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Die Impfkampagne ist ein Fiasko

Mit dem Stopp von Astrazeneca wird man die große Hoffnung, bis zum Sommer aus der Corona-Pandemie herauszukommen, beerdigen müssen. Ein Kommentar.

Auch Deutschland setzt Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers Astrazeneca vorsorglich aus.
Auch Deutschland setzt Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers Astrazeneca vorsorglich aus. © Matthias Bein/dpa

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie erleidet einen Rückschlag nach dem anderen. Seit Tagen steigen die Infektionszahlen wieder an. Kurz nach den ersten vorsichtigen Schritten aus dem monatelangen Lockdown droht in Sachsen erneut ein Stillstand. Diese Entwicklung wird viele Menschen verunsichern, wenn nicht gar verängstigen.

Und nun stoppt das Bundesgesundheitsministerium auch noch das Impfen mit dem Wirkstoff des Herstellers von Astrazeneca. Der Bund sieht sich, wie es heißt, durch vereinzelte Fälle von Blutgerinnseln zu dieser Vorsichtsmaßnahme veranlasst. Es ist Spekulation, aber von dem Stopp in anderen EU-Ländern dürfte erheblicher Druck auf die Bundesregierung ausgegangen sein. Ob und wann das Impfen mit Astrazeneca weitergeht, lässt sich kaum vorhersagen. Die große Hoffnung, mit Massenimpfungen bis zum Sommer aus der Pandemie herauszukommen, wird man beerdigen müssen.

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Es liegt auf der Hand, dass das Vertrauen in die ohnehin schleppend verlaufene Impfkampagne schwer beschädigt worden ist. Selbst die Behörden bewerten das Risiko unterschiedlich. Während die Europäische Arzneimittelbehörde erklärt, es gebe keine auffällige Häufung von Thrombosen, und der Nutzen sei größer als das Risiko, zieht das deutsche Paul-Ehrlich-Institut die Notbremse. Logisch, dass das Misstrauen nach dieser undurchsichtigen Informationslage nicht so schnell wieder verschwinden wird, sollte Astrazeneca doch wieder erlaubt werden.

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Zwar gibt es weitere Hersteller von Impfstoffen. Doch es kommt in Deutschland zu wenig davon an. Die EU-Kommission hat bei Biontech zu geringe Mengen bestellt und dann, um von eigenen Fehlern abzulenken, die angeblich zu hohen Preisforderungen durchgestochen. Die EU muss sich fragen lassen, ob es wirklich richtig war, an dieser Stelle zu feilschen und zu knausern. Der Lockdown hat nach Angaben von Forschern die deutsche Wirtschaft in den ersten drei Monaten 50 Milliarden Euro gekostet. Bei allem Verständnis für effizienten Einsatz öffentlichen Geldes wäre jeder Euro für ausreichend große Mengen wirksamen Impfstoffs gut investiertes Geld gewesen.

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