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Das ist die aktuelle Corona-Lage in Sachsen

Kühlcontainer für Corona-Tote, Kritik an Impfstrategie, Anzeige gegen Ärztin auf Querdenken-Demo und neue Regeln für die Supermärkte. Ein Überblick.

Von Mitte Oktober bis Mitte November sind in Sachsen deutlich mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der Vorjahre. Das zeigt die aktuelle Sterbestatistik.
Von Mitte Oktober bis Mitte November sind in Sachsen deutlich mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der Vorjahre. Das zeigt die aktuelle Sterbestatistik. © Sebastian Gollnow/dpa (Symbolbild)

Dresden. Das Coronavirus breitet sich in Sachsen weiter dramatisch aus. Das geht aus internen Unterlagen der Staatsregierung hervor, die der Sächsischen Zeitung vorliegen. Zum Stichtag 15. Dezember lag demnach der Inzidenzwert, der die Zahl der Neuinfizierten auf jeweils 100.000 Einwohner und innerhalb von sieben Tage beschreibt, bereits in 19 sächsischen Städten und Gemeinden über 1.000. Viele weitere Orte im Freistaat liegen zurzeit nur knapp darunter.

Der landesweit höchste Inzidenzwert wurde in der 2.738 Einwohner zählenden Gemeinde Käbschütztal im Landkreis Meißen registriert. Nachdem dort innerhalb einer Woche 80 Neuerkrankungen auftraten, stieg er auf 2.921,8. Den zweithöchsten Wert in Sachsen erzielte mit 2.408,9 die Gemeinde Neukirch im Kreis Bautzen.

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Bei 1.849 Menschen in Sachsen wurde innerhalb der letzten 24 Stunden eine Corona-Infektion festgestellt. Sachsens Gesundheitsministerium meldete am Dienstag insgesamt 92.358 Corona-Infektionen seit Anfang der Pandemie im Frühjahr. 1.849 Menschen sind nach Ministeriumsangaben an oder mit einer solchen Infektion gestorben, das sind 111 mehr als noch am Vortag. Inzwischen gelten geschätzt 56.000 Menschen als genesen.

Wegen einer Corona-Infektion befinden sich derzeit 3.136 Menschen in sächsischen Krankenhäusern zur Behandlung. 582 Patienten davon sind auf der Intensivstation. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat ist am Mittwoch erneut auf 387 gestiegen. Sachsen verzeichnet laut Robert Koch-Institut derzeit bundesweit die höchste Rate an Neuinfektionen binnen 7 Tagen je 100.000 Einwohner.

Krisenstab schärft Regeln für Supermärkte nach

Der Corona-Krisenstab der Landesregierung hat die Regeln für Supermärkte in Sachsen nachgeschärft. Demnach müssen künftig Waren, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, vom Rest des Angebots abgetrennt werden. Sie dürfen dann nicht mehr verkauft werden. Die sächsische Corona-Schutzverordnung werde um den entsprechenden Passus ergänzt, bestätigte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums einen entsprechenden Bericht der "Freien Presse". Laut Ministerium reicht es aus, wenn die Waren etwa durch Absperrband separiert werden, eine Entfernung der Ware aus dem Verkaufsraum sei nicht erforderlich.

Zu den Dingen, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, zählen etwa Kleidung, Bücher oder Spielzeug. Andere Bundesländer, etwa Bayern, haben den Verkauf im Lockdown hingegen anders geregelt: Dort dürfen Supermärkte, in denen mehr als 50 Prozent Waren des täglichen Bedarfs und Lebensmittel verkauft werden, auch andere Waren anbieten.

Bautzener Klinik erweitert Kühlmöglichkeiten für Tote

Weil die Kühlmöglichkeiten für Verstorbene im Landkreis Bautzen knapp werden, haben die Oberlausitz-Kliniken reagiert. Wie Geschäftsführer Reiner Rogowski mitteilte, ist ein Kühlcontainer bestellt worden. Der etwa 18 Quadratmeter große Container werde derzeit technisch gewartet. Er soll voraussichtlich am Montag am Bautzener Krankenhaus eintreffen. Notwendig wird das aus zwei Gründen: die Feiertage und die Auslastung bisheriger Kapazitäten.

Am Bautzener Krankenhaus soll in der kommenden Woche ein Kühlcontainer für Verstorbene eintreffen.
Am Bautzener Krankenhaus soll in der kommenden Woche ein Kühlcontainer für Verstorbene eintreffen. © SZ/Uwe Soeder

Übersterblichkeit in Sachsen drastisch gestiegen

Von Mitte Oktober bis Mitte November sind in Sachsen deutlich mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der Vorjahre. Das zeigt eine aktuelle Sonderauswertung der Sterbestatistik des Statistischen Bundesamtes, die am Freitag vorgestellt wurde. Zwar ist bei der Auswertung zu sehen, dass die Zahlen über das Jahr hinweg auf etwa dem gleichem Niveau zum Vorjahr sind, doch ab den kälteren Kalenderwochen steigt die Zahl deutlich.

Nach dem Anstieg der Corona-Infektionen steigt auch die Zahl der Todesfälle weiter an: Nach vorläufigen Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind bundesweit Mitte November etwa neun Prozent mehr Menschen gestorben als im Schnitt der Vorjahre. Vor allem für Sachsen meldete Destatis am Freitag eine hohe Übersterblichkeit - von bis zu 46 Prozent über dem Durchschnitt.

Kritik an Verzögerungen beim Corona-Impfen

In gut einer Woche, am 27. Dezember, beginnt das große Impfen gegen die Corona-Pandemie. Begonnen wird zunächst in den Alten- und Pflegeheimen. Die erste Zielgruppe sind die 57.000 Pflegebedürftige und 41.3000 Pflegekräfte in Sachsen. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) sprach am Freitag von einer Mammutaufgabe, die es in dieser Größenordnung noch nicht gegeben habe.

Noch immer sucht die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) Ärzte und Arzthelfer, die sich für die Aufgabe melden. Es sei eine freiwillige Tätigkeit, sagte eine Sprecherin der KVS. Sie sei zuversichtlich, dass sich bis zum Starttermin genügend Ärzte zur Verfügung stellen.

Offenbar gibt es jedoch organisatorische Schwierigkeiten beim Rekrutierungsverfahren. Bettina Müller, Ärztin aus Dresden, sagte der SZ, sie habe sich bereits vor über einer Woche per Mail bei der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet und keine Antwort erhalten.

Mediziner: Alle Corona-Patienten können behandelt werden

In Sachsen muss nach Einschätzung des Mediziners Professor Christoph Josten vom Universitätsklinikum Leipzig kein Corona-Patient Sorge haben, dass er wegen Überlastung nicht behandelt wird. Die Lage in den sächsischen Krankenhäusern sei angespannt und in manchen Regionen durchaus kritisch, sagte Josten. Dennoch sähen sich die Kliniken in der Lage, die Versorgung der Patienten aufrechtzuerhalten. Dafür sorge auch die Aufteilung in die drei Clusterregionen Leipzig, Dresden und Chemnitz, die Patienten untereinander austauschen. Es gebe noch Ressourcen.

Am Mittwoch hatten Äußerungen eines Zittauer Mediziners zur Triage für Aufregung gesorgt. Der Begriff bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen.

"Querdenken": Strafanzeige gegen Ärztin

Ihre Auftritte bei Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen haben für eine Ärztin aus dem erzgebirgischen Oelsnitz juristische Folgen. Die Landesärztekammer hat gegen Gerlind Läger, Fachärztin für Innere Medizin, jetzt bei der Staatsanwaltschaft Zwickau Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet.

Das Ermittlungsverfahren wird jetzt wegen der örtlichen Zuständigkeit in Chemnitz geführt, so ein Sprecher. Mit der Anzeige reagiert die Ärztekammer auf einen gemeinsamen Bericht der Sächsischen Zeitung und der Freien Presse über Ärzte in Sachsen, die öffentlich gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mobilisieren.

Anlass der Strafanzeige ist eine Äußerung bei einer Demonstration von Corona-Skeptikern und -leugnern in Oelsnitz, bei der Läger als Rednerin aufgetreten war. Die Ärztin hatte am 23. November vor mehreren Hundert Menschen auf einen Zuruf aus dem Publikum hin gesagt: „Ja, die Maske ist der Stern. Ich bin schon froh, dass er nicht gelb sein muss.“ Läger, die sich offenkundig im Widerstand gegen die etablierte Politik und gegen führende Virologen und Epidemiologen sieht, zog bewusst diese Parallele zum Dritten Reich.

Die Ärztin Gerlind Läger spricht bei einer Demonstration in Oelsnitz.
Die Ärztin Gerlind Läger spricht bei einer Demonstration in Oelsnitz. © Archiv/Oliver Hach

Mehrheit der Sachsen sieht Corona-Proteste kritisch

Die Mehrheit der Sachsen lehnt einer Umfrage zufolge Proteste gegen die Anti-Corona-Maßnahmen ab. Gut zwei Drittel (68 Prozent) seien der Ansicht, dass der Gesundheitsschutz der Bevölkerung Vorrang haben muss vor dem Demonstrationsrecht, teilte die "Leipziger Volkszeitung" am Freitag unter Berufung auf die Umfrage mit. Knapp jeder Fünfte (19 Prozent) sehe dies anders, darunter vor allem AfD-Wähler. Die Zeitung hatte das Erfurter Meinungsforschungsinstitut INSA mit der Studie beauftragt. Befragt wurden vom 1. bis 15. Dezember 1.008 wahlberechtigte Sachsen.

Eine große Mehrheit (70 Prozent) kritisierte die Proteste gegen die Corona-Schutzmaßnahmen als verantwortungslos, weil Teilnehmer dort meist weder Abstand halten noch Mund-Nase-Schutz tragen. Gut ein Viertel der Befragten hätten laut Umfrage Verständnis für die Demonstrationen gegen Corona-Schutzmaßnahmen und hielten die Schutzmaßnahmen für unverhältnismäßig, hieß es weiter.

Vor allem Anhänger der AfD sähen dies so. Knapp zwei Drittel der Sachsen (64 Prozent) seien zudem der Ansicht, dass die Demonstrationen viele andere Gruppen angezogen hätten und es dabei kaum noch um die Corona-Schutzmaßnahmen gehe, hieß es weiter.

CoronaCast: Gibt es Corona-Kontrollen zu Weihnachten?

Die aktuell geltende Corona-Schutzverordnung für Sachsen ist 33 Seiten lang. Teils detailliert, teils offen formuliert sind darin alle Regeln aufgeführt, die nun mindestens bis zum 10. Januar Bestand haben. Damit ist auch genau dokumentiert, was zu Weihnachten und Silvester gilt.

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Wie bei allen Maßnahmen bisher setzt die Regierung auch weiterhin auf das Verständnis der Bürger und die Eigenverantwortung. Dennoch gibt es eine Instanz, die das Ganze kontrolliert: die Polizei. In der neuen Folge des CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, geht es mit Jörg Kubiessa genau darum. Der Präsident der Polizeidirektion Dresden erklärt die Regeln und wie seine Kollegen dafür sorgen, dass sie eingehalten werden.

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