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„Extremsituation ohne Blaupause“

Mit Sorge schauen die Verantwortlichen der Krankenhäuser im Landkreis Bautzen auf die steigende Zahl der Covid-19-Infektionen.

Blick in die Intensivstation eines Krankenhauses. Auch im Landkreis Bautzen müssen immer mehr Menschen mit einer Covid-19-Infektion intensivmedizinisch behandelt werden.
Blick in die Intensivstation eines Krankenhauses. Auch im Landkreis Bautzen müssen immer mehr Menschen mit einer Covid-19-Infektion intensivmedizinisch behandelt werden. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Es ist der Stand vom Freitagmorgen: Mehr als 70 Personen werden derzeit mit Covid-19 in den Krankenhäusern des Landkreises Bautzen behandelt - 44 Menschen aus dem Landkreis und etwa 30 Patienten aus umliegenden Regionen. Die Zahl ist für Jana Gärtner alarmierend. „Wir wissen, dass sehr, sehr viele Menschen auf der Intensivstation betreut und beatmete Patienten behandelt werden“, sagt die Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes. Für die Medizinerin ist die Zahl eine kritische Momentaufnahme. Niemand weiß, wie viele Betten in den kommenden Tagen benötigt werden.

Eines aber ist sicher: Bei einem weiteren exponentiellen Anstieg der Corona-Fälle droht den Krankenhäusern eine „Extremsituation ohne Blaupause“. Diesen Begriff gebraucht Reiner E. Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz Kliniken (OLK). In den OLK-Krankenhäusern in Bautzen und Bischofswerda wird über die Hälfte der genannten Fälle betreut.

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„Wir gehen davon aus, dass die akuten Zahlen weiter steigen werden“, sagt der Krankenhaus-Chef. Dafür halten die Krankenhäuser drei Intensivstationen vor. In Bautzen stehen zwei High-Tech-Abteilungen mit jeweils acht Betten zur Verfügung, in Bischofswerda sind es sieben Betten. Von der Raumausstattung und der sehr modernen Medizintechnik her könne der Klinikverbund in Bautzen im Maximalfall auf bis zu 34 Intensivplätze aufrüsten – allerdings nur unter Hinzuziehung eines Großteiles der OP-Bereiche.

Intensivplätze werden freigehalten

Das ist für Rogowski der „worst case“, der schlimmste anzunehmende Fall. „Ich hoffe, dass das nicht kommt. Dann würden wir Kapazitäten, die wir dringend in den OP-Bereichen brauchen, in Anspruch nehmen müssen. In diesem Moment hört das Krankenhaus auf, ein Akutkrankenhaus zu sein – und wir hören auf zu operieren“, sagt der Geschäftsführer. 

Derzeit bemühe man sich, notwendige Operationen weiter durchzuführen. Auch gebe es noch Reserven bei der Bettenbelegung. Für beide Krankenhäuser gelte, dass man 25 bis 50 Prozent der verfügbaren Intensivplätze für Patienten ohne Covid-19 freihalte. Denn zum normalen Krankenhaus-Alltag gehört unter anderem die Versorgung von Unfällen oder internistischen Problemen wie Herz-, Kreislauf- und Schlaganfall-Patienten.

Zahl der Covid-19-Patienten steigt

Auch dem Geschäftsführer des Malteser Krankenhauses Kamenz, Sven Heise, bereiten die stark wachsenden Zahlen der Corona-Infektionen im Landkreis Bautzen Sorge. „Derzeit werden mehr Patienten im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie in unser Krankenhaus eingeliefert, als genesene das Krankenhaus verlassen“, beschreibt der Geschäftsführer die bedenkliche Tendenz.  Die Klinik hat für die Patienten mit Covid-19 eine Station mit bis zu 30 Betten reserviert.

Das Kamenzer Krankenhaus behandelt derzeit 13 Personen, die an Covid-19 erkrankt sind. Darüber hinaus befinden sich Patienten im Krankenhaus, deren Gesundheitszustand eine stationäre Behandlung erfordert, bei denen das Testergebnis aber noch aussteht. „Vier Covid-19-Patienten werden intensivmedizinisch versorgt. Wir versuchen, die invasive Beatmung soweit wie möglich zu vermeiden und nur einzusetzen, wenn es dringend notwendig ist“, sagt der Geschäftsführer. 

Das Malteser Krankenhaus verfügt über sechs Intensivbetten, inklusive sechs Beatmungsplätzen. Falls die Lage eskaliere, könne die Kapazität auf bis zu elf Intensivbetten erweitert werden. Derzeit seien auf der Intensivstation alle Plätze belegt, so Sven Heise.

Corona-Hotspot Wittichenau

Aufgrund der steigenden Anzahl der Patienten mit Covid-19 an den Häusern der Oberlausitz Kliniken, am Kamenzer Krankenhaus sowie am Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda ist die Belastung des Pflegepersonals und der Mediziner sehr hoch. „Noch ist damit umzugehen. Die Versorgung aller Patienten ist gewährleistet“, sagt Seenland-Klinikum-Sprecher Gernot Schweitzer. 

Im Krankenhaus Hoyerswerda waren Ende der Woche 24 Covid-19-Patienten in Behandlung, vier Corona-Positive befanden sich auf der Intensivstation, zwei davon mussten beatmet werden. Auch das ist nur eine Momentaufnahme. Im Frühjahr waren maximal vier Patienten gleichzeitig in stationärer Behandlung.

Eine deutliche Zunahme der stationären Covid-19-Fälle verzeichnet die Hoyerswerdaer Klinik seit der letzten Oktoberwoche. Mit Wittichenau liegt ein Corona-Hotspot direkt vor den Toren der Stadt. 35 Bewohner und Mitarbeiter haben sich in einem Pflegeheim der Kleinstadt infiziert. 

Allerdings sind die Krankenhäuser nicht auf sich allein gestellt. "Die Verfügbarkeit der Intensivkapazitäten wird täglich ans Intensiv-Melderegister gemeldet und in Bezug auf Corona-Patienten bei Bedarf auch regional über die Corona-Leitstelle vergeben“, sagt Gernot Schweitzer. Auch Reiner E. Rogowski zeigt sich noch optimistisch. „Das Gesundheitssystem in Deutschland ist, wie sich zum zweiten Mal in diesem Jahr zeigt, sehr gut aufgestellt. Jetzt werden wir sehen, wie wir gemeinsam durch die Krise kommen“, sagt der OLK-Geschäftsführer. 

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