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Bautzen: Schärfere Corona-Auflagen in Sicht

Schulen und Kitas sollen offenbleiben, sagt Landrat Michael Harig. In anderen Punkten rechnet er mit raschen Entscheidungen.

Im Bautzener Kornmarkt-Center gilt wie in allen Geschäften Maskenpflicht. Weil die Zahl der Corona-Neuinfektionen nicht sinkt, ist jetzt mit einer weiteren Verschärfung der Auflagen zu rechnen.
Im Bautzener Kornmarkt-Center gilt wie in allen Geschäften Maskenpflicht. Weil die Zahl der Corona-Neuinfektionen nicht sinkt, ist jetzt mit einer weiteren Verschärfung der Auflagen zu rechnen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Zwei Wochen nach Beginn des Teil-Lockdowns sind die Corona-Zahlen im Landkreis Bautzen noch immer hoch. Landrat Michael Harig (CDU) rechnet daher in den nächsten Tagen mit einer Diskussion über schärfere Schutzmaßnahmen. Im Gespräch mit Sächsische.de nennt er konkret zwei Punkte: Ausgangsbeschränkungen und den stärkeren Schutz von Risikogruppen.

Am Wochenende wird sich die Kreisverwaltung mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und den zuständigen Ministerien in Dresden zu diesem Thema abstimmen. Denn der Landkreis Bautzen zählt nach wie vor zu den Top-Risikogebieten in Deutschland. Daran hat auch die Schließung von Gaststätten und Kultureinrichtungen nichts geändert. Allein am Donnerstag wurden mehr als 200 Neu-Infektionen gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz – einer der wichtigen Richtwerte für das weitere Handeln – liegt bei 340, das ist doppelt so hoch wie im gesamten Freistaat.

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Auch aus den Krankenhäusern im Kreis kommen immer mehr Warnsignale. Die Zahl der Covid-19-Patienten steigt, doch es fehlt zunehmend an Personal, weil Ärzte, Schwestern und Pfleger positiv getestet wurden oder sich in Quarantäne befinden. Sächsische.de fragte Landrat Harig, mit welchen Schritten jetzt zu rechnen ist.

Herr Harig, wie bewerten Sie die aktuelle Lage?

Die Lage ist sehr ernst. Die Zahl der Neuinfektionen hatte sich nach unserem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Anfang vergangener Woche etwas nach unten bewegt, wohl auch aufgrund der seit 2. November geltenden Regelungen des Freistaates beziehungsweise der Einschränkungen, die wir als Landkreis zuvor erlassen hatten. Seit zwei Tagen haben wir wieder mehr tägliche Neuinfektionen, die nicht auf einzelne Hotspots, sondern auf ein breites Infektionsgeschehen zurückzuführen sind.

Wo sind derzeit die Corona-Schwerpunkte?

Die Dynamik in den sorbischen Gebieten, die wir Anfang der Woche zur Kenntnis nehmen mussten, schwächt sich auf hohem Niveau ab. Sicher haben hier auch der Besuch des Ministerpräsidenten im besonders stark betroffenen Wittichenau und die Aufrufe der Domowina noch einmal ein gutes Maß an Aufmerksamkeit und Sensibilisierung gebracht. Zum Infektionsgeschehen tragen aktuell auch einige Pflegeheime und Anlagen für betreutes Wohnen mit zahlreichen Fällen bei.

"Schulen und Kitas werden aktuell nicht schließen"

Wie sieht es an den Schulen aus?

Zwar sind auch zahlreiche Schulen und Kindergärten betroffen, hier sind es aber in der Regel Kinder und Lehrer oder Erzieher, die sich außerhalb der Einrichtung infiziert haben. Das hat umfangreiche Kontaktermittlungen und oft auch Quarantänen zur Folge, die dann aus rein organisatorischen Gründen zu Einschränkungen des Betriebs führen. Ein signifikantes Weitertragen der Infektionen in den Einrichtungen sehen wir derzeit nicht. Aus diesem Grund werden wir auch Schulen und Kitas aktuell nicht schließen und sehen auch keinen Grund für eine Maskenpflicht während des Unterrichts.

Zehn Tage nach dem Teil-Lockdown ist die Sieben-Tage-Inzidenz unverändert hoch. Sind die Schutzmaßnahmen nicht oder nicht ausreichend wirksam?

Das lässt sich heute nicht sicher sagen. Klar ist, dass die Effekte aufgrund der langen Inkubationszeit nur verzögert wirken können und wir möglicherweise in der zweiten Monatshälfte die Effekte sehen. Wir hätten uns eine deutlichere Reduzierung der Infektionszahlen erhofft. Die Maßnahmen sind am Ende nur so gut, wie sie auch ernst genommen werden. Dabei kann nicht jeder Lebensbereich kontrolliert werden – es kommt auf das Mittun jedes Einzelnen an.

Landrat Michael Harig (CDU) auf einer Pressekonferenz zur Corona-Situation im Landkreis Bautzen.
Landrat Michael Harig (CDU) auf einer Pressekonferenz zur Corona-Situation im Landkreis Bautzen. © Archivfoto: Steffen Unger

Debatte um Ausgangsbeschränkungen

Wird es zu einer Verschärfung der Schutzmaßnahmen kommen?

Ich gehe davon aus, dass jetzt auch eine Verschärfung der Maßnahmen in stark betroffenen Landkreisen diskutiert wird. Ausgangsbeschränkungen und ein stärkerer Schutz von Risikogruppen könnten hier ein Ansatz sein. Wir werden uns am Wochenende dazu mit Ministerpräsident Kretschmer und seinen Ministern abstimmen und müssen sicher auch die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen abwarten.

Wie ist die Lage an den Krankenhäusern? Benötigen außer Kamenz weitere Kliniken Hilfe durch die Bundeswehr?

Zu den Schwerpunkten der Corona-Situation zählen auch die Kliniken. Die meisten Häuser haben nicht nur mit einer fast vollständigen Auslastung der verfügbaren Corona-Stationen zu kämpfen. Sie müssen auch mit einem erhöhten normalen und corona-bedingten Krankenstand sowie Quarantänen im Personal arbeiten. Unser Gesundheitsamt senkt daher die Standards für Quarantänen, um den Betrieb der Kliniken sicherzustellen. Die Hilfe der Bundeswehr haben wir für die Krankenhäuser in Kamenz und Bautzen beantragt. Wir sind für das Engagement der Soldaten sehr dankbar. Allerdings können auch sie nicht das medizinische und pflegerische Personal ersetzen.

Gibt es noch genügend freie Intensivbetten?

Hier haben wir eine ernste Situation, da immer mehr Patienten stationär behandelt werden müssen. Dabei steigt auch die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen. Es wird täglich enger.

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