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Das ist die aktuelle Corona-Lage in Sachsen

Kretschmer denkt nicht an Hotspot-Abriegelungen, Impfstrategie für Sachsen steht fest und Dresden verbietet Feuerwerk zu Silvester. Ein Überblick zur Corona-Lage.

Wird die sächsische Polizei bald auch einzelne Gemeinden abriegeln und Ein- sowie Ausreisende kontrollieren? Dieser Vorschlag wird derzeit in Sachsen beraten.
Wird die sächsische Polizei bald auch einzelne Gemeinden abriegeln und Ein- sowie Ausreisende kontrollieren? Dieser Vorschlag wird derzeit in Sachsen beraten. © Symbolbild: dpa/Jan Woitas

Dresden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) und der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen Dr. Klaus Heckemann haben am Donnerstagmittag ein Pressestatement abgegeben. Dabei versprachen MP Kretschmer und Ministerin Köpping weitere Betten für Covid-Patienten, da man 16 Rehakliniken dazu befähigt habe, diese Menschen aufzunehmen und zu behandeln. Außerdem erteilte Kretschmer Überlegungen, nach denen besonders betroffene Orte in Sachsen abgeriegelt werden sollen, eine klare Absage.

Bei 3.266 Menschen in Sachsen wurde innerhalb der letzten 24 Stunden eine Corona-Infektion festgestellt. Sachsens Gesundheitsministerium meldete am Donnerstag insgesamt 98.778 Corona-Infektionen seit Anfang der Pandemie im Frühjahr. 2.009 Menschen sind nach Ministeriumsangaben an oder mit einer solchen Infektion gestorben, das sind 90 mehr als noch am Vortag. Inzwischen gelten geschätzt 63.000 Menschen als genesen.

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Wegen einer Corona-Infektion befinden sich derzeit 3.226 Menschen in sächsischen Krankenhäusern zur Behandlung. 610 Patienten davon sind auf der Intensivstation. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat ist am Mittwoch erneut auf 415 gestiegen. Sachsen verzeichnet laut Robert Koch-Institut derzeit bundesweit die höchste Rate an Neuinfektionen binnen 7 Tagen je 100.000 Einwohner.

Kretschmer denkt nicht an Abriegelung von Hotspots

Sachsen prüft nach Medienberichten drastischere Maßnahmen zur Eindämmung der weiter steigenden Zahl der Coronavirus-Infektionen. Nach Angaben von "Bild" und "Freie Presse" soll die Landesregierung erwägen, Kommunen mit einer besonders angespannten Corona-Lage von der Außenwelt abzuriegeln. Zudem könnte den Berichten zufolge die nächtliche Ausgangssperre verschärft werden. Die Einwohner dürften nach diesen Berichten dann nur noch während eines vorher festgelegten Zeitfensters und auf dem kürzesten Weg einkaufen gehen.

Bei einem am Donnerstagmittag live auf Facebook übertragenen Pressestatement sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer, dass Abriegelungen nicht geplant seien. Man habe früher als andere entschieden, das Land wieder herunterzufahren und werde jetzt erst einmal die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen abwarten.

"Zehn bis vierzehn Tage braucht es, bevor man etwas ganz Konkretes sieht. Vorher ist mit keinen weiteren Einschränkungen zu rechnen", betonte der Regierungschef. Man sei hoffnungsvoll, das eine Stabilisierung der Zahlen mit den jetzigen Instrumenten gelinge. Der Krisenstab arbeite mit Hochdruck daran, das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, will keine Abriegelung von Städten vor Weihnachten.
Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, will keine Abriegelung von Städten vor Weihnachten. © Archiv/Jan Woitas/dpa-Zentralbild

Corona in Sachsen: Drei Landkreise mit Risikowert über 600

Die Corona-Zahlen steigen weiter deutlich an. In Sachsen liegen nun drei Landkreise bei mehr als 600 neuen Corona-Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Nach Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) auch der Kreis Görlitz dazugekommen, in dem der Inzidenzwert nach aktuelleren Angaben des Landkreisens sogar bei 701 liegt.

Drei weitere Kreise (Zwickau, Meißen und Mittelsachsen) erreichen nach den RKI-Daten Werte von mehr als 500, der Erzgebirgskreis liegt bei 499,5. Am Donnerstag meldete das RKI für den gesamten Freistaat 3.207 Neuerkrankte im Vergleich zum Vortag. Dazu wurden zudem 68 weitere Todesfälle registriert.

Die so genannte Sieben-Tage-Inzidenz klettert damit landesweit auf 415,4, bundesweit liegt sie mit 179,2 viel niedriger. Die niedrigste Inzidenz in Sachsen wird nach wie vor für die Großstadt Leipzig mit 170,1 ausgewiesen. (Stand: Donnerstag 0 Uhr) Unter den zehn in Deutschland am stärksten betroffenen Kreise sind noch immer sechs aus Sachsen. Im Gegensatz zum Mittwoch führt die Liste aber wieder der Kreis Regen mit einer Inzidenz von 651 vor Bautzen (639,5) an.

So laufen Impfungen in den sächsischen Impfzentren ab

Sachsen wird wie bundesweit vereinbart nach den Weihnachtsfeiertagen mit den Impfungen gegen das Coronavirus beginnen. Das hat Gesundheitsministerin Petra Köpping angekündigt. Zuerst werden die Bewohner und das Personal in den Pflegeeinrichtungen geimpft, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag. Dafür sollen in allen Landkreisen und Großstädten mobile Teams in die Einrichtungen kommen. Schon jetzt werde zusammen mit den Einrichtungen überprüft, wer die Impfung bekommen möchte. In einer zweite Stufe sollen alle Älteren geimpft werden, die zu Hause sind. Das ist vorher nicht möglich, weil nicht so viel Impfstoff vorhanden ist.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) betreibt die 13 Impfzentren im Freistaat. Im CoronaCast, unserem Podcast zur Pandemie, erklärt DRK-Vorstand Rüdiger Unger wie die Zentren arbeiten und die Impfungen von der Anmeldung bis zur zweiten Spritze im Detail ablaufen. In dem Gespräch beantwortet Unger Fragen zu Logistik sowie Sicherheit der Einrichtungen und klärt auf, welche Dinge Impfwillige beachten müssen.

Die neue Folge CoronaCast können Sie direkt über diesen Player anhören. Weitere Informationen zum Thema und zusätzliche Abspielmöglichkeiten erfahren Sie in diesem Artikel: So funktionieren Sachsens Impfzentren

15 Prozent der Kinder in Sachsen in Kita-Notbetreuung

Nach der Schließung der Kindertagesstätten in Sachsen sind derzeit rund 15 Prozent der Kinder in der Notbetreuung. Das habe eine aktuelle Erhebung ergeben, teilte der sächsische Städte- und Gemeindetag am Donnerstag mit. Tatsächlich habe es deutlich mehr Anmeldungen für die Notbetreuung gegeben als letztlich in Anspruch genommen wurden. Demnach hatte fast ein Viertel der Familien (23 Prozent) Kinder für die Notbetreuung angemeldet. Sachsen ist seit Montag im zweiten Lockdown. Unter anderem mussten dafür Schulen und Kitas schließen.

Dresden verbietet Silvester-Knaller

In Sachsens Landeshauptstadt wird zum Jahreswechsel gar nicht geböllert: Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) kündigte am Donnerstag im Stadtrat an, dass es eine Allgemeinverfügung geben werde, die Feuerwerke zu Silvester untersagt. Nach Hilberts Angaben soll die neue Verfügung in den kommenden Tagen erlassen werden.

Mehrere Stadträte der Grünen fordern per Eilantrag ein Böller-Verbot zu Silvester und eine weitgehende Untersagung von Feuerwerken bis mindestens Ende April.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) untersagt alle Feuerwerke zu Silvester.
Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) untersagt alle Feuerwerke zu Silvester. © Archivbild: André Wirsig

"Querdenken" darf in Leipzig nicht demonstrieren

Die Stadt Leipzig untersagt mögliche neue "Querdenken"-Proteste am kommenden Samstag. Eine Versammlung der Bewegung werde zwar bereits seit längerem beworben, sei aber nicht fristgemäß bis zum 17. Dezember 12 Uhr angemeldet worden, teilte die Stadt am Donnerstag mit. In einer Allgemeinverfügung hatte die Stadt festgelegt, dass es am Samstag jedermann im Stadtgebiet untersagt ist, öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel zu veranstalten oder daran teilzunehmen, wenn sie nicht bis zum Donnerstag, 12 Uhr, angemeldet worden sind. Ausnahmeentscheidungen blieben vorbehalten, sofern Infektionsgefahren offenkundig ausgeschlossen seien, heißt es darin.

Leipzig war am 7. November bundesweit in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine "Querdenken"-Demonstration aus dem Ruder gelaufen war. Nachdem die Bewegung nun erneut für eine Leipziger Demo gegen die Corona-Maßnahmen mobilisiert, sind unter anderem zwei Kundgebungen der Initiative "Leipzig nimmt Platz" sowie der Linksjugend Leipzig mit insgesamt 1.000 Teilnehmern für Samstag angemeldet und bestätigt worden, wie die Stadt weiter mitteilte. Sie sollen auf dem Markt und dem Augustusplatz im Stadtzentrum stattfinden.

Landesdirektion Sachsen erlaubt längere Arbeitszeiten

Angesichts der Corona-Krise hat Sachsens Landesdirektion für zahlreiche Branchen die Arbeitszeitregeln gelockert. Das betrifft einerseits das Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit, andererseits wurde die Höchstarbeitszeit von acht auf zwölf Stunden täglich angehoben. Damit soll es laut einer Mitteilung etwa Krankenhäusern und Pflegeheimen möglich werden, Personalausfall durch längere Schichten anderer Mitarbeiter zu kompensieren. Die Ausnahmeregelung ist bis 31. März befristet. Die Regelungen betreffen nicht nur das Gesundheitswesen. So sind auch in Verkehrsbetrieben bis zu Zwölf-Stunden-Schichten möglich, ebenso wie in der Energie- und Wasserversorgung, der Landwirtschaft, dem Bewachungsgewerbe sowie beim Rundfunk und Nachrichtenagenturen.

"Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen", begründete die Präsidentin der Landesdirektion, Regina Kraushaar, diesen Schritt. Er soll helfen, die Corona-Pandemie zu bewältigen. "Allerdings ist auch klar: Die physischen und psychischen Belastungen der Beschäftigten, die an vorderster Front jeden Tag alles geben, damit der Kampf gegen die Pandemie gelingt, sind enorm." Deswegen müsse die geleistete Mehrarbeit innerhalb des nächsten halben Jahres ausgeglichen werden.

Sachsens Kirchen vor stiller Weihnacht

Kein Gemeindegesang, reduzierte Dauer, große Abstände: Corona zwingt Sachsens Christen an einem weiteren Höhepunkt des Kirchenjahres zu hartem Verzicht. "Nach Ostern heißt das Motto nun auch zu Weihnachten: Das Fest findet in jedem Fall statt", versicherte der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers dennoch. Die evangelische Landeskirche und die beiden katholischen Bistümer wollen Gottesdienste ermöglichen und freuen sich zugleich über alternative Angebote aus ihren Gemeinden - auch für die vielen Nichtchristen, die alljährlich die Gotteshäuser bei Vespern und Metten füllen.

Timmerevers spricht von "einem Spagat der Nächstenliebe" im Lockdown. Aber, das sei auch die Lehre aus der Debatte um Ostern mit geschlossenen Gotteshäusern, "Kirchen müssen offenbleiben", erklärt der Bischof von Dresden-Meissen. Das sei ein Dienst für die Menschen. Sein Bistum biete Gottesdienste unter Einhaltung strikter Schutzmaßnahmen an und ermutige zugleich, "dass man auch aus guten Gründen über Fernsehen und Internet mitfeiern kann".

Die weihnachtlich geschmückte Frauenkirche in Görlitz. "Kirchen müssen offenbleiben", erklärt der Bischof von Dresden-Meißen.
Die weihnachtlich geschmückte Frauenkirche in Görlitz. "Kirchen müssen offenbleiben", erklärt der Bischof von Dresden-Meißen. © Archiv/Paul Glaser

Sachsens Ärzte werden gebeten, ihre Praxen offenzuhalten

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) und der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Dr. Klaus Heckemann, haben sich am Donnerstag in einem Schreiben an die niedergelassenen Ärzte im Freistaat gewandt. Wie das Sozialministerium mitteilt, kommen neben Dank an die Mediziner auch Sorgen um überlastete Krankenhäuser zur Sprache. Ärzte und Pflegepersonal seien stark belastet, auch durch zunehmende Infektionen bei Medizinern.

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Man sei sich bewusst, dass auch niedergelassene Ärzte an ihre Leistungsgrenzen stößen. Dennoch bitten Köpping, Kretschmer und Heckemann die Ärzte, ihre Praxen vor dem Fest und in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr geöffnet zu halten, um so die ambulante Versorgung der Sachsen abzusichern und eine zusätzliche Belastung der Notaufnahmen der Kliniken abzumildern. Geworben wurde auch dafür, Covid-19-Patienten in den Fällen ambulant zu versorgen, in denen dies medizinisch vertretbar sei.

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