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Erneut Corona-Demos in der Region Döbeln

In Leisnig demonstrierten am Montag knapp 120 Menschen gegen die aktuellen Maßnahmen - in Döbeln war es die Hälfte. In Hartha war auch ein Politiker dabei.

In Leisnig kamen etwa 120 Menschen zur Corona-Demo.
In Leisnig kamen etwa 120 Menschen zur Corona-Demo. © Erik-Holm Langhof

Region Döbeln. Erneut sind am Montagabend mehr als 300 Menschen gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen auf die Straße gegangen. Demonstriert wurde unter anderem in Döbeln, Leisnig und Hartha. Die Polizei war in der Region Döbeln mit mehreren Beamten im Einsatz. Ein Großteil der Teilnehmer hat die vorgeschriebenen Hygienebestimmungen zur Demonstration nicht eingehalten.

In Leisnig wurden die Bürger erstmals unter dem Motto „Wir wollen leben“ zur Versammlung aufgerufen. Beim Landratsamt Mittelsachsen waren 25 Teilnehmer angemeldet, gekommen waren am Montagabend knapp 120.

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Demonstranten haben kein Vertrauen in "Qualitätsmedien"

Größtenteils ohne medizinischen Mund-Nasen-Schutz standen sie auf dem Markt und haben vor allem "im Namen der Kinder, des Nachwuchses" über die Corona-Maßnahmen gesprochen. So kritisierten Redner unter anderem OP-Masken für Kinder und ebenso die seit Montag geforderten Corona-Tests bei allen Schülern zweimal pro Woche. "Man testet hier gesunde Kinder, ob sie krank sind. Das ist krank!", so ein Redner.

Die Tests seien "medizinische Eingriffe", die die Kinder an sich selbst vornehmen müssten. Bei einem positiven Ergebnis würden sie wie "Schwerverbrecher aus dem Klassenzimmer eskortiert". Das sei inakzeptabel.

Belegt wurden verschiedene Aussagen durch nicht-wissenschaftlich bestätigte Quellen und durch "eigene Erfahrungen aus der medizinischen Branche". Zu hören waren auch verschiedene Audioaufzeichnungen von Kindern, die Masken "blöd" finden und "endlich wieder mit ihren Freunden spielen wollen".

Untermauert wurde die Veranstaltung durch zahlreiche Musikstücke von Künstlern, die der Politik und den Medien kritisch gegenüberstehen. So unter anderem mit dem Hip-Hop-Titel von Nikolai Freimann "Lied zum Widerstand".

Er kritisiert darin die Medien mit folgenden Zeilen: "Ihr habt dieses Land gespalten. Zwischen links, rechts; schwarz, weiß; Jungen und Alten." Auch die Redner in Leisnig trauen, wie sie selbst sagen, den "Qualitätsmedien" nicht mehr über den Weg. Auf Anfrage wird ein Gespräch abgelehnt. Selbst Teilnehmer wollten sich nicht äußern, da "die Lügenpresse nur falsch" berichten würde.

Polizei griff trotz mehrfacher Verstoße in Leisnig nicht ein

Die Kundgebung in Leisnig überwachten etwa ein dutzend Polizeibeamte. Sie forderten den Versammlungsleiter mehrfach auf, alle Teilnehmer auf die derzeit geltenden Hygienebestimmungen zu sensibilisieren. Trotz dessen wurden Abstandsregeln missachtet und das Tragen einer Maske größtenteils verweigert. Die Polizeibeamten griffen jedoch im Laufe des Abends nicht ein und ließen die Kundgebung weiterlaufen.

Auf Anfrage erklärt Polizeisprecher Andrzej Rydzik dazu: „Die Polizeidirektion Chemnitz verfolgt seit geraumer Zeit das Konzept einer deeskalierenden, kommunikativen Lösung bei derartigen Versammlungen. Unabhängig von der Zahl der bei solchen Versammlungen eingesetzten Kräfte ist für uns zunehmend festzustellen, dass wir die Versammlungsteilnehmer mit den uns zur Verfügung stehenden kommunikativen Mitteln nicht mehr erreichen.“

Die Kundgebung in Leisnig überwachten etwa ein dutzend Polizeibeamte.
Die Kundgebung in Leisnig überwachten etwa ein dutzend Polizeibeamte. © Erik-Holm Langhof
"Wir Sachsen gegen den Coronawahnsinn!" steht auf einem Transparent auf dem Leisniger Markt.
"Wir Sachsen gegen den Coronawahnsinn!" steht auf einem Transparent auf dem Leisniger Markt. © Erik-Holm Langhof
Größtenteils hatten die Teilnehmer keine medizinische Maske auf und hielten den Mindestabstand nicht ein.
Größtenteils hatten die Teilnehmer keine medizinische Maske auf und hielten den Mindestabstand nicht ein. © Erik-Holm Langhof

Die Konsequenz wäre ihm zufolge bei Verstößen gegen die Corona-Schutz-Verordnung ein polizeiliches Einschreitens im Sinne von einfacher körperlicher Gewalt zur Unterbindung beziehungsweise Verfolgung der Verstöße.

Dies sei mit Blick auf die „überwiegend friedlichen Teilnehmer, unter denen sich Senioren, Jugendliche und auch Familien mit Kindern befunden haben, nicht die Lösung der Problematik“. Entgegen der Aussage des Einsatzleiters vor Ort, seien laut Rydzik bisher keine Anzeigen zur Versammlung aufgenommen worden.

„Wir sind uns dessen bewusst, dass die Versammlung angesichts des Verhaltens der Versammlungsteilnehmer nicht störungsfrei vonstattenging. Dennoch verlief sie friedlich und ohne zu verzeichnende Straftaten“, so der Pressesprecher.

Am Rande der Demonstration tranken mehrere Personen in der Gruppe Alkohol, tanzten miteinander – ebenfalls ohne Mund-Nasen-Schutz. Auch bei diesen Szenen griff die Polizei am Montagabend in Leisnig nicht ein.

Harthaer Bürgermeister bei Demonstration auf dem Markt

In Hartha versammelten sich auf dem Marktplatz gegen 19 Uhr etwa 130 Menschen. Bereits in den vergangenen Wochen mobilisierten sich mehrere Bürger, um bei der Kundgebung gegen die derzeitige Corona-Politik aufmerksam zu machen.

Unter die Demonstranten hat sich am Montag auch Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) gemischt, der von der Versammlungsleiterin herzlich begrüßt wurde. Wie er auf Anfrage mitteilt, wurde er mehrfach von Teilnehmern aus verschiedenen Richtungen eingeladen. „Vor Ort bin ich mit den Menschen ins Gespräch kommen. Es gab viele Diskussionen, die zum Teil auch sehr konstruktiv waren.“

Etwa 130 Harthaer haben am Montagabend auf dem Markt gegen die derzeitigen Corona-Maßnahmen demonstriert.
Etwa 130 Harthaer haben am Montagabend auf dem Markt gegen die derzeitigen Corona-Maßnahmen demonstriert. © Dietmar Thomas
Mehrere Transparente liegen am Froschbrunnen in Hartha. Sie kritisieren unter anderem die Entscheidungen der Politiker während der Corona-Pandemie.
Mehrere Transparente liegen am Froschbrunnen in Hartha. Sie kritisieren unter anderem die Entscheidungen der Politiker während der Corona-Pandemie. © Dietmar Thomas

Im Gegensatz zur Veranstaltung in Leisnig gab es in Hartha vor allem Musik aus der Posaune sowie verschiedene Transparente, die rund um den Froschbrunnen aufgestellt wurden. Auch darauf ist Kritik an den derzeitigen Regeln und Entscheidungen der Politiker zu lesen.

Die Demonstranten kritisierten unter anderem die Verpflichtung zum Maske tragen sowie die Öffnung von Fußball-Bundesliga-Spielen. Zu den genauen Beweggründen, warum die Versammlungsleiterin zum Protest aufrief, wollte sie auf Anfrage von Sächsische.de nicht äußern.

Die Harthaer Demonstranten wurden durch die Polizei mit drei Beamten begleitet. Auch hier verletzten mehrere Teilnehmer die Hygienebestimmungen der Corona-Schutz-Verordnung durch das Nichttragen einer Maske und durch unzureichende Einhaltung des Abstandes. Die Polizei griff auch hier nicht ein.

NPD-Anhänger unter Demonstranten in Döbeln

Vor dem Rathaus in Döbeln kamen am Abend etwa 65 Personen zusammen, um gegen die Corona-Politik zu demonstrieren.

Unter dem Motto „Deutschland gegen den Corona-Wahnsinn“ kritisierten die Protestteilnehmer vor allem Schulschließungen, das Homeschooling sowie die Kontaktreduzierung unter Kindern. Unter Bezug auf eine Studie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf machten sie auf die psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam.

Wie aus Aufnahmen aus den sozialen Netzwerken zu sehen ist, nahmen an der Kundgebung in Döbeln auch stadtbekannte NPD-Anhänger teil. Zudem wurden auf dem Döbelner Obermarkt die Abstands- und Hygienebestimmungen nur zum Teil eingehalten.

Protest auf Roßweiner Markt verhalten

In Roßwein sind am Montagabend ebenfalls 14 Menschen auf die Straße gegangen. Dazu aufgerufen hatte unter anderem die Bürgerbewegung „Roßwein wehrt sich gegen Politikversagen“, die in sozialen Netzwerken teilweise auch Verschwörungstheorien, Falschmeldungen und Thesen von Corona-Leugnern teilt.

Auch dort war die Polizei im Einsatz und hat keine größeren Vorkommnisse registriert.

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Hinweis: Die Polizei hat am Dienstagnachmittag die Zahl der Teilnehmenden nach oben korrigiert. Zudem habe es entgegen vorhergehender Aussagen (Stand 13. April) keine Anzeigen gegeben.

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