merken
PLUS Sachsen

Das ist die aktuelle Corona-Lage in Sachsen

Massentest in zwei Kreisen, DRK sucht Helfer für Impfzentren, über 600 Soldaten helfen in Sachsen, Kreuzchor sagt Konzerte ab. Ein Überblick.

Eine junge Frau lässt sich in der Sporthalle von Räckelwitz auf das Coronavirus testen. Alle Einwohner der Gemeinde waren dazu am Freitag aufgerufen.
Eine junge Frau lässt sich in der Sporthalle von Räckelwitz auf das Coronavirus testen. Alle Einwohner der Gemeinde waren dazu am Freitag aufgerufen. © LausitzNews/Philipp Mann

Dresden. Die Zahl der in Verbindung mit Covid-19 gestorbenen Personen im Freistaat stieg am Freitag um 74 auf nun 1.212. Allein 28 Verstorbene wurden aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gemeldet. In den Krankenhäusern müssen derzeit 2.307 Sars-CoV-2-Patienten behandelt werden, davon 430 auf Intensivstationen.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Sachsen auch am Freitag angestiegen, wenn auch etwas weniger als am Tag zuvor. Nach der Erhebung des Sozialministeriums wurden innerhalb eines Tages 2.105 Menschen positiv auf das Virus getestet. Am Donnerstag lag die gemeldete Zahl mit 2.685 Neuinfektionen noch deutlich höher. Seit Beginn der Pandemie im März sind damit nun 65.510 Menschen mit dem Virus infiziert worden. Etwa 41.280 Personen davon gelten schätzungsweise als wieder genesen.

Anzeige
Die WOGENO sucht neue Mitarbeiter
Die WOGENO sucht neue Mitarbeiter

Die Wohnungsgenossenschaft Zittau eG bietet für engagierte Bewerber ein attraktives und verlässliches Arbeitsumfeld.

Die Zahl der laborbestätigten Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner liegt im gesamten Freistaat jetzt bei 276, am Donnerstag waren es noch 267. Sachsen ist derzeit mit Abstand das Bundesland mit der höchsten Inzidenz.

Corona-Hotspot: Warum ausgerechnet Sachsen?

Seit Mitte Oktober steigt die Zahl der Neuinfektionen im Freistaat rasant. Mittlerweile reicht dunkelrot als Farbe in den Deutschlandkarten nicht mehr aus, Sachsen ist nun lilafarben. Derzeit liegen acht von zehn Landkreisen und Chemnitz über der Grenze von 200 Infektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen, Leipzig und Dresden sind knapp darunter.

Nach Zahlen der örtlichen Gesundheitsämter liegt in vier Kreisen der Inzidenzwert sogar bei mehr als 400 – im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen, Görlitz und Zwickau. Warum? Ein Erklärungsversuch von Andrea Schawe und Karin Schlottmann.

Ein Schild vor dem Alten Rathaus in Chemnitz weist auf die "Maskenpflicht" in der Innenstadt hin.
Ein Schild vor dem Alten Rathaus in Chemnitz weist auf die "Maskenpflicht" in der Innenstadt hin. © dpa/Hendrik Schmidt

So ist die aktuelle Lage in den sächsischen Kreisen

Die Zahlen der Corona-Infizierten steigt trotz des Teil-Lockdowns in den sächsischen Kreisen weiter an. Hier ein Überblick:

So liefen die Corona-Massentest in Sachsen

Eine kleine Schlange hat sich am Freitagvormittag kurz nach 10 Uhr vor der Sporthalle in Räckelwitz gebildet. Geduld ist gefragt, doch das nehmen die Räckelwitzer gern in Kauf. Sie wollen sich auf das Coronavirus testen lassen - und das bei einer für den Landkreis Bautzen einmaligen Aktion.

Alle Einwohner der Gemeinde Räckelwitz mit ihren Ortsteilen Dreihäuser, Höflein, Neudörfel, Schmeckwitz und Teichhäuser sind an diesem Tag zu einem Corona-Massentest aufgerufen. Die sorbische Gemeinde gehört zu den Orten mit den höchsten Infektionszahlen im Landkreis.

Möglichst viele Einwohner an einem Tag testen - das war auch das Ziel des Massentests in Rathmannsdorf im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Der Saal ihres Gemeindezentrums sieht an diesem Freitag anders aus, als die Rathmannsdorfer ihn von Feierlichkeiten oder Vereinstreffen kennen.

Die Stühle sind beiseite gerückt, ein Fenster ist trotz drei Grad Außentemperatur weit aufgerissen. Über den Saal verteilt sind mit einigem Abstand vier Tische aufgebaut, an denen je ein Helfer in weißem Vollschutzanzug und Schutzvisier steht. In Rathmannsdorf findet ein groß angelegter Test auf das Coronavirus statt, selbst das Fernsehen ist mit Kamera vor Ort.

Kevin Nicke (r) nimmt einen Abstrich von Gerda Uhlemann (79). Die Bewohner der Gemeinde Rathmannsdorf im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge werden auf das SARS-CoV-2-Virus (Coronavirus) getestet.
Kevin Nicke (r) nimmt einen Abstrich von Gerda Uhlemann (79). Die Bewohner der Gemeinde Rathmannsdorf im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge werden auf das SARS-CoV-2-Virus (Coronavirus) getestet. © Daniel Schäfer

ÖPNV-Rettung: Sachsen beschließt 100 Prozent Ausgleich

Verkehrsunternehmen in Sachsen haben nun die Möglichkeit, durch die Corona-Krise verursachte Schäden ausgleichen zu lassen. Wie das Wirtschaftsministerium am Freitag mitteilte, sollen die coronabedingten Einnahmeausfälle bei Bus und Bahn zu 100 Prozent ausgeglichen werden. Darauf hatten sich Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) mit dem Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU) nach langem Ringen verständigt.

Sachsen wollte bisher - im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern - die Verluste bei Verkehrsunternehmen nur zu 70 Prozent ausgleichen. Nun kommen noch 30 Prozent an Landesgeldern dazu. Derzeit liegen dem Ministerium zufolge 68 Anträge von Bus- und Bahnanbietern im öffentlichen Personennahverkehr in Höhe von rund 80 Millionen Euro vor.

Bürgermeister hat eine Botschaft an Corona-Leugner

Dirk Neubauer reicht es. Der Bürgermeister von Augustusberg in Mittelsachsen hat die Kommentare und Argumente von Corona-Leugnern und Menschen, die die aktuelle Lage nicht ernst nehmen, satt. Bei Facebook meldete sich Neubauer zu Wort - mit einem eindringlichen Appell.

"Versucht es mal mit Verantwortung. Dieses Land braucht keinen Hass, keine Verschwörungstheorien und vor allem keine vermeintlichen Querdenker, die schon am einfachsten scheitern, was Menschsein bedeutet: An Rücksichtnahme", heißt es darin.

DRK sucht bis zu 300 Helfer für Impfzentren in Sachsen

Für die geplanten Corona-Impfzentren in Sachsen sucht das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bis zu 300 Mitarbeiter. Gearbeitet werde könne in Vollzeit, Teilzeit oder auch auf Minijob-Basis, wie der Landesverband am Freitag mitteilte.

Zu den Aufgaben gehören vor allem organisatorische und logistische Tätigkeiten - etwa Unterstützung im Check-in Bereich, Hilfe für die impfenden Ärzte sowie die Betreuung der zu Impfenden. Bewerbungen könnten über die Internetseite des DRK erfolgen. Geplant ist der Einsatz zunächst für bis zu drei Monate. Mehr dazu im Artikel Helfer für Sachsens Impfzentren gesucht

Unterdessen hat die Bundesregierung mitgeteilt, dass alle, die sich gegen Corona impfen lassen wollen, Anspruch auf eine kostenlose Impfung erhalten. "Die Impfung wird kostenlos sein, egal ob und wie jemand versichert ist", sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Freitag in Berlin.

Regierungssprecher Steffen Seibert wiederholte noch einmal, dass die Impfung freiwillig sein werde. Er kündigte eine "sehr umfangreiche" Informationskampagne der Regierung zu allen Fragen der Impfung an. Man hoffe, damit sehr viele Menschen überzeugen zu können. Pläne, Menschen dafür zu bezahlen, sich impfen zu lassen, gebe es nicht, sagte Seibert auf eine entsprechende Nachfrage.

Das Deutsche Rote Kreuz probt den Ablauf zur Impfung eines Corona-Impfstoffs. In Sachsen werden Mitarbeiter gesucht.
Das Deutsche Rote Kreuz probt den Ablauf zur Impfung eines Corona-Impfstoffs. In Sachsen werden Mitarbeiter gesucht. © dpa

Sachsen: 650 Soldaten helfen bei Corona-Bekämpfung

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist die Bundeswehr seit dieser Woche auch im Vogtlandkreis im Einsatz. Damit sei die Truppe nun in allen sächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten zur Unterstützung vor Ort, teilte das Landeskommando am Freitag mit.

Seit dieser Woche übernehmen die Soldaten in einem Pflegeheim in Weischlitz sowie in einer Wohnstätte Kauschwitz Hilfstätigkeiten, um das Pflegepersonal zu entlasten. Der Einsatz ist vorerst bis Anfang 2021 geplant. Das Landratsamt des Vogtlandkreises verwies am Freitag darauf, dass die Ausgangsbeschränkungen trotz sinkender Inzidenzwerte bestehen bleiben.

Zum einen grenze das Vogtland an Regionen mit hohen Infektionszahlen, hieß es zur Begründung. Zudem seien alle Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit im Vogtland belegt. Die Situation in mehreren Pflegeheimen sei kritisch. Mehr als 650 Soldatinnen und Soldaten helfen derzeit in sächsischen Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern, Gesundheitsämtern und in mobilen Abstrichteams aus.

ifo-Umfrage zeigt: Viele Ost-Unternehmen in Existenznot

In der Corona-Pandemie sieht sich einer Umfrage des ifo-Instituts zufolge etwa jedes fünfte Unternehmen in Ostdeutschland in seiner Existenz bedroht. Damit liege der Anteil höher als in Deutschland insgesamt, sagte Joachim Ragnitz von der ifo-Niederlassung in Dresden am Freitag. Im bundesweiten Schnitt gaben demnach rund 15 Prozent der befragten Unternehmen an, Existenzsorgen zu haben. "Die Gefahr einer Pleitewelle im Osten ist noch längst nicht gebannt", sagte Ragnitz.

Vor allem im Dienstleistungssektor sei die Angst vor einem Aus seit dem Sommer unverändert hoch. Hier spiegle sich die Situation im Gastgewerbe wider, das von den aktuellen Schließungen stark betroffen ist. Im Durchschnitt rechneten die Unternehmen über alle Branchen hinweg, dass sich ihre Geschäftslage in etwa einem Jahr normalisieren werde, hieß es.

Polizei verstärkt Kontrollen in Seiffen

Nach dem Besucheransturm am 1. Advent hat die Polizei in Seiffen für dieses Wochenende verstärkte Kontrollen eingeläutet. Dabei wurden am Freitag innerhalb von rund eineinhalb Stunden bei einer Verkehrskontrolle 34 Ordnungswidrigkeiten festgestellt, wie ein Polizeisprecher am Nachmittag sagte.

Das habe Autofahrer betroffen, die gegen die geltenden Ausgangsbeschränkungen verstießen und keinen triftigen Grund vorweisen konnten. Szenen wie am 1. Advent sollen sich im Weihnachtsort Seiffen nicht wiederholen.

Beamte der Bereitschaftspolizei kontrollieren am Ortsrand von Seiffen die einfahrenden Fahrzeuge.
Beamte der Bereitschaftspolizei kontrollieren am Ortsrand von Seiffen die einfahrenden Fahrzeuge. © dpa/Jan Woitas

Dresdner Kreuzchor sagt alle Auftritte ab

Der Dresdner Kreuzchor hat wegen mehrerer Corona-Infektionsfälle im Ensemble alle Auftritte bis zum 10. Januar abgesagt. Nach den vier bereits bekannten Fällen hätten sich weitere Kruzianer sowie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert, teilte die Sprecherin des Chores, Nina Bewerunge, am Freitag in Dresden mit. Konkrete Zahlen nannte sie nicht.

Weiterführende Artikel

Corona: Inzidenz in Sachsen sinkt

Corona: Inzidenz in Sachsen sinkt

1.163 Neuinfektionen im Freistaat, Sachsen hinkt beim Impfen weiter hinterher, Polizei kontrolliert Corona-Regeln in Skigebieten - unser Newsblog.

7.000 Verstöße gegen Corona-Schutzregeln

7.000 Verstöße gegen Corona-Schutzregeln

In Sachsen sind seit Beginn der Pandemie Tausende Verstöße geahndet worden. Die meisten Zuwiderhandlungen gegen die Regeln gab es aber schon zeitig.

Geprobt werden könne derzeit nicht. Der künstlerische Unterricht der Kruzianer sei zunächst für die nächste Woche abgesagt worden. Laut Bewerunge waren am Donnerstag alle Sänger, Pädagogen und Mitarbeiter des Chores auf das Coronavirus getestet worden.

Mehr zum Thema Sachsen