten, seien Beamte des Kamenzer Polizeireviers, der Bereitschaftspolizei sowie des Polizeireviers Hoyerswerda im Einsatz gewesen.

Landkreis bittet Polizei um Amtshilfe

Die Polizei sei durch die Kreisbehörde um Amtshilfe gebeten worden, stellte die Polizeidirektion Görlitz auf Anfrage von Sächsische.de fest. Es habe keine Vorkommnisse gegeben.

Warum dieser Schritt gegangen wurde, beantwortet die Kreisverwaltung allerdings nicht, auch nicht, ob inzwischen alle Bewohner des Kamenzer Asylheims getestet wurden. "Am Freitagabend hatte das Team alle diejenigen auf das Virus getestet, die angetroffen wurden. Das waren nicht alle Bewohner", hatte eine Sprecherin am Montag gesagt. Im Laufe der Woche fahre das Team dann noch einmal in das Asylheim, um die restlichen Bewohner zu testen.

Polizei an der Massen-Unterkunft für Asylbewerber in Kamenz sorgte am Dienstag für Aufsehen. An Corona erkrankte Asylbewerber wurden mit dem Bus in eine Gemeinschaftsunterkunft nach Hoyerswerda gebracht.
Polizei an der Massen-Unterkunft für Asylbewerber in Kamenz sorgte am Dienstag für Aufsehen. An Corona erkrankte Asylbewerber wurden mit dem Bus in eine Gemeinschaftsunterkunft nach Hoyerswerda gebracht. © Matthias Schumann

"Aktuell sind 20 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Bei zwei Personen ist die Quarantäne am Montag ausgelaufen", erklärt Pressesprecherin Cynthia Thor am Dienstag. Im gesamten Haus mit einer Belegung von rund 320 Personen seien derzeit 84 als enge Kontaktpersonen in Quarantäne.

Besonders betroffen von den Infektionen ist die vierte Etage. Diese wurde komplett unter Quarantäne gestellt und die Infizierten von den anderen getrennt. Bislang war von den betroffenen Infizierten niemand so schwer erkrankt, dass er in eine Klinik gebracht werden musste.

Flüchtlingspate Ralf Döcke hatte bereits Ende der Vorwoche die Hygieneverhältnisse vor Ort kritisiert. Weder Seife noch Desinfektionsmittel stünden ausreichend für die Flüchtlinge zur Verfügung. Zudem gebe es nicht genügend Masken. Die beengten Verhältnisse würden die Situation verschärfen.

Linke kritisiert zentrale Unterbringung

Kritik an der zentralen Unterbringung von Asylbewerbern kommt auch von der Partei Die Linke, verbunden mit der Aufforderung, endliche eine dezentrale Unterbringung zu gewährleisten. So schreibt die Bundestagsabgeordnete Caren Lay in einer Presseerklärung: "Die Sturheit auf Kosten von Menschenleben bleibt mir unbegreiflich. Erneut gab es einen Corona-Ausbruch in einer Asylsuchenden-Einrichtung im Kreis Bautzen, und dennoch lehnt das Landratsamt dezentrale Unterbringung weiter ab. Ich habe dafür wirklich kein Verständnis mehr." Lay vertritt die Auffassung, dass in Bautzen bislang der politische Wille dafür fehle.

Ähnlich formuliert es auch Sebastian Schindler, Vorsitzender des Linken-Ortsverbandes Kamenz-Radeberg. Ihm sei es vollkommen unverständlich, warum der Landkreis Bautzen bei der Unterbringung von Asylbewerbern nach wie vor auf Sammelunterkünfte statt auf Wohnungen setzt. "In einer Massenunterkunft mit Gemeinschaftsküchen und -bädern ist eine räumliche Abtrennung der Bewohner praktisch kaum möglich", so Sebastian Schindler.

Laut der aktuellen Statistik des Landratsamtes Bautzen sind derzeit 943 Asylbewerber in Zentralen Unterkünften untergebracht. 303 leben in Wohnungen.

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