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Corona: 693 Einwohner im Kreis Görlitz in Quarantäne

Positive Schnelltests, Corona-Ausbruch in Kita, kaum britische Mutationen, wenige ITS-Patienten - die Pandemie an der Neiße verläuft widersprüchlich.

Erst durch Corona-Schnelltests werden auch im Kreis Görlitz viele Infektionen gefunden.
Erst durch Corona-Schnelltests werden auch im Kreis Görlitz viele Infektionen gefunden. © dpa

693 Einwohner des Landkreises Görlitz befinden sich derzeit wegen Corona zu Hause in Quarantäne. Darüber informiert das Kreis-Gesundheitsamt. 227 von diesen 693 Personen haben einen positiven Corona-PCR-Test.

Binnen 24 Stunden kamen bis Mittwochabend weitere 36 Neuinfektionen hinzu, darunter sieben Kinder - zum großen Teil eine Folge des Corona-Ausbruchs in einer Kita in Gablenz. Stand Mittwoch verzeichnete diese kleine Gemeinde zehn neue Fälle in sieben Tagen und damit eine 7-Tage-Inzidenz von 627 pro 100.000 Einwohner. Jonsdorf folgt auf Platz 2 der Gemeindestatistik, die der Freistaat Sachsen veröffentlicht, mit großem Abstand. Im Gegensatz dazu wiesen 19 Gemeinden innerhalb der letzten sieben Tage keine Neuinfektion auf, das waren so viele wie noch nie seit Ende Oktober.

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Da am Mittwoch vergangener Woche nur 21 Neuinfektionen gemeldet wurden, steigt die Inzidenz nach Berechnung des Kreises nun auf 74. Das Robert-Koch-Institut gab die 7-Tage-Inzidenz am Donnerstagmorgen für den Landkreis mit 63 an, auch hier leicht steigend zum Vortag. Die Differenz bei den Zahlen sollen nach Angaben des Kreises auf den Zeitpunkt der Auswertung zurückgehen.

Viele positive Fälle durch Schnelltests gefunden

Dass die Inzidenz seit Mitte Februar kaum noch sinkt und wie eine Sinuskurve mal auf- mal absteigt, ist auch auf den verstärkten Einsatz von Schnelltests zurückzuführen. Allein die Altenpflege-Einrichtungen, Apotheken, Arztpraxen und Testcenter im Landkreis meldeten dem Gesundheitsamt im Januar 97 positive Schnelltests, im Februar waren es bereits 166. Von den 97 Personen im Januar bestätigte der nachfolgende PCR-Test bei 67 eine Infektion mit dem Coronavirus, im Februar war das Verhältnis 166 positive Schnelltests, 98 positive nachfolgende PCR-Tests.

Nach Ansicht von Amtsärztin Annegret Schynol würden die Schnelltests damit gut funktionieren, eine gewisse Differenz zur Zahl der PCR-Tests zeige sich auch andernorts. Allerdings bleibt die Ungewissheit, ob alle mit einem Antigen-Schnelltest positiv getesteten Personen sich auch anschließend einem PCR-Test unterzogen haben. Darauf hat der Kreis keinen Einfluss.

Nach wie vor sehr gering sind die positiven Schnelltests, die nach der Einreise auf deutscher Seite durchgeführt werden, sodass der Kreis derzeit davon ausgeht, dass das Virus wenig aus den Nachbarländern eingetragen wird. Auch die britische Mutation spielt noch keine Rolle, auch wenn unter den, an diesem Donnerstag vermeldeten Neuinfektionen auch einmal eine britische Variante nachgewiesen wurde. Damit ist diese Mutation seit Ende Januar bei 23 Personen im Landkreis festgestellt worden, die meisten haben die Infektion bereits wieder überstanden.

Zahl der schweren Erkrankungen stabil niedrig

Während kein einheitlicher Trend bei den Neuinfektionen festzustellen ist, bleibt die Zahl der schweren Erkrankungen stabil auf vergleichsweise niedrigem Niveau. So liegen derzeit 60 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung auf Stationen in den Kliniken des Landkreises. Zehn von ihnen werden intensivmedizinisch betreut, fünf benötigen eine Beatmung. 21 Betten sind auf den Intensivstationen frei.

Auch ist nur ein weiterer Todesfall im Zusammenhang mit Corona zu verzeichnen. Am 14. Februar starb ein 90-jähriger Mann aus Löbau. Seit Beginn der Pandemie sind 949 Einwohner des Kreises am oder mit dem Coronavirus verstorben. Nach Studien in Hamburg und Augsburg, die auf der Obduktion von Corona-Toten fußen, starben 85 Prozent aller Patienten am Coronavirus.

Corona-Skeptiker ziehen immer wieder in Frage, ob wirklich so viele Menschen an Corona oder nicht doch an irgendeiner anderen Krankheit gestorben sind und bemängeln, dass so wenig obduziert wird. Das klang auch bei einer Äußerung des AfD-Kreisrates Thomas Schultz am Montag im Gesundheitsausschuss durch, der danach fragte, ob die Todesfälle mit Obduktionen nachgewiesen worden wären. Daraufhin äußerte sich die frühere Geschäftsführerin des Görlitzer Klinikums, Ulrike Holtzsch, die als Kreisrätin dem Ausschuss angehört. Sie zeigte sich sichtlich entnervt wegen des Geredes über die Obduktionen. In Deutschland würden sie nur von Staats wegen stattfinden, wenn eine Straftat vorliegt und die Todesursache unklar sei. Ansonsten müsste das Einverständnis der Angehörigen vorliegen.

Frau Holtzsch erklärte zudem, dass am Klinikum vergleichsweise viel obduziert werde. In Sachsen gab es im Dezember und Januar eine hohe Übersterblichkeit, der Landkreis Görlitz weist wiederum eine hohe Todesrate von Corona-Erkrankten auf und die Krankenhäuser waren im Dezember praktisch an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen.

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