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Illegale Geschäfte mit Böllern aus Tschechien

In der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge blüht der Schmuggel - trotz Corona. Nahe der Grenze lassen es einige gefährlich krachen.

An den Grenzübergängen - wie hier in Sebnitz - soll es rund um Silvester mehr Kontrollen geben.
An den Grenzübergängen - wie hier in Sebnitz - soll es rund um Silvester mehr Kontrollen geben. © Steffen Unger

Offizieller Verkaufsstart für das traditionelle Silvesterfeuerwerk ist eigentlich der 29. Dezember. Eigentlich. Denn in diesem Jahr werden in Deutschland keine Raketen und Böller über den Ladentisch gehen. Der Grund: Der Bund hat im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ein Verkaufsverbot für Feuerwerksartikel erlassen.

Trotz Verbot: In der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge, vor allem in den grenznahen Gebieten, wird dennoch geböllert. Offenbar decken sich manche mit den sogenannten China- oder Polen-Böllern ein. Saechsische.de hat sich vor Ort umgesehen.

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Handel korrigiert seine Werbeprospekte

Beim Blick in die Werbeprospekte der Supermärkte und Discounter ist aktuell kein Verkaufsverbot zu spüren. Im Gegenteil. Für Silvesterraketen und Feuerwerksbatterien wird hier in Hülle und Fülle geworben. Nach der Entscheidung des Bundes, dass Feuerwerksartikel dieses Jahr nicht verkauft werden dürfen, ruderten bereits einige Discounter zurück. Sie ließen zum Beispiel Werbeprospekte mit dem Hinweis überdrucken: "Aufgrund des Regierungsbeschlusses findet in diesem Jahr kein Feuerwerksverkauf statt." Wieder andere Geschäfte positionierten gut sichtbar an ihren Eingängen Hinweise, dass in den Filialen - entgegen der Ankündigung in den Prospekten - kein Feuerwerk verkauft wird.

Doch warum wurden überhaupt erst Werbehefte für Feuerwerkskörper gedruckt? Die Discounter begründen das damit, dass die gedruckte Werbung einiges an Vorlaufzeit benötige. Aus Umweltgründen habe man nach dem Beschluss der Bundesregierung die Broschüren nicht noch einmal neu gedruckt. Aus technischer Sicht hätten auch Einlageblätter nicht mehr entfernt werden können, denn das hätten die Austräger vor Ort alles selbst per Hand erledigen müssen. Dafür sei der Aufwand zu groß gewesen.

So kann es in diesen Tagen immer noch passieren, dass Werbung für den Verkauf von Feuerwerkskörpern in den Briefkästen landet. Ein Gang in den Discounter oder den Drogeriemarkt lohnt dennoch nicht. Die aktuellen Beschlüsse der Bundesregierung von Mitte Dezember verbieten den Verkauf von Feuerwerkskörpern.

Wo die Prospektwerbung für den Feuerwerksverkauf schon gedruckt war, weisen nun Schilder an den Eingängen von Discountern darauf hin, dass es keinen Verkauf in diesem Jahr geben wird.
Wo die Prospektwerbung für den Feuerwerksverkauf schon gedruckt war, weisen nun Schilder an den Eingängen von Discountern darauf hin, dass es keinen Verkauf in diesem Jahr geben wird. © Daniel Förster

Keine Böllerverbotszonen im Landkreis SOE

Die aktuelle sächsische Corona-Schutzverordnung verbietet ebenfalls den Verkauf von Feuerwerk. Es wird zudem davon abgeraten, bereits vorhandenes Feuerwerk abzubrennen. Verboten ist das aber nicht.

Die zuständigen kommunalen Behörden, also die Städte und Gemeinden, könnten diese Regelung verschärfen und auf öffentlichen Plätze das Abbrennen von Feuerwerkskörpern verbieten. Am Montag war im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge noch aus keiner Kommune bekannt, ob davon Gebrauch gemacht wird.

Ein Grund ist, dass die Städte personell gar nicht in der Lage wären, solche einzelnen Verbote zu kontrollieren. Das sei auch dann der Fall, sollte der Landkreis solch ein Verbot in den nächsten Tagen noch per Allgemeinverfügung anordnen, so der Tenor bei vielen Kommunen. Im Landratsamt in Pirna wird solch eine Möglichkeit noch geprüft.

Aktuell hat nur die Landeshauptstadt Dresden eine Allgemeinverfügung erlassen und verbietet damit am 31. Dezember 2020 und am 1. Januar 2021 generell Feuerwerke. Wie es in einer Mitteilung heißt, sei damit "das Mitführen und Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen" verboten. Das Verbot gilt im gesamten Dresdner Stadtgebiet, auf allen öffentlichen und privaten Flächen, und umfasst pyrotechnische Gegenstände der Kategorie 2 und höher nach dem Sprengstoffrecht. Damit dürfen die Dresdner weder Böller, Raketen und ähnliches Feuerwerk bei sich haben noch abbrennen. Mit der Allgemeinverfügung ist klar: Auch alte Böller aus dem Vorjahr dürfen in der Landeshauptstadt nicht gezündet werden. Gleiches gilt für Knaller, die in Tschechien oder Polen gekauft wurden.

Kontrollen werden verstärkt, aber nicht lückenlos

Rein theoretisch ist der sogenannte kleine Grenzverkehr in die Nachbarländer derzeit zwar verboten. Dennoch läuft dieser in der Grenzregion weiter - wenn auch nicht mehr in Größenordnungen. Es wird aber weiter in Tschechien und Polen getankt und eingekauft - auch Böller, die es bei vielen vietnamesischen Händlern vor und hinter dem Ladentisch gibt.

Dass das so ist, ist zum Beispiel in Sebnitz derzeit nicht zu überhören. Die vor-silvesterlichen Knallereien halten sich dieses Jahr zwar im Rahmen, aber es gibt sie. Denn der kleine Grenzverkehr ist zwar tabu, lückenlos kontrolliert wird das allerdings nicht. Dazu kommt, dass die tschechischen Bürger nach wie vor in Sachsen einkaufen oder zur Arbeit pendeln - und so Böller mitbringen können. Außerdem tragen die bereits beim ersten Lockdown im März neu entdeckten Schmugglerwege über die Grenze zu illegalem Handel bei. Über die grüne Grenze kommen so nicht nur Drogen und Zigaretten, sondern auch Feuerwerkskörper nach Deutschland.

Der deutsche Zoll beobachte ständig die Entwicklungen des Schmuggels über die nationalen Grenzen, heißt es. Man passe hierbei die Kontrollstrategie an, sagt Heike Wilsdorf, Pressesprecherin beim Hauptzollamt in Dresden. Im laufenden Kalenderjahr seien durch das Hauptzollamt Dresden bislang etwa 180 Kilogramm pyrotechnischer Artikel sichergestellt worden, die aus Polen und Tschechien eingeführt wurden. Zoll wie auch Bundespolizei wollen die Kontrollen in den nächsten Tagen verstärken.

Wer schmuggelt, dem drohen Anzeige und Quarantäne

In Tschechien ist es mittlerweile schwerer geworden, an Böller zu kommen.

Am 27. Dezember wurde der Lockdown im Nachbarland verschärft. Geschäfte in Einkaufszentren mussten schließen, mit Ausnahme von Lebensmittelläden, Apotheken und Drogerien. In Tschechien genügt es aber zum Beispiel, wenn Händler im Verkaufsraum einen Kühlschrank mit Lebensmitteln haben, um weiter öffnen zu dürfen. Dazu kommt, dass die illegalen Marktstrategien vom Frühjahr längst wieder greifen.

Wer aber mit illegaler Ware erwischt wird, für den wird es doppelt teuer. Denn, wer nicht beruflich oder aus sonstigen wichtigen Gründen reisen darf, verstößt gegen die Quarantäneregeln. Es gibt eine Meldung an das Gesundheitsamt.

Und: Wer Böller illegal einführt, verstößt gegen das Sprengstoffgesetz.

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Die Bundespolizei warnt aber noch aus einem anderen Grund davor, Böller in Tschechien oder auch in Polen zu kaufen. Polizeisprecher appellieren eindringlich, die Finger von illegalem Feuerwerk zu lassen. Einerseits habe der in den Böllern verwendete Blitzknallsatz eine nicht vorhersehbare und um ein Vielfaches höhere Explosivkraft als die in Deutschland zugelassenen Böller mit Schwarzpulver. Andererseits könne man sich die Sprengkraft von 1.000 Gramm sprengstoffähnlichen Inhalten überhaupt nicht vorstellen. Ungeprüftes Feuerwerk, so die Polizei, ist in manchen Fällen sogar selbstentzündlich und massenexplosionsfähig.

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