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Altenheime: Weihnachtsbesuche möglich?

Wer jemanden im Heim besuchen will, braucht einen Corona(schnell)test - das hat Tücken. Klar ist nun aber, ob Oma und Opa Weihnachten aus dem Heim dürfen.

Schnelltests so ähnlich wie dieser sind nun für Altenheimbesuche Pflicht.
Schnelltests so ähnlich wie dieser sind nun für Altenheimbesuche Pflicht. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wie es mit den Alten- und Pflegeheimen in der Advents- und Weihnachtszeit weitergeht, ist seit Dienstagmittag klarer: Der Freistaat hat in seiner Aktualisierung der Hygiene-Allgemeinverfügung festgelegt, dass Besucher diese Einrichtungen nur dann betreten dürfen, wenn ein "Coronatest mit negativem Testergebnis" erfolgt ist. Damit bleiben die Heime prinzipiell offen. Umsetzen sollen die Betreiber die neuen Regelungen mit sogenannten Corona-Schnelltests, die viele Heime auch jetzt schon im Alltag nutzen. Dabei hat sich gezeigt, dass diese Tests Tücken haben.

Die Tücken liegen nicht unbedingt bei der Genauigkeit - damit ist Rainer Scholze vom ASB Löbau beispielsweise sehr zufrieden: "Wir setzen bislang die Schnelltests vor allem dazu ein, Bewohner und Mitarbeiter zu testen, um rasch einen Überblick zu bekommen, wie die Lage ist", erklärt Scholze, der froh ist, diese Möglichkeit zu haben. Immer dann, wenn ein positives Ergebnis abzulesen war, habe dies der nachfolgende klassische PCR-Test auch bestätigt. Eine Fehlerquote habe es aus der Erfahrung der ersten drei, vier Wochen nicht gegeben. Die Erfahrung, dass das ganze Prozedere aber sehr lange dauert, ist die Kehrseite der Medaille.

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Heime müssen Tests organisieren

20 bis 25 Minuten - so erklärt Rainer Scholze - dauere es, um einen Besucher zu testen. So schätzt es auch die Einrichtungs- und Pflegedienstleiterin Doreen Stephan vom Pflegestift Löbau-Nord ein: "Unser Mitarbeiter muss beim Test zunächst die Person aufklären und den Zettel unterschreiben lassen, Schutzkleidung anlegen, den Abstrich vornehmen und in der Lösung zwei Minuten einwirken lassen, bis dann das Ganze auf den eigentlichen Test gegeben und erneut rund 15 Minuten einwirken muss", skizziert sie grob die Schritte, die unabhängig von Herstellermarke der Tests fällig sind. Weil das enorm personalaufwendig ist, hat der Pflegestift für die - bislang freiwillige - Testung von Besuchern täglich eine feste Stunde definiert.

Wie das nun bei einer generellen Testpflicht funktionieren kann, muss sich zeigen, der Ball liegt hier bei den Heimen: "Die Einrichtungen sind angehalten, die Tests selbst zu beschaffen, abzurechnen und die Durchführung eigenständig zu organisieren", heißt es in der Pressemitteilung des Freistaates dazu. Hinzu kommt, dass auch zweimal wöchentlich Tests für das Personal "dringendst empfohlen" werden. Die Kostenerstattung erfolge für zugelassene Pflegeeinrichtungen über die Pflegekassen, andernfalls über die Kassenärztliche Vereinigung, hieß es weiter. Zusätzliche personelle Unterstützung ist zumindest seitens des Freistaates nicht vorgesehen.

20 Pflegeeinrichtungen im Kreis betroffen

Selbst entscheiden müssen die Heime nach wie vor, wann eine Gefahr durch Infektionen besteht und ein Haus in Gesamt-Quarantäne kommt. Dann sind Besuche ohnehin nicht erlaubt. Aktuell sind nach Angaben des Landkreises 20 Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe im Landkreis betroffen. "Die Einrichtungen befinden sich in Görlitz, Zittau, Ebersbach-Neugersdorf, Löbau, Bad Muskau, Großschönau, Olbersdorf, Niesky, Rothenburg, Bernstadt, Jonsdorf und Mittelherwigsdorf", teilt Kreissprecherin Julia Bjar mit. Darüber hinaus bestehen in fünf weiteren Einrichtungen Verdachtsfälle. Im Zusammenhang mit den betroffenen Pflegeeinrichtungen befinden sich gegenwärtig 524 Bewohner und Pflegekräfte in Quarantäne, darunter 233 in der Stadt Görlitz. Auch die Zahl der Verstorbenen, die in diesen Einrichtungen lebten, ist hoch: "In den Einrichtungen, die seit Oktober unter Quarantäne standen oder aktuell stehen, sind bisher 62 Bewohner mit oder an Corona verstorben, davon 28 in der Stadt Görlitz", benennt Frau Bjar.

Unter welchen Bedingungen Verwandte zum Weihnachtsfest aus dem Heim nach Hause geholt werden können, obliegt ebenfalls dem Pflegeheimträger. Generell gilt: "Seitens des Freistaats besteht kein Verbot", teilt das Sozialministerium auf Nachfrage mit. Es sind jedoch Informationen zum Umgang mit der Wiederaufnahme in ein Heim bekannt gemacht worden. Somit ist es Kindern und Enkeln generell gestattet, Oma oder Opa zur Bescherung oder zum Weihnachtsschmaus nach Hause einzuladen. Gegebenenfalls muss man aber damit rechnen, dass anschließend mindestens ein Coronatest nötig ist oder der Heimbetreiber weitere Sicherheitsmaßnahmen ergreift. (mit SZ/ju)

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