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Warum ist Oppach Protest-Hotspot?

Jeden Sonntag stehen im Ort die meisten Corona-Protestler an der B96. Die Bürgermeisterin glaubt nicht, dass ihre Einwohner besonders unzufrieden sind.

Bei einem Besuch Michael Kretschmers im vergangenen Jahr in Oppach protestierten Menschen gegen die Politik der Regierung.
Bei einem Besuch Michael Kretschmers im vergangenen Jahr in Oppach protestierten Menschen gegen die Politik der Regierung. © Matthias Weber/photoweber.de

Seit zehn Monaten gibt es jeden Sonntag das gleiche Bild an der B96 in der Oberlausitz: Menschen säumen die Bundesstraße, teils mit Fahnen, teils mit Pappschildern und Transparenten, manche in Familie. Mit dem Gang auf die Straße wollen sie ihren Protest gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung zeigen - so die ursprüngliche Idee dahinter. Am 1. Mai 2020 fand die Demo unter dem Titel "Stiller Protest entlang der B96" zum ersten Mal statt.

Seitdem kristallisiert sich eine Gemeinde als Schwerpunkt heraus: In Oppach stehen stets die meisten Menschen an der Straße. Auch am vergangenen Sonntag, dem letzten im Februar, lag der Schwerpunkt wieder unverändert in Oppach, teilte die Polizei mit. Allein in der Oberlandgemeinde säumten 140 Menschen die Straße - jeweils 40 waren es laut Polizeiangaben in Ebersbach und Oderwitz. Insgesamt nahmen am "Stillen Protest" im Revierbereich von Zittau bis Oppach 300 Menschen entlang der Bundesstraße teil. Ein Demonstrant in Oppach kassierte am vergangenen Sonntag eine Anzeige, weil er Polizisten beleidigte.

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Sind Oppacher besonders unzufrieden?

Warum demonstrieren so viele allwöchentlich ausgerechnet in Oppach? Sind die Oppacher unzufriedener als andere? Sind sie mehr betroffen vom Lockdown und anderen Einschränkungen?

Nein, sagt Oppachs Bürgermeisterin Sylvia Hölzel (parteilos) ganz klar. Sie ärgert sich über die wöchentliche Berichterstattung und darüber, dass ihre Gemeinde damit deutschlandweit negativ wahrgenommen werde, wie sie sagt. "Das versetzt mir jedes Mal einen Stich", schildert sie. Sie sieht den Ruf der Gemeinde gefährdet. Ob jemand für oder gegen bestimmte Dinge protestiert, das könne natürlich jeder für sich selbst entscheiden, sagt die Bürgermeisterin. Aber sie ärgert, dass es den Anschein macht, als seien die Oppacher besonders unzufrieden. "Es geht aber gar nicht darum, dass sie mit ihrer Gemeinde nicht zufrieden sind, damit, wie sie hier leben und was hier bei uns für die Einwohner getan wird", stellt Sylvia Hölzel fest. "Es geht nicht um die Kommunalpolitik." Vielmehr beobachtet sie allgemeine Unzufriedenheit mit den großen politischen Themen in Sachsen und in Deutschland.

Bürgermeisterin: Höchstens die Hälfte sind Oppacher

Hinzu kommt, dass es zum großen Teil gar keine Oppacher seien, die hier jeden Sonntag an der Bundesstraße demonstrieren, stellt Frau Hölzel klar. Grob geschätzt, sagt die Bürgermeisterin, seien 40 Prozent Oppacher, 60 Prozent Gäste von außerhalb. "Unser Ort hat eine zentrale Lage. Viele Gemeinden grenzen bei uns an." Da kommen die Protestler eben da zusammen, wo schon andere sind und es verkehrsgünstig zu erreichen ist. Auch Demonstranten aus dem Nachbarkreis Bautzen kommen nach Oppach herüber. Teilweise, so hat Frau Hölzel beobachtet, wandern sie vom Nachbarort Weigsdorf-Köblitz die B96 entlang bis zur Oppacher Erntekranzbaude.

Seit die 15-Kilometer-Regelung wieder aufgehoben ist, sei es noch stärker zu beobachten, dass Auswärtige zum Protest nach Oppach kommen, so Frau Hölzel. Immer wieder habe es ja auch in der Vergangenheit Anzeigen gegen Protestler gegeben, weil sie die 15-Kilometer-Regel missachtet hatten. Bis vor Kurzem galt im Kreis Görlitz und auch bei den Bautzner Nachbarn die Corona-Auflage, dass man sich für seine Freizeitbeschäftigung nicht weiter als 15 Kilometer vom Wohnort entfernen darf.

Die Beobachtung, dass nicht nur Oppacher im Ort demonstrieren, bestätigen auch andere Augenzeugen. Mehrere Einwohner, die sich die Protestaktion angesehen haben, berichten übereinstimmend: Die meisten seien gar keine Oppacher Einwohner, sondern Auswärtige, die hier zum Protest zusammenkommen.

Steuerverschwendung und andere Missstände

Längst geht es ihnen nicht mehr nur darum, dass man sich gegen die Einschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie positioniert. Unter den Demonstranten seien Menschen, die mit vielen Dingen, die in Politik und Gesellschaft vor sich gehen, nicht einverstanden sind. An der B96 stünden keinesfalls nur Corona-Protestler, so eine Einwohnerin aus Kottmar gegenüber SZ. "Es geht vielen Menschen auch um ganz andere Probleme, die niemand hören will." Sie hätten keine Möglichkeit, das irgendwo vorzubringen und ihrem Ärger Luft zu machen. "Also gehen viele an die Straße." Den Prozess um den unter dem Namen "King Abode" bekannt gewordenen Kriminellen aus Bautzen führt die Kottmarerin als Beispiel an. Der begehe eine Straftat nach der anderen und verspotte die Behörden. "Es wird geklagt und wieder geklagt und alles auf Steuerzahlerkosten. Anwälte freuen sich über viel Arbeit." Menschen warteten bis zu sechs Monate auf einen Facharzttermin und auf manchen Dörfern fährt am Wochenende kein einziger Bus. Bei öffentlichen Bauprojekten ufern die Kosten aus, während kein Privatmann es sich leisten könne, so zu wirtschaften und zu planen. All das mache die Menschen wütend und treibe sie raus zum Protest.

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