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Corona bringt Schulen durchaus voran

Am Montag beginnt die Schule wieder, und die Pandemie ist längst nicht vorbei. Trotz allem hat die Krise für Kinder und Jugendliche auch ihr Gutes.

Viele Schulen sind über die Coronakrise flexibler geworden und besser ausgestattet.
Viele Schulen sind über die Coronakrise flexibler geworden und besser ausgestattet. © dpa

Die Sommerferien sind vorbei. Am Montag geht in Sachsen die Schule los, und es stellt sich die Frage: Wird der Lernalltag dort wieder irgendwann normal sein, also so, wie wir ihn vor der Pandemie kannten? Hoffentlich nicht.

Mal abgesehen von Maskenpflicht ab einer Inzidenz von 35 und Tests für alle, die nicht geimpft oder genesen sind, gibt es endlich auch Fortschritte durch Corona: Smartboards statt Tafeln an den Wänden zum Beispiel und mehr Lehrer mit Laptops am Lehrertisch. Auch andere, nicht sofort sichtbare Änderungen haben sich vollzogen. Die Lockdowns und ihre Folgen haben sie unumgänglich gemacht. Sie haben sie befeuert.

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Als Corona kam, hatte das Bildungssystem schon genug Probleme. Lehrermangel, übervolle Klassenzimmer, marode Gebäude und Lehrpläne, denen oft vorgeworfen wird, nicht den Anforderungen der Zeit zu entsprechen. Mit dem 18. März 2020, dem Tag, an dem die Schulpflicht ausgesetzt worden war, kamen gewaltige hinzu. Die Pandemie legte eklatante Schwachstellen offen, allen voran den Stand der Digitalisierung an Sachsens Schulen.

Es ist viel berichtet worden über die massiven Startschwierigkeiten der Lernplattform Lernsax, über holprige Videokonferenzen, über Kinder, die mangels Gerät nicht einmal versuchen konnten, daran teilzunehmen. Oder über die analoge Übermittlung von Lernaufgaben per Kopie, Fax, Brief, die mancherorts Usus war. Über Frust, mitunter Verzweiflung auf beiden Seiten der Leitung. Weil sie nicht stand. Und da ging es noch nicht einmal um Inhalte.

Fast sieben Milliarden Euro für den Digitalpakt Schule

Das alles ist eine Weile und sehr viel Geld her. Fast sieben Milliarden Euro haben Bund und Länder für den Digitalpakt Schule bereitgestellt. Sachsen hat davon bislang mehr als 230 Millionen abgerufen. Klingt wenig angesichts der Höhe des Etats? Stimmt. Aber der Dezembervergleich zeigt: Es geht voran. Zum Jahresende waren es 31 Millionen.

Das Geld fließt in die digitale Infrastruktur der Schulen, in Internetanschlüsse, WLAN, Geräte wie Leihlaptops für Schüler und Arbeitsrechner für alle Lehrer. Knapp 85.000 Computer wurden gekauft. Unter normalen Umständen hätte eine solche „Digitalisierungswelle“, die nichts anderes ist als das Herstellen eines digital arbeitsfähigen Zustandes, wohl ewig gebraucht.

Weil das Zeug aber auch sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden soll, werden die Lehrer fortgebildet. Ziel des Kultusministeriums: Mit Beginn des neuen Schuljahrs haben alle wenigstens Basiskenntnisse zu Lernsax erworben. Sie können dann zum Beispiel Aufgaben hochladen, Kalender befüllen, Chat- und Videofunktion bedienen. Klingt wenig 18 Monate nach Beginn des ersten Lockdowns? Stimmt. Aber wenn Grundlagen und Technik fehlen, manchmal auch Einsicht, lassen sich Schulungen für so viele Leute nicht aus dem Ärmel schütteln.

Genauso wenig, wie überarbeitete, entschlackte Lehrpläne. Etwa 100 davon gibt es für alle allgemeinbildenden Schularten und das Berufliche Gymnasium. Fachberater und Lehrkräfte haben sie angepasst, Inhalte gestrafft und auf Prüfungsrelevantes konzentriert. Manches wurde gestrichen, damit Schüler und Lehrer Zeit haben, die Lernlücken der vergangenen anderthalb Jahre zu schließen. Das Kultusministerium spricht von deutlichen Reduzierungen in den Lehrplänen. Klingt gut? Ja. Das klingt gut. Den Kindern mehr Lebenskompetenzen zu vermitteln, klänge besser. Das führt hier zu weit, aber es zeigt: Der Weg endet nie. Weil die Anforderungen nie enden. Der Wandel ist Gesetz. Zukunft kennt keine starren Korsagen.

Schule ist flexibler geworden und besser ausgestattet

Obwohl die manchmal nicht schlecht sind, wie die Erfolge der Hygieneauflagen in den Schulhäusern zeigen. Maskenpflicht, Nies-und Hustetikette, halbierte Klassen haben Erkältungs- und Durchfallerkrankungen unter Schülern und Lehrern massiv reduziert. Auch das gründliche Waschen der Hände hat dazu beigetragen. Klingt selbstverständlich? War es nicht. Nicht mal Klopapier und Seife in ausreichendem Maß waren das.

Noch etwas Gutes haben die Pandemie und die Monate der Isolation neben allen negativen Folgen gebracht. Das ist die Erkenntnis, dass Schule nicht nur doof ist, Lehrer nicht nur blöd sind und Kinder nicht nur anstrengend und laut. Dass es tatsächlich etwas Kostbares ist, in die Schule zu gehen und dort lernen und lehren zu dürfen, Kontakte und einen regelmäßigen Rhythmus zu haben, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Schule hat seit Corona eine Menge gelernt. Sie ist flexibler geworden und besser ausgestattet. Sie hat sich endlich auf den Weg gemacht ins neue Jahrtausend und steht doch noch am Anfang. Es ist nicht gut, dass es eine weltweite Pandemie brauchte, digitale Lernkonzepte voranzutreiben. Aber es ist gut, dass es sie zunehmend gibt. Sie sollten zügig in den Präsenzunterricht einfließen. Gleichzeitig werden sie es Schülern in Quarantäne erleichtern, dem Unterricht zu folgen und nicht wieder so viel zu verpassen.

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