merken
PLUS Pirna

Corona: Ústí am Rande des Kollaps

Tschechien hat schwer mit der Corona-Pandemie zu kämpfen. Auch im Bezirk Ústí sind keine Intensivbetten mehr frei.

Im Bezirk Ústí gibt es kein freies Corona-Intensivbett mehr.
Im Bezirk Ústí gibt es kein freies Corona-Intensivbett mehr. © Symbolfoto: dpa

Das Epizentrum der Coronapandemie in Tschechien lag bislang vor allem in Westböhmen und Ostböhmen. Auch der Bezirk Ústí (Aussig) hatte Patienten aus dem benachbarten Bezirk Karlovy Vary (Karlsbad) aufgenommen. Vor allem in Sokolov (Falkenau) und Cheb (Eger) waren die Krankenhäuser an ihre Grenzen gestoßen.

Doch nun sind die Krankenhäuser im Bezirk Ústí selbst in Not. Am Mittwoch gab es die ersten zwei Militärtransporte in Krankenhäuser in Ostrava (Ostrau) und Vsetín, Hunderte Kilometer im Osten des Landes. Dabei hat auch Sachsen inzwischen Hilfe angeboten. Doch die wurde bislang noch nicht angenommen. Und sie ist auch nicht unbegrenzt.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Laut dem Bezirkskoordinator Josef Škola stehen in Sachsen neun Intensivbetten für Patienten aus dem Bezirk Ústí bereit. „Bisher gibt es noch Möglichkeiten innerhalb Tschechiens. Außerdem fehlt immer noch eine offizielle Bestätigung vom Gesundheitsministerium, wie die Verlegung nach Sachsen stattfinden kann“, sagte Škola dem Tschechischen Rundfunk.

Doch die Zeit drängt. Am Donnerstag waren im Bezirk nur noch vier Intensivbetten mit künstlicher Beatmung frei. „Die werden innerhalb der nächsten 24 Stunden belegt sein“, erwartet Škola. Zwar konnte das Krankenhaus in Ústí durch interne Verlegungen noch einmal zehn neue Betten schaffen. „Aber wir befinden uns schon in der Phase, in der wir eher improvisieren“, sagte der Bezirkskoordinator.

Notstand noch nicht verlängert

Und die Lage wird sich absehbar verschlimmern. Immer noch nicht ist über strengere Maßnahmen zur dringend nötigen Kontaktbeschränkung entschieden. Die Minderheitsregierung in Prag ist auf das Parlament angewiesen, den Notstand erneut um einen Monat bis Ende März zu verlängern. Zwar gibt es inzwischen ein Pandemiegesetz. Aber das ist nicht mehr für eine Situation ausgelegt, in der sich das Land nun befindet.

In den besonder betroffenen Gebieten in Westböhmen und Ostböhmen liegt die Wocheninzidenz bei bis zu 1.400. Auch in den grenznahen Kreisen im Bezirk Ústí liegt sie inzwischen durchweg über 500, im Kreis Děčín (Tetschen) sogar bei über 700. Neue Maßnahmen werden absehbar erst in drei Wochen wirken.

Weiterführende Artikel

Corona: Aussicht auf Impfungen für alle im Juni

Corona: Aussicht auf Impfungen für alle im Juni

Viele Schulen und Kitas in Sachsen müssen schließen, Notbremse passiert den Bundesrat, Kretschmer spricht mit Putin über Sputnik-Dosen - unser Newsblog.

Corona in Tschechien: „Ein Pflaster auf die Seele“

Corona in Tschechien: „Ein Pflaster auf die Seele“

Nach einem SZ-Artikel schickt der Bürgermeister von Tharandt eine Mail ins westböhmischen Cheb (Eger) und berührt damit viele Tschechen emotional.

Corona: So verheerend ist die Lage in Tschechien

Corona: So verheerend ist die Lage in Tschechien

Die Kliniken in West-Tschechien sind erschöpft. Patienten müssen sterben, damit andere überleben. Es ist das erste Mal in der tschechischen Medizin.

Zugleich kommt Tschechien beim Impfen nicht voran. Bisher wurden 600.000 Menschen geimpft, das sind knapp vier Prozent der Bevölkerung. Medienberichten zufolge lehnen aber 40 bis 80 Prozent der Pflegekräfte eine Impfung ab. Auch bei Lehrern ist die Impfbereitschaft niedrig. Immerhin stellt Frankreich aus seinen Beständen zusätzlich 100.000 Impfdosen zur Verfügung. Ab Montag sollen auch Hausärzte mit dem Impfen beginnen. „Die nächsten Wochen werden die Hölle“, hatte Premierminister Andrej Babiš am Mittwoch angekündigt.

Mehr zum Thema Pirna