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Corona: Ausgelacht wegen der Maske

Eine Frau aus Pirna, die akribisch Maske trägt, macht damit schlechte Erfahrungen. Sie fragt nun: Warum wird die Pflicht nicht strenger kontrolliert?

Masken-Kontrolle der Polizei in Pirna: Im Fokus stehen die Einkaufszentren und Haltestellen im Stadtzentrum.
Masken-Kontrolle der Polizei in Pirna: Im Fokus stehen die Einkaufszentren und Haltestellen im Stadtzentrum. © Norbert Millauer

Einer Frau aus Pirna, die anonym bleiben möchte, widerfuhr kürzlich ein unerfreuliches Erlebnis. Als die 55-Jährige mit dem Fahrrad durch Pirna fuhr, wurde sie ausgelacht - weil sie auf dem Rad eine Schutzmaske trug. Dabei wollte sie sich und andere nur vor einer Infektion mit Covid-19 schützen.

Die Frau zählt sich als Diabetikerin selbst zur Corona-Risikogruppe. Daher trägt sie ihre Maske immer, wenn sie draußen unterwegs ist. "Ich fühle mich im Moment nicht sicher und habe große Angst davor, mich mit dem Coronavirus zu infizieren", sagt die 55-Jährige.

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Sie ist aber auch eine aktive Sportlerin und will sich nicht die ganze Zeit zu Hause verkriechen. So gehört die Maske zu ihrem Pflicht-Accessoires, wenn sie nach draußen geht. Allerdings denken längst nicht alle so wie sie.

Viele tragen keine Maske mehr

Was die 55-Jährige erlebt und beobachtet hat, offenbart ein grundsätzliches Problem: Viele Menschen nehmen es offensichtlich nicht mehr ganz ernst, Mund und Nase mit einem Schutz zu bedecken - selbst an Orten, wo es eigentlich Pflicht ist.

"Mir ist schon seit Längerem aufgefallen, dass in der Pirnaer Innenstadt kaum noch einer eine Maske trägt", sagt sie. Auch auf Parkplätzen vor Supermärkten hielten sich viele nicht mehr an die Pflicht.

In Pirna, sagt die 55-Jährige, habe es zudem auch Schilder gegeben, die auf die Maskenpflicht hinwiesen, doch die seien inzwischen verschwunden. Dabei sei die Maskenpflicht doch noch gar nicht aufgehoben worden.

Kein Ersatz für zerstörte Hinweisschilder

In der Tat: Nach wie vor besteht die Pflicht, an bestimmten Orten eine Maske zutragen, sie ist in den vergangenen Wochen sogar auf weitere Bereiche ausgeweitet worden. Laut der Sächsischen Coronaschutzverordnung müssen Menschen beispielsweise in Fußgängerzonen sowie auf Sport- und Spielplätzen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen.

An Haltestellen, in Bahnhöfen sowie vor den Eingangsbereichen von Groß- und Einzelhandelsgeschäften und Läden sowie auf den dazugehörigen Parkplätzen sind sogar medizinische Schutzmasken Pflicht.

Vor den Supermärkten weisen Schilder auf diese Pflicht hin. Als die Maskenpflicht in den Fußgängerzonen eingeführt wurde, hatte auch Pirna in diesem Bereich in der Innenstadt entsprechende Schilder aufstellen lassen. Doch in den Wochen danach wurden mehrere dieser Schilder zerstört oder gestohlen.

Nach Aussage des Rathauses sei die Maskenpflicht inzwischen über die Fußgängerzonen hinaus erweitert worden. Die Coronaschutzverordnung verlange sei Monaten schon das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung überall dort, wo sich Menschen im öffentlichen Raum begegnen.

Die Stadt geht davon aus, dass diese Regeln nunmehr fast jedem bekannt sein müssten. Daher verzichtete Pirna letztendlich darauf, Ersatz für die zerstörten oder entwendeten Hinweisschilder aufzustellen.

Hinweisschild in der Pirnaer Fußgängerzone: Nachdem mehrere verschwanden und die Maskenpflicht ausgeweitet wurde, ließ die Stadt keine neuen Schilder mehr aufstellen.
Hinweisschild in der Pirnaer Fußgängerzone: Nachdem mehrere verschwanden und die Maskenpflicht ausgeweitet wurde, ließ die Stadt keine neuen Schilder mehr aufstellen. © Daniel Förster

Zu wenige Masken-Kontrollen?

Die 55-jährige Frau aus Pirna treibt in dieser Hinsicht aber noch ein anderes Problem um. Aus ihrer Sicht werde die Maskenpflicht viel zu wenig überwacht. "Wozu gibt es denn extra für die Corona-Krise einen Bußgeldkatalog, wenn dann keine Kontrollen stattfinden?", fragt sie. Da brauche man sich nicht zu wundern, wenn die Infektionszahlen wieder nach oben gehen.

Sie fordert daher strengere und regelmäßige Kontrollen und rät, die Landeshauptstadt als Vorbild zu nehmen. "In Dresden wird die Einhaltung der Maskenpflicht viel mehr kontrolliert", sagt sie.

Diese Kontrollpflicht obliegt allerdings nicht dem Pirnaer Ordnungsamt, dafür sind andere Behörden zuständig. Und die Polizei war in dieser Hinsicht in den zurückliegenden Wochen nicht untätig.

65 gezielte Polizei-Einsätze

Grundsätzlich führt die Polizeidirektion Dresden seit Beginn der Pandemie fortlaufend Kontrollen durch. "Gleichzeitig haben wir immer darauf hingewiesen, dass diese einen stichprobenartigen Charakter haben", sagt Polizeisprecher Marko Laske.

Seit Anfang 2021 habe es im Bereich des Polizeireviers Pirna insgesamt 65 gezielte Einsätze gegeben, um die Coronaschutzverordnung durchzusetzen. Rechnerisch sei das mindestens ein Einsatz pro Tag.

Hinzu kämen die normalen Polizeistreifen, die bei ihrer Arbeit gleichsam auf die Einhaltung der Verordnung achten. "Zudem geht die Polizei auch einzelnen Bürgerhinweisen nach", sagt Laske. Vor diesem Hintergrund könne man sehr wohl von regelmäßigen Kontrollen sprechen.

Infektionsherde minimieren, Infektionsketten unterbrechen

Ziel der Kontrollen sei es, Infektionsherde zu minimieren und Infektionsketten zu unterbrechen. Daher stünden nach wie vor unerlaubte Menschenansammlungen sowie das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen im Fokus der Polizeikontrollen. "Folglich konzentrieren sich die Kontrollen auf die Einkaufszentren und die Haltestellen im Stadtzentrum", sagt Laske.

Bei den Kontrollen seit Jahresbeginn sind insgesamt 124 Ordnungswidrigkeitsverfahren mit 259 Beteiligten eingeleitet worden. Der Verstoß gegen die Maskenpflicht wird laut der sächsischen Coronaschutzverordnung mit einem Bußgeld von 100 Euro geahndet.

Laut der Polizeidirektion werde die Polizei auch weiterhin Corona-Kontrollen durchführen. "Gleichzeitig darf man nicht aus dem Blick verlieren, dass die Polizei ihren täglichen Aufgabenbereich ebenfalls erfüllen muss, der unbestritten vielschichtig ist", sagt Laske.

Maske statt Häme

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Die 55-jährige Frau aus Pirna würde sich gleichwohl darüber freuen, wenn die Einhaltung der Maskenpflicht künftig verstärkt kontrolliert wird, die Menschen dieser Pflicht wieder vermehrt nachkommen und keine Häme über jene ausschütten, die draußen ständig Maske tragen. "Schließlich hilft die Maske", sagt sie, "sich und andere zu schützen."

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