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Das ist die aktuelle Corona-Lage in Sachsen

Sachsens Krematorien am Limit, Supermarkt-Regeln angepasst, Anstehen für Schnelltests und Weihnachtsansprache. Ein Überblick.

In einem Schaukasten ist ein T-Shirt und ein Mund-Nasen-Schutz des Unternehmens Look54 mit der Aufschrift "Fuck the Virus" ausgestellt. Ein Satz den sich wohl viele Sachsen kurz vor Weihnachten auch denken.
In einem Schaukasten ist ein T-Shirt und ein Mund-Nasen-Schutz des Unternehmens Look54 mit der Aufschrift "Fuck the Virus" ausgestellt. Ein Satz den sich wohl viele Sachsen kurz vor Weihnachten auch denken. © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild (Symbolbild)

Dresden. Die Mehrheit der Menschen im Freistaat wird über die Weihnachtsfeiertage auf Kontakte zu anderen Menschen verzichten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die Sächsische.de gemeinsam mit den Meinungsforschern von Civey gestartet hat.

Demnach sagen rund 60 Prozent der Sachsen (59,9 Prozent), dass sie während der diesjährigen Weihnachtsfeiertage wegen der Corona-Pandemie weniger direkten Kontakt zu Menschen haben als in den Vorjahren. Zugleich sagt aber auch etwa ein Drittel der Sachsen (33,6 Prozent), dass sie ihre Kontakte über die Weihnachtsfeiertage nicht einschränken wollen. Der Vergleich zur deutschlandweiten Auswertung der Umfrage zeigt, dass die Sachsen offenbar weniger dazu bereit sind, auf Kontakte zu verzichten.

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In Sachsen steigt die Zahl an bestätigten Corona-Fällen hingegen weiterhin trotz der geltenden Beschränkungen sehr stark an. Dem Gesundheitsministerium sind in den vergangenen 24 Stunden 3.872 neue Infektionsfälle gemeldet worden, soviel wie noch nie an einem Tag - der bisher höchste Wert war vor zwei Wochen mit fast 3.400 Neuinfektionen gemeldet worden. Am gestrigen Dienstag waren es noch 2.763 neue Fälle.

Mit den Neuinfektionen vom Mittwoch hat sich die Zahl der mit Covid-19 infizierten Menschen im Freistaat seit dem ersten bekannten Corona-Fall am 2. März 2020 auf insgesamt 115.864 erhöht. Die geschätzte Zahl der inzwischen Genesenen liegt derzeit bei 75.000. Ebenfalls deutlich gestiegen ist die Zahl der Menschen, die mit oder wegen des Virus' Sars-Cov-2 gestorben sind. Am Mittwochnachmittag wurden 154 neue Todesfälle gemeldet, damit wurden bisher 2.547 Corona-Tote verzeichnet. Der Inzidenzwert für den Freistaat liegt inzwischen bei 414,1 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Sachsens Krematorien sind an der Grenze des Machbaren

Die Krematorien in Sachsen sind nach Einschätzung der Bestatterinnung wegen der Corona-Pandemie an der "Grenze des Machbaren" angelangt. "Da sind Kapazitätsgrenzen erreicht", sagte Innungsobermeister Tobias Wenzel am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Einige Krematorien würden auch über die Feiertage arbeiten, regional gebe es aber Unterschiede. "Ich habe gerade mit Chemnitz telefoniert. Die Leiterin des dortigen Krematoriums sagte, dass ihre Leute die Wochenenden durchgearbeitet hätten und jetzt dringend ein paar freie Tage brauchten."

Am Dienstagabend hatte eine Nachricht aus Zittau für Unruhe gesorgt. Die Stadt gab bekannt, Leichen außerhalb des Krematoriums lagern zu müssen, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichen. "Das große Problem sind nun die Feiertage, davor haben alle Angst", fasste Wenzel die Stimmung in der Bestatterbranche zusammen.

Normalerweise brauche man von der Einlieferung ins Krematoriums bis zur Einäscherung fünf Tage, derzeit seien es in Sachsen zehn.
Normalerweise brauche man von der Einlieferung ins Krematoriums bis zur Einäscherung fünf Tage, derzeit seien es in Sachsen zehn. © picture alliance/dpa/Europa Press

Wenzel warf der Politik Versagen vor. "Man hätte die Heime besser schützen müssen. Was wir jetzt an Sterbefällen haben, stammt vor allem aus den Pflegeheimen." Ihm zufolge gibt es in Sachsen zehn Krematorien mit rund 1.700 Kühlplätzen. Die seien im Moment gut ausgelastet.

Normalerweise brauche man von der Einlieferung ins Krematoriums bis zur Einäscherung fünf Tage, derzeit seien es zehn. Das Verbringen der Toten zur Feuerbestattung nach Tschechien oder in andere Bundesländern sei keine Option. Der Transport müsste mit Lastkraftwagen erfolgen, was mit der Würde nicht vereinbar sei. Die Standesämter stellten derzeit einen vorläufigen Bestattungsschein aus, damit es nicht zu weiteren Verzögerungen komme.

Supermarkt-Regeln in Sachsen angepasst

Nun ist es auch rechtsverbindlich geändert: Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) hat noch am Dienstagnachmittag eine Änderung der Corona-Schutz-Verordnung vorgenommen. Die Beschränkung auf ein entsprechendes Sortiment des täglichen Bedarfs wurde gestrichen. Somit dürfen Lebensmittelgeschäfte in Sachsen nun auch weiterhin Waren verkaufen, die nicht der Grundversorgung entsprechen. Die Regelung tritt ab 24. Dezember in Kraft.

Auch der Landkreis Mittelsachsen übernimmt sie.Zuvor wurde die Staatsregierung durch Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU) kritisiert, der die alte Fassung streng umsetzte und die Ordnungsbehörden in seinem Kreis dazu anhielt, Kontrollen in Supermärkten durchzuführen. Zahlreiche Märkte sperrten daraufhin unzählige Regale mit Sperrband ab, um einen Kauf der Waren zu verhindern. Damm warf dem Wirtschaftsministerium eine „rechtsfehlerhafte“ Einschätzung der Corona-Verordnung vor und begrüßte am Dienstag jedoch die Änderung der Ministerin.

In den letzten Tagen gab es immer wieder Verwirrung rund um die Supermarkt-Regeln. Vergangenen Freitag hatte die Regierung de facto den Supermärkten ein Verkaufsverbot für Produkte auferlegt, die nicht unter die Grundversorgung fallen. Am Montag änderte sie ihre Meinung und vertrat eine andere Auslegung der Verordnung: Supermärkte dürften wieder alle Waren verkaufen, wenn Produkte der Grundversorgung 50 Prozent ihres Sortiments ausmachten.

Görlitzer Landrat Lange: "Wir haben die Lage im Griff"

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) hält Panikmache im Zusammenhang mit den hohen Infektionszahlen in seinem Landkreis für falsch. "Wir haben die Lage im Griff, sie ist aber angespannt", sagte er am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Vergleiche mit der norditalienischen Stadt Bergamo seien völlig fehl am Platz.

Sorgen bereite ihm vor allem die Situation in den Krankenhäusern. "Wir müssen Patienten innerhalb des Landkreises verlagern." Eine weitere Verschärfung von Corona-Regeln hält Lange nicht für sinnvoll. "Ich habe zunehmend das Gefühl, dass das Verständnis für die Maßnahmen wächst." Mehr erfahren Sie im Artikel Alle Infos zu Corona im Landkreis Görlitz

Anstehen für Corona-Schnelltests in Dresden und Mittweida

Ein bisschen ist es wie bei einem Schwangerschaftstest. Ein kleiner Teststreifen verfärbt sich binnen 15 Minuten dunkel, wenn die Testperson mit Covid-19 infiziert ist. Elf Mitarbeiter der Firma Hectas Sicherheitsdienste - eigentlich alles betriebsinterne Sanitäter und Feuerwehrmänner - stehen am Dienstagvormittag eingehüllt in blaue und grüne Infektionsschutz-Overalls im Eingangsbereich der Dresdner Messehalle und erwarten Patienten.

Nachdem am Dienstag nur wenige Patienten in die Dresdner Messe kamen, um sich testen zu lassen, hat sich das Bild am Mittwochvormittag gewendet: "Wir mussten heute eine halbe Stunde früher anfangen, weil die Leute quer über den Parkplatz Schlange standen", berichtet Alexander de Blois, der für die Firma das Testzentrum betreut. 600 bis 800 Tests seien insgesamt verfügbar, es werde geprüft, ob es noch mehr gibt.

In einer Blitzaktion hat auch der Landkreis Mittelsachsen einen Tag vor Weihnachten einen Massentest für die Bevölkerung aus dem Boden gestampft. Der Freistaat hatte dem Landkreis die Tests zur Verfügung gestellt. Fast kein Wunder, dass in der Kürze der Zeit am Mittwochvormittag noch nicht alles perfekt vorbereitet war.

Schlange vor dem Impfzentrum in Mittweida. Leute stehen für den Corona Schnelltest am ehemaligen Simmel-Markt an.
Schlange vor dem Impfzentrum in Mittweida. Leute stehen für den Corona Schnelltest am ehemaligen Simmel-Markt an. © Maria Fricke

Um 9 Uhr sollten die kostenlosen Schnelltests beginnen. Der Start verzögert sich um knapp 20 Minuten. Bereits ab 8.30 Uhr stehen die ersten Testwilligen am Eingang zum zukünftigen Impfzentrum im Simmel-Center an der Mittweidaer Schillerstraße.

Knapp 10.000 Tests hatte das DRK laut Illig vom Landkreis erhalten. Die erste Fuhre ist am Mittwoch in Mittweida zur Anwendung gekommen.

Tschechien geht wieder in den Lockdown

Was das Christkind den Tschechen unter den angeputzten Weihnachtsbaum legt, wird für viele noch eine Überraschung sein. Dass nach Weihnachten wieder Schluss mit lustig sein wird, kommt dagegen nicht überraschend.

Am Dienstag ließ sich die Regierung vom Parlament schon den Notstand um einen Monat verlängern. Am heutigen Mittwoch dann kamen die erwarteten massiven Einschränkungen - Tschechien geht nach dem Fest erneut in den Lockdown.

Sachsens Landtagspräsident veröffentlicht Ansprache

In einer Weihnachtsbotschaft hat Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler die Menschen im Freistaat aufgerufen, auch in der „entbehrungsreichen Zeit“ stark und zuversichtlich zu bleiben: „Seien Sie ein helles Licht“, sagte Rößler in seiner Ansprache, die auf Youtube veröffentlich wurde.

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Der CDU-Politiker dankte auch im Namen der Abgeordneten jenen Sachsen, die auch über die Feiertage ihren Dienst tun: „Ein leuchtendes Vorbild sind für mich all diejenigen, die täglich, und nicht nur jetzt an den Feiertagen, unser Land am Laufen halten.“

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