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Corona in Dresden: Über 100 Fälle im September

Seit Monaten ist kein neuer Todesfall in Dresden gemeldet worden, aber die Infektionszahlen steigen wieder an. Wie Experten die Lage einschätzen.

Die Zahlen in Dresden steigen.
Die Zahlen in Dresden steigen. ©  Archiv/Patrick Pleul/dpa (Symbolbild)

Dresden. Von einer zweiten Corona-Welle will noch niemand sprechen, doch auch in Dresden steigen die Infektionszahlen an. Allerdings gibt es hier weniger Todesfälle als im bundesdeutschen Durchschnitt. Ist Corona harmloser geworden?

Wie stark steigt die Infektionskurve in Dresden?

Ganz weg war das Coronavirus im Sommer natürlich nicht. Allerdings hielt sich die Zahl der Infektionen in Grenzen. Zwischen Anfang Juni und Ende Juli kamen lediglich 13 Fälle dazu. Im August meldete das Gesundheitsamt bereits 55 Fälle, im September sind es bislang 122. Von einer zweiten Welle sprechen derzeit aber weder die Stadtverwaltung noch das Robert-Koch-Institut. Doch allein im September wurden über 500 Tests durch das Gesundheitsamt  angeordnet und durchgeführt.

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Was sagt die Zahl der Infizierten über die Wucht der Pandemie aus?

Die reine Zahl besagt relativ wenig. Sie spiegelt weder die Schwere der Krankheitsverläufe und damit die Belastung der Krankenhäuser wieder, noch sagt sie etwas über die Ansteckungsgefahr in der Stadt aus. Zur Beurteilung der Lage müssen deshalb weitere Faktoren betrachtet werden, zum Beispiel das Alter der Infizierten. So weiß man, dass mit zunehmendem Alter das Risiko steigt, dass Lunge, Herz und Nieren in ihrer Funktion gestört werden. Damit einher gehen steigende Patientenzahlen in den Krankenhäusern und höhere Sterberaten. 

In Dresden infizierten sich den Sommer über hauptsächlich Menschen im Alter von 15 bis 59 Jahren, was die milden Verläufe in der Stadt erklärt. Im Juni und Juli mussten nur zwei Dresdner stationär wegen einer Corona-Infektion behandelt werden. Jetzt stecken sich allerdings wieder mehr Ältere an. Im September sind es bisher 14 im Alter von 60 bis 69 Jahren, acht im Alter von 70 bis 79 Jahren sowie 16 in der Gruppe der über 80-Jährigen. Im selben Zeitraum kletterte auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen um neun auf 86. Weitere Todesfälle gab es jedoch seit Mai nicht mehr. Zehn Menschen verstarben bisher an einer Corona-Infektion.

Wie viele Menschen sind im Krankenhaus?

Laut Gesundheitsamt mussten am Montag fünf Menschen in Dresden stationär versorgt werden, darunter drei auf der Normalstation beziehungsweise in der Notaufnahme des Uniklinikums. Das Städtische Klinikum berichtet außerdem von einem Verdachtsfall am Sonntag. Außerdem befand sich am Montag ein Covid-19-Patient auf der Intensivstation. Der Sprecher des Dresdner Uniklinikums, Holger Ostermeyer, bestätiget, dass der Patient dort behandelt wird. Nähere Details könne er nicht sagen. Aus dem Intensivregister geht aber hervor, dass der oder die Erkrankte nicht beatmet werden muss. Aktuell stehen für Corona-Patienten ausreichend Betten zur Verfügung: Am Montag waren 17 Prozent der 294 verfügbaren Intensivbetten in Dresden frei.

Könnte das Virus nicht auch ungefährlicher geworden sein?

Das sei unwahrscheinlich, so das RKI. Man gehe nicht davon aus, dass sich der Erreger verändert habe, sodass er weniger schädlich und ansteckend wäre. Die Infektiologen des Instituts begründen die vergleichsweise niedrige Anzahl an Verstorbenen mit dem hohen Anteil an jungen Infizierten, aber auch mit der Ausweitung der Corona-Tests in den vergangenen Monaten. Dadurch würden – im Gegensatz zur ersten Welle – auch mildere Fälle erkannt, also in einem Stadium, in dem man noch eingreifen kann. 

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Wenn sich aber wieder vermehrt ältere Menschen anstecken, werden wieder mehr schwere Fälle und Todesfälle auftreten, schätzt das RKI ein. Denn die therapeutischen Möglichkeiten seien bei einem schweren Krankheitsverlauf weiterhin begrenzt. Die sächsischen Labore, die ihre Testdaten an das RKI melden, haben bisher 179.990 Tests im Freistaat durchgeführt. Knapp drei Prozent davon fielen positiv aus – der höchste Wert, verglichen mit allen anderen Bundesländern. Das kann dafür sprechen, dass in Sachsen sehr gezielt getestet wird. Bis zum Mittwoch können sich Rückkehrer aus ausländischen Risikogebieten zum Beispiel noch am Dresdner Flughafen kostenlos testen lassen. Am Klotzscher Airport landen diese Woche mehrere Flieger aus Risikogebieten – zum Beispiel aus Mallorca oder Amsterdam.

Wo haben sich die Infizierten angesteckt?

Seit Mai können die Gesundheitsämter melden, wo sich Infizierte angesteckt haben, sofern sich das nachvollziehen lässt. Das Robert-Koch-Institut hat diese Daten aber bislang nur für ganz Deutschland ausgewertet. Demnach wurden bei Ausbrüchen die meisten Fälle in Alten- und Pflegeheimen gezählt, gefolgt von privaten Haushalten, Arbeitsplätzen, Flüchtlingsheimen und Krankenhäusern. Für Dresden ist bekannt, dass es einen größeren Ausbruch in einem Striesener Alten- und Pflegeheim gab. Letzten Montag war das Virus dort bei einer Bewohnerin nachgewiesen worden. Bei darauffolgenden Test wurde festgestellt, dass sich weitere zwölf Bewohner und Mitarbeiter angesteckt haben. Die betroffenen Kontaktpersonen wurden ermittelt und für die Zeit von 14 Tagen nach letztem Kontakt unter Quarantäne gestellt, so die Stadt. Der Anteil der infizierten Reiserückkehrer gehe laut Robert-Koch-Institut aber kontinuierlich zurück, was mit dem Ende der Sommerferien zusammenhängt.

Wie viele Fälle gibt es in Schulen und Kitas?

Insgesamt gab es in diesem Schuljahr schon sechs Corona-Fälle an fünf Dresdner Schulen. Das sind neben der 62. Oberschule das St. Benno-Gymnasium, das Cottaer Gymnasium, die 25. Grundschule in Striesen sowie die 19. Grundschule "Am Jägerpark" in der Radeberger Vorstadt. In der städtischen Kindertageseinrichtung „Lisa“ in Friedrichstadt gab es einen Corona-Nachweis. Das Gesundheitsamt hatte die Kontaktpersonen ermittelt.

Und wie viele Fälle gibt es in Unterkünften für Asylbewerber?

Es gibt einen Fall in einer Dresdner Unterkunft für Flüchtlinge, und zwar in der Erstaufnahmeeinrichtung auf der Hamburger Straße. Das bestätigte die Landesdirektion auf Anfrage der SZ. Der Betroffene sei in Quarantäne in der Einrichtung am Hammerweg. Vier weitere Kontaktpersonen sind dort mit isoliert worden.

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