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Corona: Mehr Alkoholkonsum und Gewalt

Die Corona-Pandemie fördert Isolation und seelischen Stress. Das hat negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.

Gefährlicher Trend: Der Alkoholkonsum ist seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Und es gibt noch mehr negative Auswirkungen.
Gefährlicher Trend: Der Alkoholkonsum ist seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Und es gibt noch mehr negative Auswirkungen. © luckybusiness - stock.adobe.com

Großweitzschen/Döbeln. Weltweit leiden Menschen nicht nur körperlich oder wirtschaftlich, sondern auch seelisch unter den Folgen von Corona. Nach über einem Jahr Ausnahmesituation berichten Experten des Fachkrankenhauses Bethanien Hochweitzschen und des Medizinischen Versorgungszentrums Döbeln über ihre Erfahrungen aus der medizinischen Praxis.

Vielschichtige und schädliche Stressfaktoren

Die wichtigsten Erkenntnisse: Während der Pandemie hat ein riskanter Alkoholkonsum deutlich zugenommen. Zudem fühlen sich immer mehr Menschen sozial isoliert und entwickeln daraus psychische Erkrankungen.

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In hohem Maß leiden Kinder und Jugendliche, weil die Corona-Lage sich in besonderer Weise auf ihre persönliche Lebenssituation und die damit verbundenen Perspektiven auswirkt.

Prof. Dr. Francisco Pedrosa Gil ist Ärztlicher Direktor und Chefarzt im Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen. Er sieht in der Pandemie eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die psychische Gesundheit und verweist auf die vielschichtigen und potenziell schädlichen Stressfaktoren, zu denen neben Ängsten und existenziellen Problemen beispielsweise auch die Isolation während einer Quarantäne und die Langeweile im Corona-Alltag beitragen können.

Ängste können chronische Stressreaktionen auslösen

Das Fachkrankenhaus für Allgemeinpsychiatrie und Psychotherapie Bethanien Hochweitzschen leistet im Landkreis Mittelsachen die stationäre und teilstationäre psychiatrische Vollversorgung für ein Einzugsgebiet mit rund 230.000 Einwohnern.

Das Team hat die psychischen Auswirkungen von Corona in den vergangenen Monaten hautnah erlebt und intensiv mit Therapieangeboten begleitet. „Rund ein Drittel der Menschen leidet momentan unter psychischem Stress“, erklärt Pedrosa Gil.

„Ängste haben einen enormen Input auf unsere seelische Verfassung. Bestehen sie über einen längeren Zeitraum, so können sie chronische Stressreaktionen auslösen, die sich wiederum negativ auf Körper und Psyche auswirken.“

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

So zeigten aktuelle Untersuchungen, dass die Zahl von Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und posttraumatischen Belastungsstörungen derzeit vergleichsweise hoch ist. Der Chefarzt rechnet in den kommenden Wochen und Monaten mit einer Zunahme solcher Fälle im klinischen Alltag.

Um sie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, plädiert er für einen engen Austausch innerhalb des medizinischen Systems, beispielsweise zwischen den Hausarztpraxen, Beratungsstellen und Kliniken.

Kinder leiden am meisten unter Einschränkungen

Die notwendigen Einschränkungen während der Pandemie können zu einer sozialen Isolation führen. Aus der Forschung der psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) sei bekannt, dass fehlende körperliche Nähe und Gefühle der Einsamkeit als Hochrisikofaktoren für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen anzusehen sind.

Untersuchungen belegten zudem eine Zunahme von körperlicher und häuslicher Gewalt in den vergangenen zwölf Monaten – ebenfalls eine Gefahrenquelle für spätere psychische Erkrankungen.

„Kinder und junge Erwachsene leiden ohnehin am meisten unter den geltenden Einschränkungen im sozialen Zusammenleben. Sie erleben tiefe Frustration, sehen Ausbildungen und Perspektiven in Gefahr“, sagt Carsten Bölke, der als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie im Medizinischen Versorgungszentrum Döbeln tätig ist. „Junge Menschen brauchen daher unsere besondere Unterstützung.“

Pandemie macht die Menschen suchtanfällig

Dr. Ulrike Ernst, Chefärztin der Klinik für Suchtmedizin im Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen, hat direkte Auswirkungen der Corona-Krise auf das Suchtverhalten festgestellt.

So erhalten mehr Menschen mit Alkoholabhängigkeit eine stationäre Behandlung, weil ambulante Einrichtungen derzeit geschlossen sind. Dazu kommen Patienten, die ihren Alkoholkonsum im Laufe der Pandemie unkontrolliert gesteigert haben und jetzt an einer Abhängigkeitserkrankung leiden.

„Die nun schon seit mehr als einem Jahr bestehende Krise geht häufig mit existentiell bedrohlichen Ängsten gesundheitlicher und wirtschaftlicher Natur einher“, erklärt Ernst. „Unser Gedächtnis ist so programmiert, dass angenehme Erfahrungen lange gespeichert werden und etwa ein leichter Alkoholrausch mit Entspannung assoziiert wird. Die Gefahr eines häufigeren Suchtmittelkonsums zur Bewältigung der unangenehmen Gefühle ist daher derzeit sehr hoch.“

Um nicht in den nächsten Jahren deutlich mehr Patienten mit Suchterkrankungen behandeln zu müssen, sieht es Ulrike Ernst als vorrangige Aufgabe, frühzeitig gegenzusteuern. Menschen, die sich als gefährdet empfinden, empfiehlt sie, den eigenen Alkoholkonsum kritisch zu hinterfragen und als ersten Schritt konsequent mehrere alkoholfreie Tage pro Woche einzuhalten.

Seelische Gesundheit stärken

Generell raten die Experten des Fachkrankenhauses Bethanien Hochweitzschen und des MZV Döbeln dazu, insgesamt achtsam mit sich umzugehen und auch während der Krise auf einen strukturierten Tagesablauf zu achten.

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Die seelische Gesundheit durch wohltuende Aktivitäten zu stärken sei auch im Corona-Alltag möglich, ob beim Spaziergang, Yoga oder virtuellen Treffen mit anderen. Wer jedoch das Gefühl hat, sich nicht selbst helfen zu können, sollte sich umgehend kompetente Unterstützung holen, so der Rat von Francisco Pedrosa Gil.

Weitere Informationen zum Thema Corona und Psyche: https://www.bethanien-hochweitzschen.de/patientenbesucher/patientenversorgung-und-corona/corona-psyche

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