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Das ist die aktuelle Corona-Lage in Sachsen

Impfstart am 27. Dezember, Streit um Supermarkt-Regeln, Polizei verstärkt Kontrollen und ein mutiertes Virus in Sachsen? Ein Überblick.

Ein Corona-Intensivpatient aus Sachsen wird an der "Universitätsmedizin Rostock" aus einem Hubschrauber in einen Krankenwagen verladen. In den kommenden Tagen werden in Mecklenburg-Vorpommern bis zu zehn Patienten aus Sachsen erwartet.
Ein Corona-Intensivpatient aus Sachsen wird an der "Universitätsmedizin Rostock" aus einem Hubschrauber in einen Krankenwagen verladen. In den kommenden Tagen werden in Mecklenburg-Vorpommern bis zu zehn Patienten aus Sachsen erwartet. © dpa-Zentralbild

Dresden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) rechnet mit einer dritten Corona-Infektionswelle nach Weihnachten und Silvester. "Es wird eine dritte Welle geben. Die Frage ist, wie hoch sie ist", sagte er am Dienstag nach der Kabinettssitzung in Dresden. Problematisch sei, dass sich diese Welle auf dem jetzigen Niveau auftürmen könnte. "Vor uns liegen die zehn härtesten Wochen der Pandemie." Die dritte Welle könnte in der Zeit vom 10. bis 15. Januar sichtbar werden. In Sachsen gibt es derzeit die bundesweit größte Dynamik bei der Ausbreitung des Virus.

Wie groß die Welle werde und welchen Schaden sie anrichte, hätten die die Menschen allein in der Hand, sagte Kretschmer. Die Abstandsregeln und das Tragen einer Maske müssten in Fleisch und Blut übergehen. "Anders werden wir das nicht hinbekommen". Der "Lockdown-Light" im Oktober habe weder in Sachsen noch anderswo die notwendige Wirkung entfaltet. Deshalb habe man das Land mit weiteren Einschränkungen zur Ruhe bringen müssen. Erste Anzeichen für Besserung dürften nicht dazu führen, dass man sich in Sicherheit wiege.

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Der Freistaat bleibt mit großem Abstand der Corona-Hotspot in Deutschland. Der landesweite Sieben-Tage-Inzidenzwert, der am gestrigen Tag noch etwas zurück ging, stieg heute wieder auf 427,0. Die Zahl an bestätigten Corona-Fällen sinkt trotz der geltenden Beschränkungen nicht. Dem Gesundheitsministerium sind seit Montag 2.763 neue Infektionsfälle gemeldet worden. Damit hat sich die Zahl der mit Covid-19 infizierten Menschen im Freistaat seit dem ersten bekannten Coronafall am 2. März 2020 auf insgesamt 111.992 erhöht.

Die meisten neuen Infektionen in den vergangenen 24 Stunden wurden am Dienstag mit aus Dresden und Chemnitz sowie aus dem Erzgebirgskreis gemeldet. Die geschätzte Zahl der inzwischen Genesenen liegt derzeit bei 72.300. Ebenfalls deutlich gestiegen ist die Zahl der Menschen, die mit oder wegen des Virus' Sars-Cov-2 gestorben sind. Am Dienstagnachmittag wurden 107 neue Todesfälle gemeldet, damit wurden bisher 2.393 Corona-Tote verzeichnet.

Erste Impfungen am 27. Dezember in Sachsen

In Sachsen werden die Bewohner dreier Pflegeeinrichtungen die ersten sein, die ab 27. Dezember gegen das Coronavirus geimpft werden. Nach Angaben von Sozialministerin Petra Köpping werden es sich um Heime in Radeberg, dem Landkreis Zwickau und dem Erzgebirgskreis handeln. Genauere Angaben wollte die SPD-Politikerin am Dienstag noch nicht nennen, um keinen Ansturm auszulösen.

Sachsen rechnet in der ersten Phase mit 20.000 Impfdosen. Am 29. Dezember soll es eine zweite Lieferung mit 24.000 Impfdosen geben, Anfang Januar würden 34.000 folgen. Geimpft werde zunächst nur in Pflege- und Altenheimen sowie Krankenhäusern, sagte Köpping. Die Impfzentren würden später zum Einsatz kommen. Sachsen plant eine Hotline zu den Impfungen. Zugleich verwies Köpping auf eine bundesweite Informationskampagne.

Kretschmer: "Das ist eine gefährliche Mischung"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist wegen der wachsenden Polarisierung der Gesellschaft in der Corona-Pandemie in Sorge. Bei der ersten Infektionswelle habe noch Respekt vor einer unbekannten Erkrankung die Bevölkerung zusammengeschweißt, sagte er. Mit sinkenden Fallzahlen habe dann eine gewisser Leichtsinn Einzug gehalten.

Bestimmte Kreise hätten bewusst Fehlinformationen betrieben: "Es gab Beiträge im Internet, die die Gesellschaft bewusst spalten, verunsichern und destabilisieren sollten", so der Regierungs-Chef. Es gebe Krankenhäuser, in denen das Personal bis zur Erschöpfung arbeitet - und zwei Straßen weiter demonstrieren Menschen, die die Existenz des Coronavirus leugnen: "Das ist nur schwer auszuhalten", sagte Kretschmer.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat eingeräumt, dass in der ersten Phase der Pandemie vielleicht manche Einschränkungen überzogen waren. Jetzt sei die Lage aber viel dramatischer.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat eingeräumt, dass in der ersten Phase der Pandemie vielleicht manche Einschränkungen überzogen waren. Jetzt sei die Lage aber viel dramatischer. © Peter Endig/dpa

Weiter Streit um Supermarkt-Regeln in Sachsen

Das Chaos um die Corona-Regeln für Supermärkte geht im Landkreis Mittelsachsen weiter. Wie die Freie Presse berichtet, wolle der Landkreis Mittelsachsen die Verordnung weiterhin strikt auslegen. Demnach dürften Supermärkte und Drogerien in Mittelsachsen nur Waren des "alltäglichen Bedarfs" und nichts anderes verkaufen." Aus jetziger Sicht und unter Bezugnahme auf die aktuell geltende rechtliche Regelung" sei die aktuelle Auffassung des Wirtschaftsministeriums "rechtsfehlerhaft", sagte Damm der Zeitung.

"In einem Rechtsstaat sollten die Adressaten der Rechtsnorm noch immer darauf vertrauen können, was in einer Rechtsvorschrift geregelt ist, und nicht, welche spezielle Auffassung ein Staatssekretär vertritt. Der Landkreis Mittelsachsen wird also weiterhin nach der geltenden Rechtslage verfahren." Er sei "überrascht und verwundert" wie das Ministerium kommuniziere.

Sachsens Wirtschafts-Staatssekretär Hartmut Mangold hatte am Montag in einer Pressekonferenz erklärt, dass die umstrittene Entscheidung des Krisenstabes zum Verkaufsverbot 72 Stunden nach der Verkündigung ab sofort hinfällig sei.

Intensivpatienten: Mecklenburg-Vorpommern hilft Sachsen

Mehrere Corona-Intensivpatienten aus Sachsen sind in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen worden. Die Unimedizin Rostock übernehme vorerst zwei schwer an Covid-19 Erkrankte, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag in Schwerin mit. "Die Lage vor allem in Ostsachsen ist ernst. Aktuell haben wir noch ausreichend Kapazitäten, um den sächsischen Kollegen und Patienten zu helfen", sagte der ärztliche Vorstand der Unimedizin, Christian Schmidt.

In den kommenden Tagen werden in Mecklenburg-Vorpommern laut Ministerium bis zu zehn Patienten aus Sachsen erwartet. Die genaue Zuordnung werde anhand der Schwere der Erkrankung und der Kapazitäten in den Krankenhäusern gesteuert. Die Universitätsmedizin Greifswald werde ebenfalls Menschen aufnehmen, wenn es notwendig werden sollte. Zudem sind laut Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) Betten im Südstadtklinikum in Rostock vorgesehen.

Ein Corona-Intensivpatient aus Sachsen wird auf dem Gelände der "Universitätsmedizin Rostock" aus einem Hubschrauber in einen Krankenwagen verladen.
Ein Corona-Intensivpatient aus Sachsen wird auf dem Gelände der "Universitätsmedizin Rostock" aus einem Hubschrauber in einen Krankenwagen verladen. © Bernd Wüstneck/dpa

Verstöße gegen Corona-Regeln: Polizei verstärkt Kontrollen

Sachsen ist bundesweit der Corona-Hotspot - trotzdem halten sich zahlreiche Menschen weiterhin nicht an die Schutz-Verordnung. In der Zeit vom 14. bis 21. Dezember wurden im Bereich der Polizeidirektion Leipzig knapp 600 Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Corona-Schutz-Bestimmungen eingeleitet, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Auch deshalb will die sächsische Polizei ihre Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Regeln verstärken. Wie das Innenministerium am Dienstag auf Anfrage mitteilte, wurden vom 14. bis 20. Dezember landesweit 1.399 Bußgeldverfahren eingeleitet, 60 Verwarngelder erhoben und 489 mündliche Verwarnungen ausgesprochen. Bei den Kontrollen seien mehr als 4.000 Beamte im Einsatz gewesen. Innenminister Roland Wöller (CDU) dankte den Polizistinnen und Polizisten, die "unter Gefährdung ihrer eigenen Gesundheit dafür sorgen, diese Pandemie auch in Sachsen in den Griff zu bekommen".

"Jeder hat es in der eigenen Hand, wie sich die pandemische Lage in den kommenden Tagen weiterentwickeln wird", sagte Wöller. "Der ganz überwiegende Teil der Bevölkerung hat den Ernst der Lage verstanden, hält sich verantwortungsbewusst an die Regeln und kann deshalb auch von anderen erwarten, dass sich diese nun auch an die Regeln halten. Im Interesse der eigenen Gesundheit und von uns allen."

OVG untersagt Ladenöffnung für Abholung bestellter Ware

Das Sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) hat die Öffnung von Geschäften für die Abholung zuvor online bestellter Waren abgelehnt. Erlaubt sei nur die Öffnung von Geschäften und Märkten des täglichen Bedarfs sowie der Grundversorgung, entschied das OVG in einem Eilverfahren am Dienstag.

Eine Inhaberin von vier Elektronikfachmärkten hatte die Öffnung ihrer Geschäfte für das sogenannte Click & Collect-System verlangt. Dabei wird die gewünschte Ware online ausgewählt und bestellt und im Geschäft später abgeholt. Die OVG-Richter lehnten es ab, die entsprechenden Passagen in der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung in der seit 16. Dezember geltenden Fassung außer Vollzug zu setzen.

Der seit November 2020 geltende Teillockdown habe nicht dazu geführt, dass das Infektionsgeschehen zurückgegangen sei, erläuterten die Richter. Angesichts des unmittelbar drohenden Erreichens der Belastungsgrenze des Gesundheitssystems, sei eine Kontaktreduktion nicht zu beanstanden. Das von der Antragstellerin vorgehaltene Click & Collect-System liefe dem Ziel zuwider, dass die Bevölkerung im Freistaat Sachsen ihre Unterkunft möglichst wenig verlässt, hieß, es weiter. Der Beschluss ist unanfechtbar.

Ein mutiertes Virus in Sachsen?

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